Es geht um die Produktionsmittel

Von Roland Winkler, per e-Mail

Betrifft: Debatte über die Mitgliedschaft in der ELP


Die ELP ist fraglos unser Bündnispartner und kann es auf vielen linken Politikfeldern mit uns gemeinsam sein. Genauso wissen wir, dass sich unsere Ansichten in wesentlichen Fragen auch unterscheiden. Was sollte uns aber zwingen und warum sollte es entscheidend sein für unsere Politik, Mitglied der ELP zu sein? Hier haben wir in der Partei viele Jahre Differenzen und was sollte überzeugen, nur als Mitglied Einfluss zu haben? Naheliegender ist, als Mitglied in der ELP-Partei gehen wir in unserem Grundverständnis unter. Als Bündnispartner, so wir anerkannt werden, können wir eher etwas schieben, einbringen und vielleicht weniger in Konsenssuppe schwimmen. Die Meinung hat sich mir bestätigt, als ich im Info-Blatt der ELP gelesen habe, was Manolis Glezos in einem Beitrag u. a. ELP-Mitgliedern zu verstehen gegeben hat. Den verwaschenen und fast bittenden Forderungen von Gewerkschaften, mitgetragen von Linken, entgegnet er: Es geht doch um die Macht, um die Produktionsmittel. Die Autorin des Beitrags fragt dann, woher er diese „anarchistische Grundsätzlichkeit“ nehme.

Genau da sind wir am Punkt. Sind wir denn Anarchisten, allein wenn wir von grundsätzlichen Zielen nicht abgehen, sie aussprechen, ohne die wir letztlich in allgemeinstem linkem Larifari aufgehen und uns freuen, wenn Klassenfeinde (die gibt es tatsächlich!) uns gnädigst einen guten Weg zur Regierungsfähigkeit bescheinigen? Da ist es überhaupt nicht die Frage, ob die Machtfrage heute oder gleich morgen steht oder erkennbar ist.

Wenn ich mich recht erinnere war es Lenin, der Geduld die wichtigste Eigenschaft eines Revolutionärs nannte. Niemand muss Revolution mit drei R täglich buchstabieren, aber bewahren und weiter lernen müssen wir in diesem Sinne. Hört ihr denn nicht das Klopfen an der Tür, fragte Manolis, dessen Name mir ein Begriff ist, seit ich die ersten Schuljahre in der DDR besuchte. Es mit diesem Kommunisten zu halten, auf seine Erfahrung zu vertrauen, das kann für uns, unsere Partei nicht falsch sein. Ja, die Einheit unserer Partei muss in der Debatte vor dem Parteitag wieder fester werden. Wird sie das, dann verstehen uns auch die Mitglieder unserer Partei wieder, wenden sich nicht ab von den endlosen Streitereien, und vor allem bekommen wir wieder ein Gesicht, mit dem wir wirklich jungen Menschen gegenüber glaubhaft und vielleicht anziehender werden als es im derzeitigen Zustand der Fall ist.

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"Es geht um die Produktionsmittel", UZ vom 19. Juni 2015



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