In der vergangenen Woche wurde der Start der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ bekanntgegeben. Wir dokumentieren an dieser Stelle die redaktionell leicht bearbeitete Pressemitteilung des Bündnisses.
Mit dem Start der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ protestiert ein Bündnis aus jüdischen, queeren und antifaschistischen Einzelpersonen und Gruppen gegen das Verbot palästinensischer Symbole sowie gegen politische Repression und Geschichtsrevisionismus in der Gedenkstätte Buchenwald. Die Kampagne richtet sich gegen die Instrumentalisierung des antifaschistischen Erinnerungsortes zur Rechtfertigung des Genozids an den Palästinenserinnen und Palästinensern und der deutschen Kriegspolitik. Kritisiert wird die zunehmende Kriminalisierung palästinensischer Symbole durch die staatlich finanzierte Gedenkstätte.
„Ich gehe juristisch gegen das Verbot vor, aber das reicht nicht aus“, erklärt Anna M., Klägerin gegen das Kufiya-Verbot der Gedenkstätte Buchenwald. „Wir müssen politisch skandalisieren, dass die Gedenkstätte für deutsche Kriegstreiberei missbraucht und ihres internationalistischen und antifaschistischen Erbes entleert wird.“
Im April 2025 wurde nicht nur ein Hausverbot wegen Kufiya verhängt. Die spanische Jugenddelegierte Karen Solórzano, die in ihrer Rede ein Ende des Völkermords in Gaza forderte, wurde öffentlich vom Stiftungsdirektor zurückgewiesen. Der jüdische Philosoph Omri Boehm wurde auf Druck der israelischen Botschaft von der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds ausgeladen.
„Der Ausschluss palästinensischer Symbole aus dem öffentlichen Raum und ihre Abwertung als antisemitisch ist Teil eines breiteren Trends antipalästinensischer Repression im Sinne der ‚Staatsräson‘, den wir nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 beobachten“, kommentiert Lennart Michaelis vom European Legal Support Center (ELSC).
Im Juli 2025 wurde eine Handreichung der Gedenkstätte öffentlich, die Symbole wie Kufiya, Olivenzweig oder Wassermelone verbietet und selbst Forderungen nach einem Waffenstillstand in Gaza als Teil einer angeblich „antijüdischen Mobilisierung“ diffamiert. Besonders scharf kritisiert die Kampagne, dass die Kufiya von der Gedenkstättenleitung mit deutschem Faschismus und Antisemitismus in Verbindung gebracht wird. Dadurch werde die deutsche Verantwortung für den Holocaust relativiert und zugleich auf Palästinenserinnen und Palästinenser projiziert.
„Die ständigen falschen Vorwürfe des ‚Antisemitismus‘ von den historisch größten Tätern sind nichts anderes als ein Versuch, die Verantwortung abzuwälzen und die deutsche Beteiligung am Völkermord in Palästina zu rechtfertigen“, meinte Rachael Shapiro vom International Jewish Antizionist Network. „Deutschland fetischisiert und exzeptionalisiert Jüdinnen und Juden, um von seiner eigenen Beteiligung an kolonialen Völkermorden – in Namibia, Europa und jetzt in Palästina – abzulenken.“
Die Kampagne fordert von der Leitung der Stiftung der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora:
- die offene Thematisierung des Völkermords in Gaza,
- die Aufhebung des Verbots palästinensischer Symbole,
- ein Ende von Haus- und Redeverboten aufgrund von Palästinasolidarität oder Kritik an der israelischen Politik.
Die Kampagne erinnert auch an die Geschichte des Widerstands in Buchenwald, der das Lager befreite und im Schwur von Buchenwald klare Ziele benannte. Dies werde seitens der Gedenkstätte verdrängt, Jüdinnen und Juden politisch instrumentalisiert und andere Opfergruppen wie Kommunistinnen und Kommunisten, Sinti:zze und Rom:nja oder internationale Kriegsgefangene ausgeblendet.
„Antifaschismus ist untrennbar mit Internationalismus verbunden“, heißt es im Kampagnenstatement. „Ein Gedenken, das heutigen Völkermord relativiert oder Kritik daran unterdrückt, verrät den Schwur von Buchenwald.“
Weitere Informationen zur Kampagne: kufiyas-in-buchenwald.org








