VW: IG Metall unterstützt Rüstungsproduktion

Kübelwagen 2.0

Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses lag das Ergebnis der Betriebsratswahlen bei Volkswagen, die die ganze letzte Woche über liefen, noch nicht vor. Zwei Dinge standen jedoch bereits fest: Erstens bereitet der VW-Konzern den Einstieg in die Massenproduktion von Militärfahrzeugen vor. Zweitens unterstützt der von der IG Metall gestellte Betriebsrat diese Weichenstellung.

Da ein solcher Kurs der Beschlusslage der IG Metall widerspricht, gibt es hier und da noch ein bisschen Gedruckse, aber die Faktenlage ist ziemlich eindeutig. Auf der Militärmesse „Enforce Tac“ in Nürnberg war bei einem Spezialisten für Fahrzeugumrüstung ein Pick-up mit Quad auf der Ladefläche und einem Laptop-Steuerungssitz auf der Rückbank zu sehen. Auf dessen Kühlergrill stand ein bekannter Kreis – nur das VW-Zeichen darin fehlte.

Nach Angaben der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ stammt dieses Modell aus Osnabrück. Es ist eines von zwei Ingenieurstudien auf der Basis der VW-Modelle Amarok und Crafter, die unter den Decknamen „MV 1“ (also „Military Vehicle 1“) und „MV 2“ laufen. Der Standort ist kein Zufall, denn das Osnabrücker Werk sucht gegenwärtig händeringend nach Perspektiven für den Erhalt seiner wackligen Arbeitsplätze. Diese Schwäche hatte sich bereits der Rüstungskonzern Rheinmetall zunutze gemacht und mit der Übernahme des Werkes geliebäugelt.

Offenbar hat die VW-Führung die Sache nun selbst in die Hand genommen und dafür im Vorfeld auch grünes Licht von der Interessenvertretung der Beschäftigten erhalten. So sagte die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Ich bin der Meinung, dass Deutschland und Europa unabhängiger werden müssen im Bereich Verteidigung. Die Welt hat sich stark verändert. Deshalb ist es wichtig, dass Europa dort ein Gegengewicht aufbaut.“

„Back to the roots“ lautet die aktuelle Parole in Wolfsburg. Das dortige Stammwerk war in Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges von Anfang an als Standort für die Produktion von Rüstungsfahrzeugen konzipiert worden. Finanziert wurde es mit 1933 geraubten Gewerkschaftsgeldern und durch schlichten Betrug: Den „Volksgenossen“ war in den Vorkriegsjahren versprochen worden, für 5 Mark pro Woche ein Anrecht auf einen „Kraft-durch-Freude“-Volkswagen zu erwerben. Rund 325.000 Deutsche waren darauf hereingefallen und bekamen zwar keinen KdF-Wagen, haben aber so, das Werk aufzubauen, das den deutschen „Kübelwagen“ produzierte – die germanische Ausgabe des Jeeps, der dann ab 1945 mit US-Amerikanern an Bord durch Niedersachsen rollte. Angesichts der gut 160 Milliarden Euro Gewinnrücklagen, die Generationen von VW-Malochern mit ihrer Arbeit geschaffen haben, könnte der Konzern die Militarisierung des Konzerns heute bequem ohne Raub und Betrug finanzieren. Er wird dennoch versuchen, den Beschäftigten noch einmal tief in die Taschen zu greifen.

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"Kübelwagen 2.0", UZ vom 13. März 2026



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