Israel und USA überziehen den Iran mit einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Der wehrt sich

Regime-Change mit Waffengewalt

„Nach monatelangen Vorbereitungen“, hieß es aus Tel Aviv, sei der Angriff durchgeführt worden. Es sollte wieder ein Überraschungsangriff werden, wie im Juni letzten Jahres. Damals hatte Israel den Iran täuschen können, als die Verantwortlichen meinten, die Verhandlungen um das Atomprogramm seien ernst gemeint. Diesmal war Regierung und Militär klar: Die Verhandlungen waren ein Täuschungsmanöver. Das Ziel eines Angriffs würden die Spitzen von Staat, Regierung und Militär sein, ein „Enthauptungsschlag“. Alle mussten ihre Nachfolge regeln.

Dennoch beteiligte sich der Iran ernsthaft an den Verhandlungen und suchte eine Lösung. Nicht zuletzt, um der Bevölkerung zu zeigen, dass die Regierung keinen Krieg suchte. Vergebens.

In seiner Angriffsrede griff Donald Trump die Forderungen von Benjamin Netanjahu auf: Keine zivile Nukleartechnik, welcher Art auch immer, keine Raketentechnologie, keinen Einfluss in der Region, keine Unterstützung für Hamas oder Hisbollah. Und er forderte die Bevölkerung des Iran auf, die Regierung zu stürzen. Regime-Change im Iran war und ist das Ziel der USA und Israels seit Bestehen der islamischen Republik.

Der „Enthauptungsschlag“ traf den Verteidigungsminister, Kommandeure und vor allem das politische und religiöse Oberhaupt des Iran, Ali Khamenei. Er starb zusammen mit einer Tochter, dem Schwiegersohn und einem Enkel in den Trümmern seiner Residenz. Von den großen charismatischen Persönlichkeiten des schiitischen Islam lebt nach dem Tod von Hasan Nasrallah und Khamenei nur noch Ali al-Sistani im Irak, der bedeutendste schiitische Religionsführer. Von einer irgendwie gearteten Erschütterung des Iran konnte aber keine Rede sein. Wie zuvor von iranischen Militärs angekündigt, sollte jeder Angriff mit einer umfassenden Reaktion beantwortet werden.

Fast unmittelbar nach dem Angriff der USA und Israels startete der Iran seine Raketen. Vermutlich alle Stützpunkte, die die USA um den Iran herum aufgebaut hatten, wurden in den ersten 24 Stunden des Krieges mehr oder weniger stark beschädigt. Besonders betroffen waren ein Munitionstransportschiff, eine Radaranlage (Kosten: 1 Milliarde US-Dollar), die bis zu 5.000 Kilometer weit blicken konnte, und das Hauptquartier der 5. Flotte in Bahrain. Dort schlugen Raketen ein – unter dem Jubel von mehreren Dutzend Anwohnern.

Umgekehrt griffen US- oder israelische Flugzeuge ein Fitness-Center und eine Mädchenschule an. Nach den Erfahrungen in Gaza muss man vermuten: absichtlich. In der Schule starben mehr als 100 Schülerinnen.

Während in Teheran und anderen iranischen Städten Menschen sich in großer Zahl auf den Straßen versammeln, um Khamenei zu betrauern und zu ehren, sind in Israel Ansammlungen untersagt. Die Menschen sollen zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten. Das Land liegt – zumindest Samstag und Sonntag – unter permanentem Luftalarm. Ob Hisbollah, Ansar Allah und irakische Gruppen in den Krieg eintreten werden, ist zur Stunde ungewiss. Aber in der Region und darüber hinaus in Pakistan ist die Situation überaus labil.

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