Die ESA-Sonde „Juice“ ist auf dem Weg zum Jupitersystem

Auf der Suche nach Leben

Mitte April startetet der „Jupiter Icy Moons Explorer“ (JUICE) der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) erfolgreich vom Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana. Die Sonde wird acht Jahre unterwegs sein. An Bord sind nicht nur Instrumente aus Forschungseinrichtungen von ESA-Mitgliedern. Auch die NASA, die japanische Raumfahrtagentur JAXA sowie die israelische Agentur ISA sind beteiligt. Der Flug der Sonde ist die erste eigenständige ESA-Mission in das äußere Sonnensystem. Wie die ESA erklärte, markiere der erfolgreiche Start den „Beginn einer ambitionierten Reise, die das Ziel hat, die Geheimnisse der Ozeanwelten rund um den Riesenplaneten Jupiter zu lüften“.

Der Jupiter hat, wie man heute weiß, 92 Monde. Die ersten vier – Ganymed, Kallisto, Io und Europa – hatten Galileo Galilei und Simon Marius, ein deutscher Mathematiker, Astronom und Arzt, unabhängig voneinander bereits 1610 entdeckt. Sie sind die größten der heute bekannten Jupitermonde. Viele andere haben nur einen Durchmesser von einem oder einigen Dutzend bis zu einigen hundert Kilometern. Nach ihren Vorbeiflügen sandten die NASA-Sonden „Pioneer 10“ und „Pioneer 11“ 1973 und 1974 von den größten Monden Jupiters erste unscharfe Fotos. Die NASA-Sonden „Voyager 1“ und „Voyager 2“ lieferten bei ihren Vorbeiflügen 1979 wesentlich bessere Bilder. Ab 1995 schickte die NASA-Sonde „Galileo“ genauere Untersuchungsergebnissen von den Galileischen Monden zur Erde. Ziele der „Juice“-Mission der ESA sind, wenn die Sonde in acht Jahren das Jupitersystem erreicht, Europa, Ganymed und Kallisto, die sogenannten Eismonde.

Eismonde? Hier gibt es offenbar aber neben dem Eis auch flüssiges Wasser und möglicherweise Bedingungen für einfachste biologische Prozesse: Auf Europa gibt es – über einem Eisenkern und einem Steinmantel – bei einer Oberflächentemperatur von circa –130 Grad Celsius wahrscheinlich einen über 100 Kilometer tiefen Salzwasserozean, dessen Oberfläche 10 bis 20 Kilometer tief gefroren ist. Beobachtet wurden riesige Wasserdampf-Geysire. Möglicherweise gibt es Schichten flüssigen Wassers auch nahe der Oberfläche. Es gibt zudem Hinweise auf eine dünne Atmosphäre. Ganymed ist mit einem Durchmesser von etwa 5.262 Kilometer (zum Vergleich: der Durchmesser der Erde beträgt 12.740 km) nicht nur der größte Jupitermond, sondern sogar größer als der Planet Merkur, aber bei Weitem nicht so massereich. Er ist zudem der einzige Jupitermond mit einem magnetischen Dipolfeld. Wie das Magnetfeld der Erde schützt dieses Magnetfeld Teile der Ganymed-Oberfläche vor der Jupiterstrahlung. Ganymed hat gleichfalls einen Eisen- oder Eisensulfitkern, einen Stein- und darüber einen Eismantel und ist von einer dünnen Atmosphäre aus Sauerstoff umgeben. Möglicherweise gibt es hier mehr Wasser als auf der Erde. Auch Kallisto „umhüllt“ ein Eismantel, darunter gibt es möglicherweise Schichten aus flüssigem Wasser. Auch Kallisto hat eine dünne Atmosphäre. Forscher haben auf Kallisto Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen nachgewiesen – wichtige Voraussetzungen für Leben.

Im Jahr 2031 soll die „Juice“-Sonde im Jupitersystem eintreffen, 2034 in einen Orbit um Ganymed eintreten und 2035 auf Ganymed gezielt zum Absturz gebracht werden. Der ESA-Projektwissenschaftler für „Juice“, Olivier Witasse, erklärte anlässlich des erfolgreichen Starts der Sonde: „Die wissenschaftlichen Schätze, die wir dafür erhalten, werden weitreichende Auswirkungen auf unser Verständnis unseres Sonnensystems haben und Aufschluss darüber geben, ob es möglicherweise bewohnbare Orte jenseits der Erde gibt – und zwar nicht nur in unserer eigenen kosmischen Nachbarschaft, sondern auch weit darüber hinaus in der täglichen Zahl von Exoplanetensystemen, die in unserem Universum zu finden sind.“

Über die Autorin

Nina Hager (Jahrgang 1950), Prof. Dr., ist Wissenschaftsphilosophin und Journalistin

Hager studierte von 1969 bis 1973 Physik an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach dem Abschluss als Diplom-Physikerin wechselte sie in das Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR und arbeite bis zur Schließung des Institutes Ende 1991 im Bereich philosophische Fragen der Wissenschaftsentwicklung. Sie promovierte 1976 und verteidigte ihre Habilitationsschrift im Jahr 1987. 1989 wurde sie zur Professorin ernannt. Von 1996 bis 2006 arbeitete sie in der Erwachsenenbildung, von 2006 bis 2016 im Parteivorstand der DKP sowie für die UZ, deren Chefredakteurin Hager von 2012 bis 2016 war.

Nina Hager trat 1968 in die SED, 1992 in die DKP ein, war seit 1996 Mitglied des Parteivorstandes und von 2000 bis 2015 stellvertretende Vorsitzende der DKP.

Hager ist Mitherausgeberin, Redaktionsmitglied und Autorin der Marxistischen Blätter, Mitglied der Marx-Engels-Stiftung und Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Auf der Suche nach Leben", UZ vom 28. April 2023



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Flugzeug.



    UZ Probe-Abo [6 Wochen Gratis]
    Unsere Zeit