Reflexionen vom Panafrikanismus-Gipfel gegen den Imperialismus (PASAI) in Nairobi

Gegen Imperialismus und Rekolonialisierung

Booker Omole

Am 11. Mai 2026 ist Nairobi zum Zentrum einer großen antiimperialistischen Mobilisierung geworden, als sich 120 Delegierte, die 45 Organisationen aus 14 Ländern auf vier Kontinenten vertraten, zum Pan-Africanism Summit Against Imperialism (Panafrikanismus-Gipfel gegen den Imperialismus, PASAI) versammelten. Unter dem Motto „Imperialismus und Krieg“ brachte der Gipfel in Kenias Haupstadt Nairobi Kommunistische Parteien, panafrikanische Organisationen, soziale Bewegungen, Gewerkschafter, Jugendorganisationen, Intellektuelle und Solidaritätsaktivisten zusammen – als explizite Antwort der Bevölkerung auf den „Africa Forward Summit“, den umbenannten „Africa France Summit“.

PASAI war keineswegs eine isolierte Konferenz, sondern stellte eine Initiative zur Stärkung der Beziehungen zwischen antiimperialistischen Kräften dar, die auf dem afrikanischen Kontinent mit einer neuen Phase der Rekolonialisierung konfrontiert sind. Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter der World Anti Imperialist Platform, von Progressive International, der Black Alliance for Peace, der Kommunistischen Partei Sudans, der People’s Democracy Party Südkoreas, der All-African People’s Revolutionary Party, weiterer Parteien sowie zahlreiche afrikanische Zentren für soziale Gerechtigkeit, Jugendbewegungen, Frauenorganisationen und panafrikanische Gruppierungen. Die Delegierten reisten aus Benin, Kenia, Südsudan, Uganda, Simbabwe, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Norwegen, Südkorea, Schweden, der Schweiz, Britannien und den USA an.

Der Gipfel fand zu einer Zeit tiefgreifender Veränderungen in der Weltpolitik statt. In ganz Afrika wird die Legitimität der alten Kolonialmächte zunehmend in Frage gestellt. Der Abzug der französischen Streitkräfte aus Mali, Burkina Faso und Niger hat den wachsenden Widerstand gegen ausländische Vorherrschaft und die schwindende Autorität der alten Strukturen von Françafrique deutlich gemacht. Dennoch betonten die Teilnehmer wiederholt, dass der Imperialismus nicht verschwinde, wenn eines seiner Instrumente einen Rückschlag erleide. Er passe sich an, verändere seine Form und suche nach neuen Wegen, um seinen wirtschaftlichen, politischen und militärischen Einfluss zu bewahren.

Vor diesem Hintergrund wurde PASAI organisiert. Die Teilnehmer argumentierten, dass der „Africa Forward Summit“, der als „Forum für Partnerschaft, Innovation, digitale Transformation und nachhaltige Entwicklung“ präsentiert wurde, einen Versuch des französischen und westlichen Kapitals darstelle, den Einfluss auf dem Kontinent nach Rückschlägen im Sahel neu zu ordnen. Während die Sprache der Kolonialherrschaft verschwunden ist, bestehen Abhängigkeitsverhältnisse durch Verschuldung, ungleichen Handel, ausländische Militärabkommen, multinationale Konzerne und Finanzinstitutionen fort, die die Entwicklung der afrikanischen Volkswirtschaften prägen.

Die Organisatoren legten vier zentrale Ziele fest. Erstens: Den imperialistischen Charakter des „Africa Forward“-Gipfels und des umfassenderen Projekts der Rekolonialisierung aufzudecken, das unter dem Deckmantel der „Entwicklungspartnerschaft“ vorangetrieben wird. Zweitens: Widerstand gegen ausländische militärische Einmischung, wirtschaftliche Abhängigkeit und neokoloniale Herrschaft aufzubauen. Drittens: Arbeiter, Studierende, Aktivisten und Basisorganisationen zu verteidigen, die Repressionen ausgesetzt sind. Viertens: Die internationale antiimperialistische Solidarität durch politische Bildung, Koordination und gemeinsamen Kampf zu stärken.

Die Diskussionen konzentrierten sich auf die sich wandelnden Formen imperialistischer Herrschaft. Die Delegierten argumentierten, dass sich der zeitgenössische Imperialismus zunehmend unter dem Deckmantel von Klimafinanzierung, grüner Industrialisierung, digitaler Innovation und nachhaltigem Wachstum präsentiere. Hinter diesen Schlagworten verberge sich jedoch eine altbekannte Realität: Afrika liefert weiterhin die Mineralien, Arbeitskräfte, Landflächen und strategischen Ressourcen, die für die kapitalistische Akkumulation in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften erforderlich sind.

Fünf Hauptthemen kristallisierten sich in den Debatten heraus: Imperialismus und Krieg, einschließlich des Kampfes gegen militärische Besatzung und Überwachung in Afrika; die internationale Finanzarchitektur von Krediten und Schulden; der Zusammenhang zwischen Klimawandel, CO₂-Märkten und grünem Kapitalismus; die Deindustrialisierung Frankreichs und die anhaltende Ausbeutung afrikanischer Arbeitskräfte und Ressourcen sowie die Koordinierung revolutionärer panafrikanischer und antiimperialistischer Kräfte auf dem gesamten Kontinent. Eine Sonderdiskussionsrunde zum Thema Internationale Solidarität brachte Vertreter von sechs Organisationen zusammen, um die Aufgaben der globalen antiimperialistischen Bewegung zu erörtern.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem sogenannten „grünen Wandel“. Die Teilnehmenden wiesen darauf hin, dass Elektrofahrzeuge, Infrastruktur für erneuerbare Energien, Batterien und digitale Technologien, wie sie in Europa und Nordamerika gefördert werden, in hohem Maße von afrikanischem Kobalt, Lithium, Kupfer, Mangan, Seltenerdmetallen und Uran abhängig sind. Ohne eine souveräne Industrialisierung und die Kontrolle der Bevölkerung über die Ressourcen drohe der „grüne Wandel“ zu einer neuen Phase der Rohstoffgewinnung zu werden, in der Afrika Rohstoffe liefert, während es weiterhin in Abhängigkeit und Unterentwicklung gefangen bleibt. Was als „grüne Zukunft“ für die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder dargestellt wird, droht, für Afrika zu einer neuen Phase der Ausbeutung zu werden.

Auch die wachsende strategische Bedeutung Kenias spielte in den Diskussionen eine herausragende Rolle. Durch seine Lage im Zentrum wichtiger Verkehrskorridore, Finanznetzwerke und regionaler Märkte fungiert Kenia zunehmend als wichtiges Tor für internationales Kapital. Die Delegierten äußerten die Sorge, dass Militärabkommen, Schuldenabhängigkeit, Privatisierung und ausländischer Einfluss die Einbindung des Landes in neokoloniale Strukturen vertieften, anstatt eine echte nationale Entwicklung voranzutreiben.

Ein zentrales Thema der PASAI war die Wiederbelebung einer militanten und volksnahen Konzeption von Panafrikanismus. Die Teilnehmer argumentierten, dass der Panafrikanismus nicht auf diplomatische Treffen von Staaten oder symbolische Erklärungen reduziert werden könne. Er müsse in den Kämpfen der Arbeiter, Bauern, Jugendlichen, Frauen und fortschrittlichen Kräfte verwurzelt sein, die nach Souveränität, wirtschaftlichem Wandel und Befreiung von imperialistischer Herrschaft strebten. In diesem Sinne bleibe der Kampf für die afrikanische Einheit untrennbar mit dem Kampf gegen Kapitalismus, Neokolonialismus und ausländische Kontrolle verbunden.

Der Gipfel hob zudem den internationalen Charakter der heutigen antiimperialistischen Kämpfe hervor. Die Delegierten erkannten an, dass dieselben Machtstrukturen, die in Afrika wirken, auch anderswo auf der Welt sichtbar sind. Die Solidarität mit Palästina nahm während der gesamten Konferenz einen herausragenden Platz ein. Die Teilnehmer verurteilten den anhaltenden Völkermord in Gaza und bekräftigten ihre Unterstützung für den palästinensischen Kampf um nationale Befreiung und Selbstbestimmung. Die palästinensische Sache wurde nicht als regionales Problem verstanden, sondern als Teil eines umfassenderen globalen Kampfes gegen Kolonialismus, Besatzung und imperialistische Gewalt.

Auch die Entwicklungen in Mali, Burkina Faso und Niger wurden ausführlich diskutiert. Die Delegierten betrachteten die Entstehung der Allianz der Sahel-Staaten als Teil eines umfassenderen Prozesses, in dem die afrikanischen Völker zunehmend ihre Souveränität geltend machen und sich gegen ausländische militärische Vorherrschaft zur Wehr setzen. Gleichzeitig betonten die Teilnehmer, dass echte Befreiung mehr erfordert als nur außenpolitische Veränderungen. Souveränität muss in organisierter Volksmacht, wirtschaftlicher Transformation, politischem Bewusstsein und der Mobilisierung von Arbeitern und Bauern als entscheidende soziale Kräfte verwurzelt sein.

Einer der aufschlussreichsten Aspekte von PASAI war die Reaktion, die die Veranstaltung hervorrief. Anstatt sich mit den auf dem Gipfel aufgeworfenen politischen Fragen auseinanderzusetzen, reagierten Teile des kenianischen Staates und der etablierten Medien mit Repression, Einschüchterung und Desinformation.

Als Delegierte, Aktivisten und Unterstützer gegen den „Africa Forward“-Gipfel und dessen imperialistische Agenda mobilisierten, reagierten die kenianischen Behörden mit Verhaftungen, polizeilicher Schikane und Versuchen, die antiimperialistischen Aktivitäten zu stören. Die Repression richtete sich nicht nur gegen lokale Delegierte, sondern auch gegen internationale Delegierte, die aus Solidarität mit dem Kampf gegen Imperialismus und Neokolonialismus nach Nairobi gereist waren. Unter den Festgenommenen befanden sich antiimperialistische Organisatoren und Intellektuelle aus Kenia, Griechenland, Britannien, Frankreich und Südkorea. Ihnen wurde vorgeworfen, an Demonstrationen und politischen Aktivitäten gegen den französischen Imperialismus und die Rekolonialisierung teilgenommen zu haben.

Am ersten Tag des „Africa Forward“-Gipfels, der an der Universität Nairobi stattfand, wurden fünf Mitglieder der Studierendenkommission der Communist Party Marxist – Kenya (CPMK) wegen Protesten gegen den Gipfel festgenommen. Ihnen wurden erfundene Vorwürfe gemacht, was Teil eines umfassenderen Musters staatlicher Repression gegen progressive und antiimperialistische Stimmen ist. Mit den Festnahmen sollte legitime politische Aktivität kriminalisiert und das demokratische Recht der Studierenden eingeschränkt werden, sich zu organisieren und Widerstand gegen eine Politik zu äußern, die sie als den Interessen der Massen zuwiderlaufend betrachtet.

Die Festnahmen wurden zu einem wichtigen Thema auf der Konferenz. Die Teilnehmer stellten fest, dass die Inhaftierung lokaler und internationaler Delegierter den Widerspruch zwischen offiziellen Demokratiebekundungen und der Realität offenlegt, mit der Bewegungen konfrontiert sind, die imperialistische Interessen in Frage stellen. Parallel zu den Festnahmen lief eine Kampagne der Verzerrung und Desinformation. Anstatt auf die von PASAI aufgeworfenen inhaltlichen Fragen einzugehen, versuchten Teile der Medien, die antiimperialistische Mobilisierung als illegitim, störend oder extremistisch darzustellen. Die Delegierten wiesen diese Darstellungen zurück und bekräftigten, dass der Widerstand gegen ausländische Vorherrschaft, Schuldenabhängigkeit, Militarisierung und Ausbeutung einen legitimen demokratischen und patriotischen Kampf darstellt.

Weit davon entfernt, die Teilnehmer zu entmutigen, bestätigten diese Entwicklungen eine der zentralen Schlussfolgerungen von PASAI: Der Kampf gegen den Imperialismus lässt sich nicht von dem Kampf für demokratische Rechte trennen. Souveränität, Vereinigungsfreiheit, Meinungsfreiheit und das Recht der Völker, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden, bleiben wesentliche Bestandteile des umfassenderen Befreiungskampfes. Die Verhaftungen machten deutlich, dass der Kampf gegen den Imperialismus nicht nur eine Frage der internationalen Beziehungen ist. Es ist auch ein Kampf um politische Macht, Demokratie und die zukünftige Ausrichtung der afrikanischen Gesellschaften selbst.

Der Gipfel endete mit der Verpflichtung, die Zusammenarbeit zwischen den antiimperialistischen Kräften zu vertiefen und die in der „Nairobi-Erklärung von unten“ festgehaltenen Ziele voranzutreiben. Die Delegierten einigten sich auf ein gemeinsames Bekenntnis, Widerstand gegen imperialistische Aggression zu leisten, die Souveränität zu verteidigen, sich gegen Militarisierung und Schuldenabhängigkeit zu stellen und die Zusammenarbeit zwischen antiimperialistischen Kräften in ganz Afrika und auf internationaler Ebene zu stärken.

Die Verhaftungen antiimperialistischer Delegierter haben gezeigt, dass die Frage der Souveränität keine abstrakte Debatte ist. Es handelt sich um einen lebendigen politischen Kampf, der heute auf den Straßen, an den Arbeitsplätzen, an den Universitäten und in den Städten Afrikas ausgetragen wird. Die Reaktion der Behörden hat deutlich gemacht, warum Zusammenkünfte wie PASAI nach wie vor notwendig sind. Solange der Imperialismus und seine lokalen Verbündeten versuchen, die Opposition zum Schweigen zu bringen, ist die Aufgabe, organisierten Widerstand aufzubauen, umso dringlicher.

Die Zukunft Afrikas kann nicht in ausländischen Hauptstädten, in den Vorstandsetagen multinationaler Konzerne oder in Militärhauptquartieren bestimmt werden. Sie muss von den Arbeitern, Bauern, Jugendlichen, Frauen und unterdrückten Völkern gestaltet werden, deren Arbeit die Gesellschaft am Leben erhält, und deren Kämpfe den noch nicht abgeschlossenen Prozess der afrikanischen Befreiung weiter vorantreiben.

PASAI war daher mehr als eine Konferenz. Es war eine Erklärung, dass der Kampf gegen den Imperialismus weiterlebt. Es zeigte sich, dass antiimperialistische, panafrikanistische und kommunistische Kräfte in ganz Afrika und weltweit ihre Bemühungen um Souveränität, soziale Gerechtigkeit und Befreiung zunehmend koordinieren. Die Kräfte, die sich diesen Zielen verschrieben haben, sind weiterhin organisiert, internationalistisch, und sich der historischen Verantwortung bewusst, die vor ihnen liegt.

Unser Autor ist Generalsekretär der Communist Party Marxist – Kenya (CPMK). Er nimmt an den UZ-Friedenstagen vom 28. bis 30. August 2026 in Berlin teil.

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