Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp beunruhigt

Fusion geplatzt

Von Werner Sarbok

Mit der Frage: „Was passiert mit uns, was ist mit der Beschäftigungs- und Standortsicherung?“ drückte die IG Metall in einem Flugblatt an die Belegschaften am Montag die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen bei Thyssen­Krupp aus.

Nachdem der Konzern am Freitag letzter Woche den geplanten Deal mit Tata als auch die Aufteilung des Konzerns abgesagt hatte, drohte der Vorstand den Abbau von weltweit 6 000 Stellen an, 4 000 davon in Deutschland. Zukünftig seien auch betriebsbedingte Kündigungen möglich, wenn auch „nur in Ausnahmefällen“.

Als Grund für die Entscheidung benannte der Konzern den sich abzeichnenden Widerspruch der Europäischen Kommission gegen die Zusammenlegung. Die Kommission hatte Ende Oktober 2018 ein Verfahren eingeleitet, um die geplante Gründung der Fusion von Tata Steel und Thyssen­Krupp nach der EU-Fusionskontrollverordnung eingehend zu prüfen. Die Kommission sah die Gefahr, dass sich mit dem Zusammenschluss der europäischen Kohlenstoff-Flachstahl- und Elektrostahlsparten beider Unternehmen in ein Gemeinschaftsunternehmen der Wettbewerb zwischen den Anbietern verschiedener hochwertiger Stahlsorten verringern würde.

Konzernchef Kerkhoff hat nun angekündigt, neue Partner für die Werften zu suchen, auch für die Fertigung von Teilen für die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Verkäufe einzelner Betriebsteile seien ebenfalls denkbar. Der Konzern hat einen enormen Finanzbedarf, nicht zuletzt wegen massiver Fehlinvestionen in den vergangen Jahren.

Kerkhoff hatte nach Bekanntgabe der gescheiterten Fusionspläne erklärt, dass der Konzern das laufende Geschäftsjahr mit roten Zahlen abschließen wird. Nachdem im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/19, das im September endet, noch ein Nettogewinn von 36 Millionen Euro ausgewiesen sei, wäre im zweiten Quartal ein Verlust von 99 Millionen Euro zu erwarten. Bei der Bewertung dieser Zahlen muss berücksichtigt werden, dass der Konzern Rückstellungen auf eine erwartete Kartellstrafe im Stahlgeschäft von über 100 Millionen Euro gebildet hat.

Am vergangenen Dienstag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) berieten die Betriebsräte von Thyssenkrupp Steel in Duisburg ihr weiteres Vorgehen. Im Vorfeld hatten die Gewerkschafter bereits die Unternehmensführung aufgefordert, unverzüglich mit den Betriebsräten Verhandlungen über die Zukunft des Unternehmens aufzunehmen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von ThyssenKrupp, Tekin Nasikkol, forderte am Montag: „Die in den letzten Tagen entstandene Unsicherheit muss sofort ein Ende haben und betriebsbedingte Kündigungen sind ein Tabu.“

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"Fusion geplatzt", UZ vom 17. Mai 2019



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