Die US-Sanktionen gegen die EU schaden der Gesundheit

Alles Käse – oder was?

Von Gretchen Kallenberg

Leid können einem die ganz normalen Bürgerinnen und Bürger der USA tun. Angeblich ist die Politik ihres Präsidenten und seiner Regierung doch darauf ausgerichtet, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden und die eigene Wirtschaft zu stärken. Zu den Maßnahmen gehören seit geraumer Zeit die Sanktionen gegenüber den Staaten der EU, mit Strafzöllen will die US-Regierung verhindern, dass das Handelsdefizit immer weiter anwächst. Zu der langen Liste von Produkten gehören seit Sommer dieses Jahres auch jede Menge Nahrungsmittel, die nur noch strafbewehrt, soll meinen mit erhöhten Zöllen,  in die USA eingeführt werden dürfen.

Es ist erstaunlich, welche Kenntnisse im Handelsministerium der USA vorhanden sind, um eine so spezifizierte Liste zusammenzustellen. Auffällig ist, dass man es besonders auf Käse und ähnliche Milchprodukte abgesehen hat. Alle Käsesorten, die auch unsereiner kennt, wenn er einer gut bestückten Käsetheke näher tritt, finden sich auf der US-Liste. Und wer die Gelegenheit nutzt, einen Wochenmarkt selbst in einem kleinen Städtchen in Frankreich, Italien oder Spanien zu besuchen, kommt aus dem Schwärmen über die Vielfalt des Angebots nicht mehr heraus. Aus Italien stehen der „Provolone“ auf der Liste, zwar bei uns noch nicht so bekannt wie der Parmesan und der Mozzarella, aber auch diese beiden sind nicht mehr gewünscht. Um bloß nichts zu vergessen, haben die US-Beamten dann pauschal alle „Käse in typisch italienischer Art“ verdammt. Die berühmten Blauschimmelkäse aus Frankreich sind wohlweislich aufgeführt, die angenehm schmeckenden „Gruyere“-Sorten aus der Schweiz werden besonders genannt. Um aber hier auch nichts außen vor zu lassen, heißt es wieder im Rundumschlag „Käse Schweizer Art“. Aus allen südlichen EU-Ländern kommen typische Produkte aus Ziegenmilch, auch hier wird pauschal alles unter erhöhte Zölle gestellt.

Und wer glaubt, die Massenware aus Gouda und Edamer bleibe verschont, irrt sich. Diese beiden Käsesorten, die in vielen EU-Ländern hergestellt werden und die ja nicht unbedingt zu den Top-Ten zählen, wurden von den fleißigen Beamten in ihre Liste aufgenommen.

Warum das alles? Die US-Farmer produzieren – dank ihrer riesigen Herden – eine solche Menge an Milchprodukten, die dem berühmten Milch- oder Butterberg früherer Zeiten in Europa ähnelt. Leider, oder zu Nutz und Frommen unserer Gesundheit, bekommen die Farmer, oder besser gesagt die US-Lebensmittelkonzerne ihre Ware nur unwesentlich exportiert. Das US-amerikanische Lebensmittelrecht ist, gelinde gesagt, im Vergleich mit EU-Bestimmungen eher lax. Auch fehlen oft genaue Herkunfts- und Kennzeichnungsangaben, das Markenrecht ist in diesen Industriebereichen wenig ausgeprägt. In den USA heißt es lieber „Cheese Swiss Types“. Ähnliches gilt für Käse nach französischer, wahlweise italienischer oder spanischer Art.

Dieser Nebenschauplatz des Streits zwischen den USA und EU, eigentlich zwischen den US-Konzernen wie Kraft Heinz Company, Mondelez International und Archer Daniels Midland und den großen EU-Konzernen wie Nestlé oder Louis Dreyfus Company, spielt schon eine Rolle, denn sowohl in den USA wie in EU-Europa sind die Landwirte und ihre mächtigen Lobby-Verbände für die Regierungen eine wichtige Wählerklientel.

Nun können sich die US-Bürgerinnen und Bürger die wohlschmeckenden und nicht mit künstlichen Aromastoffen aufgepeppten Käsesorten aus Europa nicht mehr oder nur noch selten leisten. Schade, sie können einem leidtun. Ob die EU-Lebensmittelkonzerne für ihre Produkte andere Absatzmärkte finden oder ob bei uns ein Preiskrieg ausbricht, um die Marktanteile zu halten und erneute Überproduktionskrisen zu vermeiden?

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"Alles Käse – oder was?", UZ vom 15. November 2019



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