Unablässig bombardiert Israel Ziele im Libanon, seit März versucht die israelische Armee verstärkt, nach Norden vorzudringen, und dann droht Ministerpräsident Netanjahu mit massiven Angriffen auf die Wohnviertel im Süden von Beirut.
Selbst für europäische Staaten ist das zu viel. „Nichts kann die Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen“, erklärte Frankreichs Außenminister Barrot. Und so verlangte Frankreich eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Man konnte schon zuvor ahnen, welche Worthülsen wieder formuliert würden: „Souveränität und territoriale Integrität“, „Recht auf Selbstverteidigung“ (für Israel), „Schutz für Zivilisten“, „Deeskalation“, „politische Lösung“. Am Ende stand nicht einmal eine Resolution, die die USA mit ihrem Veto hätten zu Fall bringen können.
Der Iran hatte nach dem Ende der unmittelbaren Kämpfe immer wieder erklärt, ein Waffenstillstand müsse für die gesamte Region gelten. Das war, wie Vermittler des Oman bestätigten, die Voraussetzung, dass der Iran sich auf die indirekten Verhandlungen einließ.
Eingehalten wurde dieser Waffenstillstand nie. Doch die israelische Drohung, Beirut zu bombardieren, war zu viel. Pünktlich zur Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates beendete der Iran die Verhandlungen mit den USA und schloss die Straße von Hormus. Die Ansar Allah im Jemen drohten mit der Sperre des Bab el Mandeb, eines zweiten wichtigen Schifffahrtswegs in der Region.
Das traf US-Präsident Trump, der sonst behauptet, von Sieg zu Sieg zu eilen, ins Mark. Umgehend telefonierte er mit Netanjahu und verlangte, auf die Bombardierung von Beirut zu verzichten. Auch dürften die israelischen Bodentruppen Beirut nicht einnehmen. Auf die Einnahme von Beirut verzichten zu müssen – das fiel Netanjahu angesichts der Drohnen der Hisbollah nicht schwer. Aber die Zerstörung von Beirut zurückstellen zu müssen, das war ein Affront, der zu einem hitzigen Verlauf der Unterredung mit Trump führte.
Am Ende gab es keinen Angriff auf Beirut, aber auch – bis Redaktionsschluss – noch keinen Waffenstillstand im Libanon. Ebenso unschlüssig verharrt der Ölpreis auf hohem Niveau.
Doch die Situation im Libanon, die Abwehr israelischer Angriffe auch dort, bleibt für den Iran unverzichtbarer Teil einer Lösung. Denn auch der Iran hat „rote Linien“ – daran werden sich Israel, USA und Europa gewöhnen müssen.


