Zur deutsch-französischen Atomaufrüstung

Bomben für Ursula

Für jeden, der eins und eins zusammenzählen kann, liegen die Tatsachen seit der martialischen Rede des französischen Staatspräsidenten Macron am vergangenen Montag auf dem Tisch. Auf dem Stützpunkt der vier französischen Atom-U-Boote Île Longue in der Bretagne machte er drei Ansagen. Erstens kündigte er eine deutliche Aufstockung der geschätzt 300 von Paris befehligten Atomsprengköpfe an. Schon diese Zahl würde reichen, um jedes menschliche Leben zwischen dem Atlantik und dem Ural auszulöschen. Jetzt sollen es mehr werden. Die Anzahl, so Macron, werde künftig geheimgehalten. Wie im 19. Jahrhundert erleben wir die Wiederauferstehung von Geheimdiplomatie und geheimer Aufrüstung, am Parlament und damit am eigenen Volk vorbei. Zweitens kündigte Macron eine „verstärkte Zusammenarbeit“ mit europäischen Partnern an, insbesondere mit Deutschland – und die Verlegung luftgestützter Atomwaffenträger in unser Land. Details solle eine „deutsch-französische nukleare Lenkungsgruppe“ erarbeiten. Auch sie wird geheim tagen. Angekündigt sind aber schon jetzt gemeinsame Übungen mit Atomwaffen. Drittens versicherte er, dies alles geschehe „in voller Transparenz“ mit den USA, gemeint auch in diesem Fall nicht deren Volk, nicht deren Parlament, sondern deren Regierung.

Die drei Fakten zusammengenommen machen klar, was hinter verschlossenen Türen zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Trump und dem deutschen Bundeskanzler Merz nach Redaktionsschluss dieser Zeitung mitverhandelt wird. Die Presse wird davon nichts erfahren. Es geht um Details der deutschen atomaren Aufrüstung.

Im anlaufenden französischen Wahlkampf spielt Macrons Absicht, „Bomben für Ursula“ zu liefern, eine wachsende Rolle. Im Klartext: Macron und Merz arbeiten an dem Plan, die EU als Vehikel zur Umgehung des völkerrechtlichen Verzichts Deutschlands auf nukleare Bewaffnung zu nutzen. Deshalb muss auch der Krieg der Ukraine gegen Russland weitergehen. Deutschland soll als Startpunkt für deutsche Taurus- und andere Mordinstrumente genutzt werden, die dann, wenn es soweit ist, auch nuklear bestückt werden können, um die 1918 und 1945 verlorenen Kriege gegen Russland doch noch zu gewinnen.

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"Bomben für Ursula", UZ vom 6. März 2026



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