Am 11. Oktober misslang der Start einer „Sojus-FG“

Rückschlag für die bemannte Raumfahrt

Von nh

Start einer russischen Sojus-FG in Baikonur

Start einer russischen Sojus-FG in Baikonur

( Gemeinfrei)

Auch wenn sie in die Jahre gekommen ist: Die Sojus-Trägerrakete gilt noch immer als das „Arbeitspferd“ der russischen Raumfahrt. Sojus-Trägerraketen wurden – seit dem Erstflug 1966 – bislang bereits mehr als 850 Mal gestartet. Mit ihr flogen auch die Kosmonauten des Interkosmos-Programms, so auch Sigmund Jähn vor nunmehr über 40 Jahren, mit ihren sowjetischen Kollegen einst ins All. Die Sojus gilt als außerordentlich zuverlässig (Zuverlässigkeitsquote fast 98 Prozent) und wurde in den letzten Jahrzehnten, aufbauend auf einem bewährten Konzept, beständig weiterentwickelt. Keine andere Trägerrakete hat eine ähnliche hohe Erfolgsquote. Seit dem Ende der amerikanischen Space-Shuttle-Flotte im Jahr 2011 wird sie auch genutzt, um regelmäßig US-amerikanische Astronauten und andere, so auch Alexander Gerst, derzeit Kommandant der Station, zur Internationalen Raumstation ISS zu befördern.

Auch am 11. Oktober war ein bemannter Flug zur ISS geplant. Zwei Raumfahrer, Alexej Owtschinin (Russland) und Nick Hague (USA), sollten die Besatzung der ISS verstärken. Um 11.40 Uhr Moskauer Zeit startete die Trägerrakete vom Typ „Sojus-FG“ mit dem bemannten Raumschiff „Sojus MS-10“ vom russischen Raumhafen Baikonur in Kasachstan. Wie ein AFP-Fotograf erklärte, der den Flug vor Ort beobachtete, verlief der Start zunächst erfolgreich. „Nach der Trennung der ersten Stufe aber hatten wir den Eindruck, dass es eine Art Blitz gab.“ Doch das automatische Rettungssystem des Raumschiffes erkannte die Panne binnen weniger Sekunden und führte die „Sojus-MS10“ mit der Besatzung vom havarierten Schiff weg. Die Kapsel konnte in der kasachischen Steppe etwa 25 Kilometer entfernt von der kasachischen Stadt Dscheskasgan landen. Nach kurzer Zeit waren auch die Rettungskräfte vor Ort und konnten nach Baikonur gute Nachrichten übermitteln: Beiden Raumfahrern geht es gut. Spätere ärztliche Untersuchungen bestätigten die Meldung. Auch die drei Besatzungsmitglieder an Bord der ISS atmeten auf. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst twitterte: „Bin froh, dass es unseren Freunden gut geht. Danke an 1 000 Rettungskräfte! Heute hat sich wieder gezeigt, wie großartig die Sojus ist: Trotz Fehlstart wurde die Crew sicher zur Erde zurückgebracht. Raumfahrt ist hart. Aber wir müssen weitermachen, zum Wohle der Menschheit.“

Nach dem Unglück wurde und wird intensiv nach den Ursachen gesucht. Eine staatliche Kommission wurde eingesetzt. Offenbar gab es schon beim Abbrennen der ersten Raketenstufe – bestehend aus den vier Boostern – Schwierigkeiten. Vielleicht zündete deshalb die zweite Stufe nicht. Glücklicherweise kam es zu keiner Explosion. Russischen Raumfahrtexperten zufolge könnten die Flüge aber eventuell Ende November wieder aufgenommen werden.

Ob das möglich ist oder nicht, die Havarie stellt für die russische Raumfahrtagentur, aber für die bemannte Raumfahrt insgesamt, einen Rückschlag dar. Kein Grund, das alles jetzt aber in Frage zu stellen. Erinnert wurde wieder einmal daran, dass technisches Versagen hochkomplexer und hochentwickelter Systeme immer möglich ist, dass man auch deshalb immer mit Unfällen rechnen muss. In diesem Fall ging für die Besatzung alles glimpflich aus. Weil das Notfallsystem prompt und zuverlässig funktionierte.

Die Besatzung der ISS wird aber weiter auf notwendige Verstärkung warten müssen. Geplante Wartungsarbeiten und eine Reihe wissenschaftlicher Experimente werden nicht oder nur teilweise ausgeführt werden können. Und eventuell muss auch Gerst Weihnachten und Silvester noch an Bord der Station verbringen.

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"Rückschlag für die bemannte Raumfahrt", UZ vom 19. Oktober 2018



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