SDAJ zu „Fridays for Future“

Im Kampf lernen

Von AG SchülerInnenpolitik der SDAJ

„Wenn Lösungen in diesem System so schwer sind, dann sollten wir vielleicht das System ändern.“ Das sagte Greta Thunberg, Initiatorin von „Fridays for Future“ (FFF), auf der Weltklimakonferenz in Katowice 2018. FFF ist die weltweit größte Jugendbewegung seit Jahrzehnten, ihr Grundanliegen ist der Umwelt- und Klimaschutz. Unbestreitbar ist, dass der Kapitalismus dem Klima und der Umwelt in immensem Maße schadet und damit unsere Lebensgrundlage untergräbt. Das Anliegen der Bewegung betrifft die gesamte Menschheit, die Lösung der Probleme liegt im objektiven Interesse der Arbeiterklasse.

Dennoch ist FFF, wie andere demokratische Bewegungen, sehr heterogen zusammengesetzt, verschiedene Organisationen nehmen dort Einfluss – und gerade angesichts der Schwäche der Arbeiterbewegung nicht immer fortschrittliche. Köpfe wie Luisa Neubauer vertreten gar die Positionen der Kriegstreiberpartei „Bündnis 90/Die Grünen“. Aber bedeutet das für uns, ein Auftreten und Wirken in dieser Bewegung zu unterlassen? Unserer Meinung nach nicht.

Unser Ziel ist es, Klassenbewusstsein zu schaffen – praktisch wie theoretisch. Dafür müssen wir dort Kämpfe initiieren, begleiten und führen, die es ermöglichen, Systemgrenzen aufzuzeigen, Aktivität zur Durchsetzung der eigenen Interessen befördern und zur langfristigen Organisation beizutragen. Diese Kämpfe sind vor allem gewinnbare, denn durch das Erleben, mit der eigenen Aktivität etwas verändern zu können, schaffen wir Ansatzpunkte für Klassenbewusstsein. Wir wirken damit Resignation entgegen, indem wir zeigen, gegen wen und wie die Kämpfe geführt werden müssen.

Und auch dazu gibt es bereits Ansätze in dieser Bewegung.

Wenn sich FFF-Mitglieder in Berlin mit den Streiks der örtlichen BVG-Angestellten solidarisieren zum Beispiel. Oder sich an den Ostermärschen beteiligen, weil sie Umweltzerstörung durch Krieg als Fluchtursache und Krieg als Klimakiller erkennen. Oder wenn sie sich an einigen Orten, wie zum Beispiel in Augsburg, dem Kampf um ein kostenloses ÖPNV-Ticket widmen. In solchen Auseinandersetzungen verbinden sich das Interesse an Mobilität, Frieden und besseren Arbeitsbedingungen mit Umweltschutz, sie richten sich gegen Konzernprofite und staatliche Ausgaben für Rüstung und Krieg. Dort müssen wir vorne mit dabei sein und zeigen, dass Druck aufbauen nicht nur durch Streiks fürs Klima, sondern auch – und vor allem! – durch Druck an Schule und Betrieb erreicht werden kann. Als Teil der Bewegung können wir den Gegner – die Banken und Konzerne – klar benennen, Kritik üben und beispielsweise aufzeigen, dass eine CO2-Steuer die Probleme nicht lösen, aber die Bevölkerung (und eben nicht die Konzerne) viel kosten wird.

Dieser Bewusstseinsprozess hat in der Bewegung schon begonnen. Dies ist nicht zuletzt ein Zeichen dafür, dass die sich herausgebildeten Führungspersonen nicht gleichzusetzen sind mit dem Großteil der Mitglieder der Bewegung. Jetzt ist die Zeit, dass wir in ihr wirken, um ihnen zu zeigen, dass wir diejenigen sind, die auf ihrer Seite stehen. Dass wir und die Arbeiterklasse diejenigen sind, die im Zusammenschluss Druck für diese Forderungen aufbauen können. Und dass wir diejenigen sind, die einen Vorschlag für das vorgeschlagene veränderte System haben. Und dass wir diejenigen sind, mit denen sie etwas erreichen können, dass Druck aufbauen und gemeinsame Aktion das ist, was etwas verändert, und nicht Politikergespräche und Co., und das nicht zuletzt, weil wir diejenigen sind, die zeigen können, dass dieser Staat nicht auf unserer Seite steht. Das erreichen wir allerdings nur, wenn wir mit diesen Jugendlichen in die Aktion kommen und dabei mit ihnen diskutieren und nicht, wenn wir an der Seitenlinie stehen und Teile ihrer Forderungen kritisieren und dadurch versuchen, als sie gesamte Bewegung zu delegitimieren.

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"Im Kampf lernen", UZ vom 25. Oktober 2019



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