Leserbrief zum Leserbrief „Erhöhtes Prozessrisiko“, UZ vom 25. Juni

Chance vertan

Ulrich Sander, Dortmund

Der Warschauer Vertrag wurde einst aufgelöst, die NATO nicht – sie wurde immer mächtiger. Die Stasi wurde aufgelöst, der Verfassungsschutz nicht – er wurde immer mächtiger. Man durfte die Stasi-Unterlagen als Betroffener einsehen, die VS-Akten nicht. Die diesbezüglichen Regelungen der Einsicht sind ein schlechter Witz. Wer als zu fragen berechtigt anerkannt wurde, bekommt allenfalls ein paar Meldungsüberschriften, die oft auf grobe Fehler der Spitzel hinweisen. Die Chance, das gesamte Geheimdienstunwesen zu beenden, wurde vertan. Übrigens: 20 Jahre nach Ende der DDR hatte die Stasiunterlagenbehörde 1.687 Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft für die Aufklärung von Naziverbrechen in Ludwigsburg hatte in den Sechzigern 121 Mitarbeiter. Wer trotz verbrecherischer Vergangenheit von der Wehrmacht zur Bundeswehr kam, wurde nie belangt.

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"Chance vertan", UZ vom 2. Juli 2021



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