Guido Bergler über die Preisliste des Deutschen Buchhandels

Weimers Geld stinkt!

Deutschland wird gnadenlos auf Krieg getrimmt. Kriegskritische Journalisten werden mit totalitären Sanktionen verfolgt. Die in ihrem Selbstverständnis politische Berlinale steht nach wiederholter Kritik gegen die Kriege Israels fortan unter Kuratel der Bundesregierung. Und jetzt lässt Kulturminister Weimer auch noch vom „Verfassungsschutz“ überprüfen, was so alles in den Buchhandlungen liegt.

Drei sind bei Weimers Gesinnungs-TÜV schon durchgefallen. Der Minister hat die Buchläden Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) von einer Preisliste des Deutschen Buchhandels streichen lassen, mit der Begründung, es lägen „verfassungsschutzrechtliche Erkenntnisse“ über sie vor. Was ihnen genau vorgeworfen wird, wollen Weimer und seine Behörde nicht verraten. „Die genauere Art dieser Erkenntnisse unterliegt dem Geheimschutz“, heißt es lapidar. Wir sind ja im Krieg, der Feind hört mit. Und wer das Preisgeld zahlt, bestellt die Musik – beziehungsweise den passenden Film und die bequemen Bücher.

Die betroffenen Buchhandlungen haben bereits juristische Schritte gegen Weimer und den „Verfassungsschutz“ angekündigt. Es ist ein Akt des Widerstands gegen die wachsende Übergriffigkeit einer Regierung zur Verteidigung unser aller Freiheit. Wenn Weimer durchkommt, was braucht es da noch eine unabhängige Sachverständigen-Jury? Wer soll sich fortan die Mühe machen, Preisträger auszuwählen, wenn das letzte Wort ohnehin der deutsche Inlandsgeheimdienst und ein Medienmanager mit Sitz im Kanzleramt haben?

Was aber heißt der Ausschluss der drei inkriminierten Buchhandlungen eigentlich im Umkehrschluss für die anderen 115, die von Weimer für harmlos und also auszeichnungswürdig empfunden werden? Sollen die für ein bisschen Handgeld als regierungskonform, gar als kriegstüchtig gelten? Zur Ehre kann solch ein Regierungssiegel keinem mehr gereichen.

Um die finanziellen Nöte gerade kleiner Buchläden wissend, sie sollten Weimers Geld dennoch ablehnen. Es stinkt nach Zurichtung von Land und Leuten. Oder besser noch, sie geben ihren Preis direkt an die gecancelten Kollegen für ihre juristische Verteidigung gegen Weimers Wüten weiter – im Vertrauen auf die solidarische Unterstützung ihrer Kunden, die jetzt erst recht gutsortierte Buchhandlungen stärken, statt bei Amazon zu bestellen. Solidarität bleibt unsere Waffe.

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