Tesla ist nicht mehr der größte Hersteller reiner Elektroautos. Wie unter anderem „Auto-Motor-Sport“ berichtete, lieferte der chinesische Konkurrent BYD im letzten Jahr weltweit 2,26 Millionen reine Elektroautos aus und damit deutlich mehr als Tesla. Der US-Konzern kam demnach auf 1,64 Millionen.
In Deutschland ist der Absatz von Tesla-Fahrzeugen sogar stark zurückgegangen: Das Kraftfahrt-Bundesamt gibt für den Zeitraum von Januar bis November 2025 17.358 neu zugelassene Tesla-Pkw an. Das sind fast 50 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allein im Tesla-Werk Grünheide in Brandenburg produzieren rund 11.000 Beschäftigte nach Konzernangaben gut 5.000 Fahrzeuge pro Woche, das wären rund 250.000 Fahrzeuge im Jahr. Stehen also auch hier Massenentlassungen an?
„Wir konnten die Arbeitsplätze hier sichern, waren niemals wie andere Industriestandorte in Deutschland von Produktionsstillstand oder Stellenabbau betroffen“, so André Thierig, Leiter des Tesla-Werks in Grünheide. Die aktuelle Lage bezeichnet Thierig als „stabil“. Tatsächlich ist die Produktion vom starken Absatzrückgang in Deutschland nicht betroffen. Tesla lässt in Grünheide vor allem für den Export produzieren. Mehr als 30 Länder werden von hier aus beliefert, darunter auch Kanada. „Kanada ist als Markt hinzugekommen“, so Thierig. Durch die Belieferung aus Deutschland können die höheren Einfuhrzölle, die Kanada mittlerweile auf US-Importe erhebt, vermieden werden.
Während Tesla-Chef Thierig in der Kommunikation nach außen beruhigt, spricht er in Richtung der Belegschaft eine Drohung nach der anderen aus. Vor allem die anstehende Betriebsratswahl treibt ihn um. Die von der IG Metall unterstützte Liste hatte im Frühjahr 2024 die meisten Mandate erhalten, aber keine eigene Mehrheit. Die Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz ist sogar der Auffassung, dass Gewerkschaften überflüssig seien. Ihre offene Hörigkeit gegenüber dem Management ist wohl ein Grund, warum Werksleiter Thierig meint, sich derzeit so ins Zeug legen zu müssen. Schmitz hat zu deutlich gezeigt, dass sie kein Interesse daran hat, sich mit den Problemen der Beschäftigten zu befassen.
Laut Betriebsverfassungsgesetz dürfen „Arbeitgeber“ zwar keinen Einfluss auf die Betriebsratswahlen nehmen, doch bei Tesla gelten andere Regeln. So berichtete das „Handelsblatt“, dass Thierig bei einer internen Veranstaltung sogar einen Stopp der Investitionen in Grünheide in Aussicht stellte, sollte die IG Metall die Wahl gewinnen. Tesla hatte zuvor verkündet, einen dreistelligen Millionenbetrag am Standort zu investieren, um die Batteriezellenproduktion komplett nach Grünheide zu verlagern. Auch die Produktion von Fahrzeugen solle weiter gesteigert werden.
Und wenn die IG Metall die Mehrheit bei den Betriebsratswahlen holt? Dann würde „Elon“ – gemeint ist der Chef des Tesla-Konzerns, Elon Musk – vielleicht doch nicht in das neue Batteriewerk investieren, droht Thierig.
Eine 35-Stunden-Woche lehnt der Werksleiter kategorisch ab. Die würde die Wettbewerbsfähigkeit des Werks beeinträchtigen. Das gelte auch für einen Tarifvertrag. Lohnfragen sind bei Tesla nicht das Ergebnis von Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft oder gar Streiks, sondern sollen zu 100 Prozent eine „freie“ Entscheidung des Managements sein. Das sei auch für die Beschäftigten besser, behauptet Thierig. IG-Metall-Bezirksleiter Jan Otto widerspricht: Ohne Tarifvertrag bleibe die Bezahlung bei Tesla „deutlich unter dem Niveau in anderen Autowerken in Deutschland zurück“. „Die Tesla-Geschäftsführung redet den Tarifvertrag schlecht, indem sie dessen niedrigste Entgeltgruppe heranzieht. In Automobilwerken sind die untersten beiden Entgeltgruppen aber gar nicht vergeben“, so Otto.
Tesla betont dagegen gerne, ein ganz besonderer „Arbeitgeber“ zu sein. Bestätigt hat Thierig dies, als er Ende 2025 im Werk in Grünheide zu einem skurrilen „Event“ einlud, bei dem er die jüngste Lohnerhöhung um 4 Prozent verkündete. Zur Mittagszeit wurden alle Beschäftigten in die werkseigene Veranstaltungshalle gebeten. Deutschrapper Kool Savas stieg aus einem Cybertruck und soll alle Anwesenden aufgefordert haben, in seine „Elon, Elon“-Rufe einzustimmen. Am Schluss soll Thierig dann wieder gegen die IG Metall gewettert haben. Aber daran sind die Beschäftigten ja bereits gewöhnt.









