Antifaschistisches Videospiel: „Through the Darkest of Times“

Divers durchs Dunkel

Daniel Marburger

Das Setting des Zweiten Weltkriegs oder auch des Hitlerfaschismus sind in Videospielen nichts Neues: „Wolfen-stein“, „Hearts of Iron“, „Call of Duty“. Doch während man sich in „Call of Duty“ übermächtig durch Gegnerhorden kämpft oder als Anführer einer Nation in „Hearts of Iron“ das Schicksal ganzer Länder in der Hand hat, ist „Through the Darkest of Times“ eher klein.

Worum geht es? Das Spiel beginnt im Jahr 1933. Vor dem Start muss man sich einen Charakter erstellen, der zufallsgenerierte Eigenschaften hat: Ein sozialdemokratischer Professor, ein nationalkonservativer Lehrer oder ein kommunistischer Arbeiter. Die Eigenschaften der Charaktere sind für den Erfolg entscheidend. Nach dem Erstellen eines Charakters muss man neue Mitglieder für seine Widerstandsgruppe anwerben und gemeinsam Aktionen durchführen, um den Widerstand im Kleinen zu organisieren: Spenden sammeln, Flugblätter verteilen, der SA Geld stehlen und so weiter. Durch geschicktes Spielen und genug taktisches Geschick können auch spektakuläre Aktionen durchgeführt werden, wie die Befreiung eines Konzentrationslagers.

Während das Gameplay nicht besonders knackig ist, überzeugt die Atmosphäre, die das Spiel erzeugt. Seien es die schönen, in einem düsteren Comicstil gehaltenen Charaktere und eine ebensolche Umgebung oder die Musik der 20er und 30er Jahre. Alles in allem ist „Through the Darkest of Times“ ein sehr gutes, antifaschistisches Spiel. Die Geschichte bleibt ernst, die historischen Ereignisse werden, so akkurat es in einer Erzählung geht, wiedergegeben. Dass die Gruppe divers sein muss, um ordentlichen Widerstand leisten zu können, ist eine gute Message. Toll, dass „Paintbucket Games“ gegen den Mainstream schwimmt und ein ruhiges, emotionales Spiel über den Faschismus herausbringt und so gegen die immer gleichen Bombast-Shooter oder Militärstrategie-Simulationen ein Statement setzt.

(Aus: „Position – Magazin der SDAJ“ 3/20, erhältlich im UZ-Shop)

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"Divers durchs Dunkel", UZ vom 13. November 2020



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