Zu „Vernunft kommt aus dem Osten“, UZ vom 28. Oktober

Wirtschaftsinteresse

Roland Winkler, Aue

Wir finden, es ist Vernunft, wenn sich Ministerpräsident Kretschmer (CDU) für russisches Gas ausspricht. Für uns ist es das. Kretschmer aber ist kein Sozialist/Kommunist. Wenn er gegen alle Schelte aus den eigenen Reihen, gegen alle Anfeindungen nicht ohne Mut seine Ansicht öffentlich vertritt, dann dürften es vor allem Lebensinteressen der Wirtschaft seines Bundeslandes sein, die ihn dazu veranlassen. Die Wirtschaftsstruktur Sachsens ist eine andere als die vieler anderer Bundesländer. Mittelständische Wirtschaft prägt mehr als anderswo das Land. Die großen Konzern-Flaggschiffe haben einige Ableger auf ostdeutscher Werkbank. Die Sachsen stellen das Fachpersonal noch aus vergangenen Zeiten. Natürlich kann auf manche Leuchttürme und Inseln verwiesen werden.

Der Großteil sächsischer Wirtschaft hat historisch engste Verbindung zu russischen Märkten und schließlich auch Abhängigkeit von den Energiequellen des Ostens. Bei Kretschmer ist weniger Vernunft als Wirtschafts-, materielles und Kapitalinteresse im Spiel. Vernunft als dialektisches Denken, Denken in Zusammenhängen, wird hier aus der Not geboren. Wenn Wagenknecht sich des Denkens mit Vernunft und Verstand bedient, dann erfährt sie in der eigenen Partei und darüber hinaus weit mehr offene Feindschaft und Hass, als es Kretschmer ertragen muss.

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"Wirtschaftsinteresse", UZ vom 4. November 2022



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