Von der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek stammt das Zitat: „Wir können im neuen Deutschland nicht dulden, dass es da Rote Kapos, Kommunisten, Sozialisten aller Richtungen und Schattierungen gibt, die Menschen gerettet haben.“ Unser Freund Dieter Schulze war neun Jahre jung, als sein Cousin ihn bat, Dieters Onkel aus dem befreiten KZ Buchenwald zu holen. Kurt Kallmeyer war in der KPD, seit 1937 immer wieder verhaftet, vier Jahre weggesperrt im Zuchthaus Halle, dann im August 1941 durch die Gestapo Weimar im KZ Buchenwald inhaftiert, dort Blockältester. Er war mit anderen Häftlingen bereits im vier Kilometer entfernten Berlstedt eingetroffen. Er war nicht mehr fähig zu gehen und körperlich ausgezehrt, als ihn der neunjährige Dieter mit einem Handwagen von Berlstedt nach Hause holte. Kurt Kallmeyer überlebte gerade mal ein Vierteljahr; über acht Jahre Zuchthaus und KZ Buchenwald machten ihn zu einem schwerstkranken alten Mann. Der Tod seines Onkels prägte Dieter Schulze ein Leben lang. Vor kurzem wurde der nun fast 90-Jährige für seine 75 jährige Mitgliedschaft in der IG Metall geehrt. 1980 trat er der SPD bei und arbeitet engagiert mit in der „Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg“. Dieters freundschaftliches Verhältnis zu Mitgliedern der DKP ist begründet in dem Satz von Benedikt Kautsky: „Es handelte sich fast ausschließlich um Kommunisten, die in Buchenwald in vorbildlicher internationaler Solidarität allen Antifaschisten ohne Unterschied der Partei, Nation oder Konfession ihre Hilfe zuteil werden ließen.“
Vorbilder
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"Vorbilder", UZ vom 17. April 2026


