Friedenskräfte antworten mit eigener Konferenz und Demonstration auf Treffen von NATO-Strategen in Essen

Gegen die NATO-Kriegskonferenz

Bernhard Trautvetter

Ein breites Friedensbündnis organisiert an diesem Wochenende eine große Essener Friedenskonferenz und eine Friedensdemonstration von der Philharmonie Essen zur Grugahalle/Messe. Die Friedenskräfte protestieren gegen eine in dieser Form „weltweit einzigartige“ (so die IHK Hagen) Verbindung aus zwei zivil-militärischen Messen (Euro Defence Expo und Security) mit einer hochkarätigen Konferenz der Strategieschmiede der NATO-Luftwaffe: der Joint Air and Space Power Conference (JAPCC).

Die breite Öffentlichkeit wird über dieses Ereignis im Wesentlichen nur durch die Friedensbewegung informiert. Lediglich der Lokalteil der Regionalzeitungen des Ruhrgebiets („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und „Neue Ruhr Zeitung“) berichtete vor fast zwei Jahren darüber, dass Essen als „Marktführer“ zur „zentralen Plattform der Rüstungsindustrie“ aufsteige. Damit knüpfen die Verantwortlichen an eine verheerende Tradition an. Als Hitler am 27. September 1937 zusammen mit dem italienischen Faschisten Mussolini die Krupp-Werke besuchte, nannte er Essen die „Waffenschmiede des Reiches“.

Verantwortlich für das Zusammentreffen des militärisch-industriellen Komplexes sind unter anderem die Stadt Essen, die Industrie und die Messe, die Strategieschmiede der NATO-Luftwaffe und die Medien der Militärlobby, aber auch die Landesregierung und das Bundesverteidigungsministerium und damit auch die Bundeswehr. Der weltgrößte Rüstungskonzern, Lockheed Martin aus den USA, der auch nukleare Arsenale bereitstellt, ist ebenso wie die größten Rüstungskonzerne der europäischen NATO-Staaten an der Kombination aus drei Veranstaltungsformaten beteiligt. Dazu gehören Rheinmetall, Airbus, Taurus Systems, der Chemie-Konzern Evonik und Lufthansa Technik sowie Konzerne der digitalen Rüstung, der Robotik und der Drohnentechnik.

Im Veranstaltungsprogramm wird auch der Umgang mit dem Atomkrieg thematisiert, etwa in der ins Programm integrierten „EUDEX“-Konferenz, in der ein der Workshop zum „ABC-Schutz als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe“ geplant ist; als gäbe es im Atomkrieg noch eine intakte Infrastruktur des medizinischen Schutzes für die unzählbar vielen mit dem Tode ringenden Verletzten.

Die Friedensbewegung hat eine vielfältige Serie von Veranstaltungen und Aktionen als Antwort der am Überleben interessierten Kräfte aus den Bereichen Frieden, Ökologie, Gewerkschaft, Solidarität und Menschenrechte auf die Beine gestellt. Zu den wichtigsten Ereignissen gehört die Friedenskonferenz am kommenden Samstag, in der unter anderem der Militärexperte Tobias Pflüger über das Aufrüstungsprogramm von NATO und Bundeswehr aufklärt. Der KI- und Digitalisierungs-Experte Karl Hans Bläsius berichtet über die neuesten Entwicklungen in der High-Tech-Kriegswaffen-Strategie. Der Ökologe und Atomexperte Christoph von Lieven (ICAN) klärt über die gesteigerten Gefahren auf, die sich aus der Atomrüstung ergeben und darüber, welche Aktivitäten die globale und nationale Friedensbewegung gegen die Atomrüstung entfaltet. Die Gewerkschafterin Ulrike Eifler berichtet über die neuen Entwicklungen in der Industrie, in der immer mehr Betriebe zu Rüstungskonzernen umgebaut werden. Arnold Schölzel informiert über Geopolitik und Völkerrecht. Im Jugendbereich geht es unter anderem um die Stärkung der Friedensbewegung, um die Abwehrkämpfe gegen die Militarisierung der Schulen und Universitäten sowie um die Verhinderung der Wehrpflicht.

Am 20. September findet dann eine Friedensdemonstration ab der Philharmonie Essen zur Grugahalle und Messe Essen statt. Dabei stehen die Forderungen nach Abrüstung statt Sozialabbau, nach Kooperation statt Konfrontation, nach zivilen Messen der Daseinsvorsorge und nicht des Kriegshandwerks sowie nach Konferenzen zur Bewahrung des Lebensraums der Menschheit im Vordergrund. Ein breites Bündnis um das Essener Netzwerk gegen Militarisierung organisiert die Friedensaktion, bei der auch Kutlu Yurtseven von der Band Microphone Mafia auftritt.

Friedenskonferenz
Samstag, 19. September
10 bis 17 Uhr
Burggymnasium Essen
Burgplatz 4

Friedensdemonstration
Sonntag, 20. September
Ab 14 Uhr
Start: Philharmonie Essen
Endpunkt: Grugahalle / Messe

Weitere Informationen: essener-friedensforum.de

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