Der Bundesliga-Spieltag im Kneipen-Rückblick

Eben

Von Karl Rehnagel

Was ein Wochenende – für Dortmunderinnen und Dortmunder sowieso, aber auch für alle Fußballfans, die nicht gerade aus München (haben verloren), Leverkusen (haben verloren) oder Gelsenkirchen (hassen den BVB) kommen. Denn: die Liga ist zumindest kurzfristig mal wieder spannend!

( Casey Hugelfink / Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Völlig unerwartet (zumindest für mich) schlug die alte Dame Hertha letzte Woche Freitag Bayern München klar mit 2:0, womit letztere nach einem 1:1 in Augsburg schon fast so etwas wie eine Mini-Krise haben. Und: Der BVB konnte am Samstag mit einem Sieg gegen Leverkusen die Tabellenführung übernehmen.

Wir saßen an eben diesem Tag fröstelnd im Rauchervorzelt der Kneipe in der üblichen kleinen Runde, die schöne M. unkenntlich in ungefähr 23 Wolldecken eingewickelt. Neben uns ein neuer Tisch, drei Jungs mit raspelkurzen Haaren, einer mit Glatze und in Ballonseide gekleidet und eine undefinierbare Dame mit Pferdeschwanz. „Wir stehen bei Heimspielen immer auf der Süd, Block 13, krass geil!“ kam es pöbelnd herüber zu uns – womit immerhin geklärt wäre, das es sich hier nicht um den philosophischen Lesezirkel aus dem angrenzenden Kreuzviertel handelte.

Eine gewisse vornehme Zurückhaltung hielt bei uns Einzug. Das Spiel tat sein Übriges, ein 2:0 von Leverkusen zur Pause war übel und verbesserte die Stimmung an beiden Tischen herzlich wenig. Die zweite Halbzeit war dann allerdings dermaßen überraschend und genial, dass geradezu Kloppsche Vergangenheit durch das Zelt wehte. 2:1, 2:2, 3:2 … spätestens jetzt sprang alles durcheinander und es grenzte an ein Wunder, dass die schöne M. sich nicht beide Beine brach beim Versuch, mit ihren 23 Wolldecken durch die Gegend zu hüpfen.

Das 4:2 wurde gar mit verbrüderungs-ähnlichen Ritualen mit dem Nebentisch begangen, wer hätte das erwartet. So ganz koscher waren mir die Herren aber trotzdem nicht, nicht schlimm, wenn sie die nächsten Auswärtsspiele wieder dort verbringen, wo sie ja die Jahre vorher auch gewesen sein müssen.

Der BVB zumindest hat die Liga zwischenzeitlich spannend gemacht mit seinen vielen jungen Spielern, von denen ich mal Jacob Bruun Larsen (20), Jadon Sancho (18!) und Dan-Axel Zagadou (19) – bei dem ich immer „ZAGABOU!“ brülle, wenn er mal wieder die Grätsche ausgepackt hat – hervorheben will. Und wenn man erst in der 62. Minute einen Mittelstürmer bringt (Paco Alcácer), der dann noch zwei Tore macht … zurzeit macht Borussia viel richtig und wieder eine Menge Spaß.

Getippt hatte ich allerdings mal wieder Murks: Die Gladbacher kamen nur auf ein 2:2 in Wolfsburg, Schalke gewann sein erstes Spiel (gegen Mainz) und Augsburg überrollte Freiburg ebenso mit einem 4:1 wie Frankfurt Hannover. Alles falsch voraus gesagt.

Aber wie sagte einst Philipp Lahm so schön: „Man muss nicht immer das Salz in der Suppe suchen.“ Eben.

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"Eben", UZ vom 5. Oktober 2018



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