Es keimte sogar ein wenig Hoffnung auf politischen Ertrag, als Ende August das Statistische Bundesamt für den Zeitraum April bis Juni ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent meldete. Über das ganze Jahr gerechnet stellte es 1,3 Prozent in Aussicht. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ meinte gar, die Bundesregierung mahnen zu müssen, man „sei noch nicht über den Berg“. Dort blühte wohl angesichts dieser scheinbaren Trendwende die Erwartung, mit solchen Zahlen die eigene Regierung stabilisieren zu können und bis zur kommenden Bundestagswahl Rückenwind zu bekommen.
Nicht nur die Wahl in Sachsen-Anhalt hat das ins Reich der Träume verwiesen. Zwei in den nachfolgenden Tagen ebenfalls veröffentlichte Zahlen haben entsprechende Hoffnungen im Keim erstickt. Zum einen wies das Münchener ifo-Institut darauf hin, dass die Weltproduktion in diesem und im nächsten Jahr um drei beziehungsweise 3,2 Prozent zulegen würde. Deutschlands Exportindustrie würde davon einen Abstrahleffekt von gerade einmal einem guten Drittel abbekommen und gegenüber anderen Industrienationen weiter abfallen.
Vor allem aber mahnte der Bundesrechnungshof Anfang September angesichts der jetzt bevorstehenden Haushaltsberatungen vor der immer größeren Gefahr einer Schuldenspirale. Diese werde dazu führen, dass binnen weniger Jahre angesichts steigender Zinslasten Bund und Länder handlungsunfähig werden. Das relativiert den Jubel über die 1,3 Prozent erheblich. Denn das kümmerliche Wachstum resultiert vor allem aus dem Füllhorn, das Kanzler und Finanzminister gegenwärtig für Aufrüstung und den militärischen Ausbau der Infrastruktur über das Land ausgießen. Jeder dritte Euro, der aus diesem Füllhorn purzelt, ist inzwischen geliehen und durch Steuereinnahmen nicht gedeckt.
Es ist daher kein Wunder, dass dieselben Institute, die jetzt ein Wachstum von seit Langem erstmals über 1 Prozent prognostizieren, gleichzeitig darauf hinweisen, dass das ab 2028 schon wieder vorbei sein könnte, weil dann die Wirkung des schuldenfinanzierten Mini-Booms nachlasse. Danach aber schlage die Schuldenfalle umso erbarmungsloser auf den Bundeshaushalt durch. Bis zur Bundestagswahl also ist dieses geliehene Feuerwerkchen längst abgebrannt und vergessen.

