Wer die Bilder aus Berlin von den regelmäßigen Gewaltorgien der Polizei gegen Palästina-Demonstrationen kennt, muss zu dem Schluss kommen, dass hier regelmäßig politischer Wille, institutioneller Rassismus und auf der Seite der Beamten Freude an der Gewalt zusammenkommen. Dabei ist die Arbeitsteilung grundsätzlich klar: Die Politik gibt die Linie vor, die weisungsgebundene Staatsanwaltschaft und die Polizeiführung geben sie an ihre Fußtruppen weiter, und diese Männer und Frauen in Uniform prügeln sie dann durch. Sowohl die Schläger als auch deren Vorgesetzte können im Zweifel immer nach oben verweisen – man selber setzte nur Befehle um. So kennt man es aus Deutschland.
Dabei handelt es sich allzu oft um Schutzbehauptungen, denn heute wie damals gibt es unter diesen Schreibtischtätern und Straßenschlägern zahlreiche Überzeugungstäter. Das ist hinlänglich durch rassistische Polizei-Chats und Umfragen über das Wahlverhalten der „Freunde und Helfer“ belegt. Es ist auch bekannt, dass angehende Polizisten bei der Ausbildung vor allem zwei Feindbilder eingetrichtert bekommen: Linke und Migranten. In Bezug auf die anti-palästinensische Repression könnte es noch weitere Motive für Beamte der Staatsgewalt geben, sich besonders leidenschaftlich zu engagieren. So enthüllte die „taz“ in einem Artikel vom vergangenen Mittwoch, dass Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel in Verbindung zu zionistischen christlichen Fundamentalisten steht.
Dem Beitrag zufolge war sie am 21. Februar dieses Jahres als Ehrengast zum „Israeltag Berlin-Brandenburg 2026“ des Vereins „Christen an der Seite Israels“ geladen und nahm daran auch teil. Laut dem Verein trafen sich an diesem Tag „über 400 Israelfreunde und -interessierte“ mit dem Ziel, „ihren Gott zu feiern und ihrer Verbundenheit mit dem jüdischen Volk Ausdruck zu verleihen“. Auch und „insbesondere für unsere Berliner Polizei“ habe man gemeinsam „inbrünstig gesungen und hoffnungsvoll gebetet“. Auch „biblische Impulse zu Gottes Plänen mit Israel“ standen auf der Tagesordnung. Neben Slowik Meisel waren unter anderem die rechte Aktivistin Karoline Preisler und Iman Sefati von der „Bild“ als Gäste vor Ort.
Der christliche Zionismus ist noch älter als der moderne politische Zionismus. Seinen Verfechtern ging es häufig darum, die jüdische Bevölkerung aus ihrem eigenen Land loszuwerden. Vor allem aber zeichnet den christlich-fundamentalistischen Zionismus aus, dass er durch die Inbesitznahme Palästinas durch das „jüdische Volk“ die Auslösung der Endzeit erwartet. Dann nämlich werde endlich die Apokalypse ausgelöst und die Welt von allen Ungläubigen – nicht-fundamentalistischen Christen, Muslimen und natürlich auch Juden – gereinigt. So abstrus und widersinnig dieser zutiefst judenfeindliche Zionismus ist, er ist heute eine der stärksten ideologischen Säulen israelischer Lobby-Arbeit. Bekanntlich sind gerade im Umfeld und der Basis Donald Trumps zahlreiche protestantische Fundamentalisten. Dieses Phänomen ist nicht auf die USA beschränkt. Die Evangelikalen betreiben – gesponsert von erzreaktionären Eliten – eifrige Missionsarbeit auf allen Kontinenten. Auch in Deutschland gibt es Berichte, dass ihr Einfluss in der unter massivem Mitgliederschwund leidenden Evangelischen Kirche wächst.
Der Verein „Christen an der Seite Israels“ wurde 1998 gegründet. Er finanziert unter anderem eine israelische Anti-Abtreibungs-Organisation, eine Organisation, die Juden bei der Auswanderung nach Palästina unterstützt, sowie illegale Siedlungen in der Westbank. Außerdem spricht er sich relativ eindeutig für ein Großisrael vom Jordan-Fluss bis zum Mittelmeer aus. Im vergangenen Jahr hatten diese Tatsachen dazu beigetragen, dass der sogenannte Antisemitismusbeautragte des Bundesregierung, Felix Klein, seine Schirmherrschaft für das Event absagte.









