Vor 50 Jahren gelang den USA die erste bemannte Mondlandung

Der „Eagle“ ist gelandet

Von Nina Hager

Schon vor vielen Jahrhunderten träumten Menschen von Flügen zum Mond, obgleich man lange keine Vorstellung von seiner Natur oder über den Weltraum hatte. „Die Reise zum Mond“ hieß der erste Science-Fiction-Film über einen Mondflug, der 1902 Premiere hatte. Erst 57 Jahre später startete der erste erfolgreiche Flug in Richtung unseres Erdtrabanten.

Am 2. Januar 1959 startete die Sowjetunion ihre erste unbemannte Mondsonde. „Lunik 1“ flog in einer Entfernung von weniger als 6 000 km an der Mondoberfläche vorbei und wurde zum ersten künstlichen „Planeten“ im Sonnensystem. Vorausgegangen waren zwei gescheiterte Missionen. „Lunik 2“ startete am 12. September 1959, zerschellte auf der Mondoberfläche. Am 4. Oktober 1959 startete die dritte sowjetische Mondsonde, die erstmals Bilder von der Rückseite des Mondes zur Erde sandte. Die Sonde „Ranger 4“ der NASA schlug am 26. April 1962 auf dem Mond auf (noch am Starttag war die Kommunikation mit der Sonde abgebrochen) und war damit die erste US-Sonde, die den Mond erreichte. Am 31. Januar 1966 landete mit „Luna 9“ zum ersten Mal eine Sonde weich auf dem Mond, maß die Strahlung an der Mondoberfläche und sandte Panoramabilder der Mondoberfläche zur Erde. Die NASA-Sonde „Surveyor 1“ folgte im Mai desselben Jahres.

Zu dieser Zeit waren die USA bereits mit der Vorbereitung eines bemannten Mondflugs beschäftigt. Es ging um das Prestige, man wollte in Zeiten des Kalten Krieges und der Systemkonfrontation wenigstens auf dem Mond Erster sein, nachdem die sowjetische Raumfahrt zunächst mit dem Start von „Sputnik 1“ und dann dem Flug Juri Gagarins im April 1961 den USA den Rang abgelaufen

Zeitungen überschlugen sich vor Begeisterung, das Fernsehen war live dabei.

Zeitungen überschlugen sich vor Begeisterung, das Fernsehen war live dabei.

( Gemeinfrei)

hatte. Präsident Kennedy verkündete am 25. Mai 1961, sechs Wochen nach dem Flug Gagarins, das später so genannte Apollo-Mondlandeunternehmen als Ziel der Raumfahrt der USA. Er stellte der US-Raumfahrt die Aufgabe, innerhalb weniger Jahre Menschen auf den Mond zu bringen, die Vormachtstellung der Sowjetunion zu durchbrechen und erklärte: „Es sollte uns klar sein, dass nicht nur ein Mann zum Mond fliegen wird, sondern unsere gesamte Nation.“

Wie sich später herausstellte und wie man in den USA damals befürchtete, arbeitete man auch in der Sowjetunion daran, Menschen zum Mond zu schicken. Ganz offensichtlich wurde dort das Projekt aber nach dem Tod von Sergei Pawlowitsch Koroljow, Chefkonstrukteur im sowjetischen Raumfahrtprogramm, er starb 1967, nicht mehr mit dem entsprechenden Druck fortgesetzt und letztlich eingestellt. Ursprünglich hatte Koroljow die erste Landung eines Menschen auf dem Mond 1968 geplant. Die NASA änderte ihr Programm, verlegte den ersten bemannten Flug zum Mond vor auf den 21. Dezember 1968. Nach der erfolgreichen Mondumkreisung kehrte „Apollo 8“ erfolgreich zur Erde zurück. „Apollo 9“ operierte im Erdorbit. „Apollo 10“ folgte im Mai 1969. Bei dieser Mission wurde – bis auf die eigentliche Landung auf dem Mond – das Missionsprofil geflogen, die Landefähre getestet. Am 20. Juli 1969 setzte die Raumfähre „Eagle“ („Adler“) im Rahmen der Apollo-11-Mission mit den US-amerikanischen Astronauten Neil Arm­strong und Buzz Aldrin zur Landung an. Das war aus heutiger Sicht ein dramatisches Geschehen. Die USA hatten die Landung im Wesentlichen nur durch unbemannte Sonden und zwei erfolgreiche bemannte Flüge vorbereitet. Sie standen unter Zeit- und Erfolgsdruck. Ein Scheitern dieser Mission hätte das US-Mondprojekt wahrscheinlich sofort „beerdigt“. Doch der „Eagle“ landete um 21:17 Uhr (MEZ) „weich“ auf dem Mond. Sechs Stunden später betrat Neil Armstrong im Mare Tranquillitatis als erster Mensch einen anderen Himmelskörper. Das dritte Besatzungsmitglied, Michael Collins, umkreiste derweil in einem Raumschiff, mit dem später alle drei erfolgreich zur Erde zurückkehrten, unseren Erdtrabanten.

Das Projekt, das gewaltige Ressourcen band und große wissenschaftliche wie technisch-technologische Anstrengungen erforderte, war erfolgreich. Die USA nutzten damals konsequent die neuesten Ergebnisse von Wissenschaft und Technik, die Resultate der neuen wissenschaftlich-technischen Revolution.

Armstrong, Aldrin und Collins folgten noch als Besatzungen von Apollo 12 im November 1969, von Apollo 14 (Januar 1971), von Apollo 15 (Juli 1971 mit dem ersten Einsatz des „Lunar Roving Vehicles“ – des „Mondautos“), von Apollo 16 und 17 (April bzw. Dezember 1972).

Als die Landefähre von „Apollo 17“ am 14. Dezember 1972 den Mond verließ, ahnte niemand, dass dies für die nächsten Jahrzehnte die letzte bemannte Mondmission war. Als der politische Erfolg erreicht war, erlosch das Interesse US-amerikanischer Politiker. Übrigens: „Luna 24“ war im August 1976 für längere Zeit der letzte Besucher von der Erde auf dem Mond. Die Sonde kehrte mit 170 g Mondgestein zur Erde zurück. Erst 2008 bzw. 2009 landeten mit „Chang’e-1“ (China) und „Chandrayaan-1“ (Indien) wieder zwei Sonden (hart) auf dem Mond

Heute hat der (neue) Run auf den Mond längst begonnen. Und vor allem die VR China hat nachgewiesen, welche Fortschritte man dort in relativ kurzer Zeit erreicht hat. Auch deshalb ist heute offen, ob die USA, die für 2024 ihren nächsten bemannten Flug zum Mond planen (China zwischen 2025 und 2030, Russland offenbar für 2030) dieses Mal gewinnen. Allerdings geht es jetzt nicht mehr nur um das Prestige und wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Mond könnte in durchaus absehbarer Zeit auch zum Rohstofflieferanten für die Erde werden.

Über die Autorin

Nina Hager (Jahrgang 1950), Prof. Dr., ist Wissenschaftsphilosophin und Journalistin

Hager studierte von 1969 bis 1973 Physik an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach dem Abschluss als Diplom-Physikerin wechselte sie in das Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR und arbeite bis zur Schließung des Institutes Ende 1991 im Bereich philosophische Fragen der Wissenschaftsentwicklung. Sie promovierte 1976 und verteidigte ihre Habilitationsschrift im Jahr 1987. 1989 wurde sie zur Professorin ernannt. Von 1996 bis 2006 arbeitete sie in der Erwachsenenbildung, von 2006 bis 2016 im Parteivorstand der DKP sowie für die UZ, deren Chefredakteurin Hager von 2012 bis 2016 war.

Nina Hager trat 1968 in die SED, 1992 in die DKP ein, war seit 1996 Mitglied des Parteivorstandes und von 2000 bis 2015 stellvertretende Vorsitzende der DKP.

Hager ist Mitherausgeberin, Redaktionsmitglied und Autorin der Marxistischen Blätter, Mitglied der Marx-Engels-Stiftung und Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

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"Der „Eagle“ ist gelandet", UZ vom 14. Juni 2019



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