Grossmans „Madrid, du Wunderbare“ neu aufgelegt mit Bildern von Gerda Taro und Robert Capa

Für die Verteidiger der spanischen Republik

Gerda Taro wurde 1910 in Stuttgart als Gerta Pohorylle und Tochter eines jüdischen Kaufmanns geboren. In Leipzig, wo sie seit 1929 lebte, gibt es eine nach ihr benannte Straße und ein Gymnasium, was heutzutage und hierzulande ungewöhnlich ist: Sie war Kommunistin. Nach Nazi-Haft ging sie nach Frankreich, wo sie den – gleichfalls aus Deutschland emigrierten – jüdischen Fotografen Friedmann kennenlernte. Er nannte sich Robert Capa und sie sich Gerda Taro, sie wurde seine Schülerin und Lebensgefährtin. Als überzeugte Antifaschisten gingen beide nach Spanien, als im Sommer 1936 die Putschisten ihren Feldzug gegen die Republik begannen. Sie lieferten Fotos von der Front, ihre Bilder dokumentierten die Gräuel der spanischen, deutschen und italienischen Faschisten. Die gingen um die Welt. Bei der Brunete-Offensive im Westen Madrids im Juli 1937 geriet Gerda Taro unter die Ketten eines eigenen Panzers. Sie war vom Trittbrett eines Lkw gerutscht, der Verwundete aus dem Kampfgebiet bringen sollte. Ihr Leichnam wurde am 1. August, ihrem 27. Geburtstag, auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise beigesetzt. Unter den Tausenden, die ihrem Sarg folgten, waren Pablo Neruda, Louis Aragon, Anna Seghers, Egon Erwin Kisch … Alberto Giacometti schuf das Grabmal für die erste Frontberichterstatterin der Weltgeschichte, die ihr Leben bei einem Einsatz in der vordersten Linie verloren hatte.

Ein Buch, das jetzt zum 90. Jahrestag der Aufstellung der Internationalen Brigaden erschienen ist, enthält Fotos von ihr. Und von Robert Capa und David Seymour. Das ist neu. Das Buch selbst kam schon einmal heraus, vor zwanzig Jahren. Victor Grossman (1928 – 2025) hatte es in jahrelanger Arbeit zusammengetragen. Er wäre bei den Freiwilligen aus den USA gewesen, wie er einmal sagte, wenn er denn früher in New York zur Welt gekommen wäre. Der Harvard-Student folgte dennoch seiner Überzeugung. 1952 desertierte Stephen Wechsler aus der US-Army, als er seinen Wehrdienst ableisten musste. In seinem deutschen Exil war er als Victor Grossman bis zu seinem Tod politisch aktiv und publizistisch tätig. Eines seiner Lebensthemen wurde der Krieg gegen die Spanische Republik und die Geschichte ihrer Verteidiger. Ihnen setzte er mit dieser Arbeit ein Denkmal.

Von den etwa vierzigtausend Internationalisten, die von 1936 bis 1939 in Spanien kämpften, verlor jeder Zweite sein Leben. Etliche von ihnen hinterließen Erinnerungen oder Interviews, es existieren wissenschaftliche Darstellungen und militärpolitische Abhandlungen. Victor Grossman sichtete alles und führte Wesentliches in dieser Publikation zusammen. Es ist die beste, lebendigste Übersicht, die es zum Spanienkrieg gibt, es existiert nichts Vergleichbares. Grossman montierte Zeitzeugenberichte aneinander, kurze Sequenzen, Schilderungen von Beobachtungen, Eindrücke, und kommentiert diese sparsam in Überleitungen. So entstand ein authentisches Abbild jener zweieinhalb Jahre, in denen Antifaschisten aus der ganzen Welt gemeinsam mit den Spaniern die Demokratie verteidigten. Und unterlagen. Wenige Monate nach der Zerschlagung der Republik begann auf dem Kontinent der ganz große Krieg.

Nazideutschland hatte in Spanien dafür geprobt. In der Luft und auf dem Boden inklusive Geheimdienste. Zunächst die Luftbrücke, mit der die Truppen der Putschisten von Marokko aufs spanische Festland übergesetzt wurden, dann die Bombardierung Guernicas am 26. April 1937, bei der erstmals in der Geschichte eine schutzlose Stadt vernichtet wurde, schließlich gezielte Luftangriffe aufgrund von Fotografien der Luftaufklärung. Bis zu 25.000 deutsche Soldaten rotierten in dieser „Legion Condor“, etwa dreihundert starben. Und die Überlebenden wurden bis 1998 in der Bundesrepublik geehrt – erst dann beschloss der Bundestag nach kontroverser Debatte, die „Legion Condor“ nicht mehr als Leitbild für Soldaten der Bundeswehr zu „empfehlen“. Und schon (!) 2005 wurde die nach Werner Mölders benannte Kaserne und das Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau umbenannt. Mölders schoss in Spanien 14 Flugzeuge der Republik ab, war damit der „erfolgreichste deutsche Jagdpilot“, bekam dafür das Spanienkreuz in Gold mit Brillanten und wurde mit 25 Jahren vorzeitig zum Hauptmann befördert. Er war mit 28 beim Überfall auf die So­wjet­union dabei. Nachdem er 101 sowjetische Flugzeuge abgeschossen hatte, verlieh ihm Hitler als erstem Offizier der Wehrmacht die damals höchste „Tapferkeitsauszeichnung“: den Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern …

Im August 1991 wurde im Berliner Friedrichshain ein Sprengstoffanschlag auf das 1966 von der DDR errichtete Denkmal für die deutschen Interbrigadisten verübt und dabei erheblich beschädigt, die Täter blieben unbekannt. Zwar wurde das Denkmal von Fritz Cremer restauriert und wieder aufgestellt, aber 1993 die ursprüngliche Inschrift entfernt. Diese lautete: „Ruhm und Ehre den dreitausend deutschen Antifaschisten, gefallen 1936 – 1939 im Freiheitskampf des spanischen Volkes. Sie kämpften in den Reihen der glorreichen Internationalen Brigaden gegen den spanischen, deutschen und italienischen Faschismus für die Befreiung unserer Heimat vom faschistischen Joch. Ihr Kampf, beseelt von den großen Ideen des proletarischen Internationalismus und wahren Patriotismus, bleibt unvergängliches Vorbild der Jugend unseres sozialistischen Vaterlandes.“

Jetzt steht dort lediglich: „Gedenkstätte der deutschen Interbrigadisten. Spanien 1936 – 1939“. Begründung: Nach aktuellen wissenschaftlichen Forschungen ließen sich nur circa 800 gefallene deutsche Interbrigadisten nachweisen. Die 1939 zu Ehren der „Legion Condor“ in Spanische Allee umbenannte Wannsee-Straße in Berlin heißt noch immer so. Es gab mehrere Versuche innerhalb und außerhalb der Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf, diesen Namen zu tilgen, doch der beispielsweise 2019 von der „Linken“ eingebrachte und von der SPD mitgetragene Antrag wurde gemeinsam von CDU, Grünen und AfD abgelehnt.

So ist denn Grossmans wunderbares Buch nicht nur ein Monument für die Spanienkämpfer, sondern auch ein Abbild fortschrittlicher und reaktionärer Traditionslinien in Deutschland.

Victor Grossman:
Madrid, du Wunderbare. Ein Amerikaner blättert in der Geschichte des Spanienkrieges 1936 bis 1939
Deutscher Militärverlag, Berlin 2026, 509 Seiten, illustriert, 30 Euro

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"Für die Verteidiger der spanischen Republik", UZ vom 11. September 2026



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