Kuba wehrt sich – wir sind solidarisch

Renate Fausten

„Kuba wehrt sich“ ist der Titel der aktuellen „Cuba libre“, der Zeitschrift der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba. Wir fügen an: „… und braucht unsere Solidarität“. Denn das ist der Dauerschwerpunkt des Magazins, das vier Mal im Jahr erscheint. Für November haben Konterrevolutionäre erneut Aktionen auf der sozialistischen Insel angekündigt. Die Provokationen kommen von außen, sollen das sozialistische Land destabilisieren. Sie werden mit viel Geld und medialem Aufwand vor allem aus den USA organisiert und befeuert. Sie treffen auf eine Bevölkerung, die erschöpft und müde ist von den Entbehrungen und der Organisation ihres Lebens. Die anhaltende US-Blockade und antikubanische Maßnahmen der Trump- und Biden-Regierung wirken und werden durch die Corona-Pandemie verschärft. Nur so ist es zu verstehen, dass Demonstrationsaufrufe der Kontras im Juli auf der roten Insel zu chaotischen Szenen führten, die Land und Leute kurz in eine Schockstarre versetzt haben. Nun halten die kubanische Regierung und Bevölkerung dagegen, informieren über die Gefahren einer Konterrevolution und wappnen sich für eine neue Welle von Angriffen von außen. Renate Fausten, die in Kuba lebt und dort für die deutschsprachige „Granma“ arbeitet, beschreibt diese Situation im Juli in der „Cuba libre“ eindrücklich und fordert dazu auf, die kubanische Bevölkerung in ihrem Kampf um die Verteidigung ihres Landes und ihrer Revolution zu unterstützen. Wir dokumentieren im Folgenden den Artikel von Renate Fausten mit freundlicher Genehmigung von „Cuba libre“.

Es ist ein etwas anderes, verwirrtes Kuba. Diejenigen, die sich an die Zeiten erinnern, als am 26. Juli, dem Tag der Revolution, riesige Menschenmengen den Revolutionsführern bei längeren oder kürzeren Reden zuhörten, um anschließend den Tag mit einem Volksfest zu begehen, wären in diesem Jahr sehr ernüchtert gewesen. Es gab nicht den berühmten Wettbewerb der Provinzen, um sich mit besonders guten Leistungen in allen Bereichen den Sitz für die Hauptveranstaltung zu sichern. Bei den Lieferproblemen für Rohstoffe, Ersatzteile und stillgelegten Industriezweigen, insbesondere bei allem, was mit Tourismus zu tun hat, wären die Wettbewerbsbedingungen auch äußerst verzerrt gewesen. Es gab auch keine allgemeine Beflaggung. Früher hängten die Leute spontan Flaggen aus den Fenstern, dieses Mal waren zumindest in Havanna fast nur die offiziellen Gebäude beflaggt. Es gab auch keine Rede zum 26. Juli, stattdessen betätigte sich der Präsident mit der Schubkarre und Rechen und Spaten zusammen mit jungen Leuten in der Landwirtschaft.

Welle brutaler Gewalt

Die Leute sind erschöpft und haben das, was am 11. und 12. Juli geschehen ist, noch nicht verkraftet. Diese Welle brutaler Gewalt hat sie erschüttert. Immer wieder kann man hören, dass es ja in Ordnung sei, dass Leute gegen etwas protestieren, aber doch nicht so etwas. Umgestoßene Autos, geplünderte Läden, zerschlagene Schaufenster, Menschen, die mit blutigen Köpfen herumliefen, weil sie von Steinen getroffen wurden, Mütter, die auf der Kinderstation mit ihren Kindern vor Steine werfenden Horden Zuflucht in Baderäumen und unter den Betten suchten – das war nicht das Kuba, das sie kennen: Das ruhige, friedliche Land, in dem man sich gegenseitig hilft, aber sich nicht bekriegt.

Wie konnte es dazu kommen? Dass Leute unzufrieden und zermürbt sind und protestieren? Mehr als verständlich. Die Menschen haben, mit welchen Blessuren auch immer, die Sonderperiode überstanden, allein dafür hätte jede Kubanerin und jeder Kubaner einen Orden verdient.

Dann ging es endlich aufwärts, die Lage entspannte sich, die Touristen kamen, kleine Industriezweige entstanden, viele Leute vermieteten, viele wurden von ihren Verwandten aus den USA unterstützt – bei allen Ungleichheiten, auch durch die doppelte Währung, blickte man optimistisch nach vorne. Die Blockade gab es zwar immer und insbesondere die finanzielle Verfolgung mit der daraus sich ergebenden Sanktionierung der Banken behinderte weiterhin eine normale wirtschaftliche Entwicklung. Aber die letzten Parteitage hatten Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, mit deren Umsetzung begonnen worden war. Dann kam Trump mit seinen 243 Maßnahmen, die Verfolgung der Öltanker, die Einstellung der Überweisungen aus den USA, keine Kreuzfahrtschiffe mehr und zum Schluss der Amtszeit – als Sahnehäubchen – kam Kuba wieder auf die Liste der Staaten, die den Terrorismus unterstützen. Das hat dann auch noch der letzten Bank und dem letzten Handelspartner Angst eingejagt, denn das Risiko, mit „Terroristen“ Geschäfte zu machen, war ihnen zu hoch.

Die Pandemie erschwert das Leben

Die wichtigste Einnahmequelle – der Tourismus – ist praktisch völlig weggebrochen. In Sichtweite rechts von unserer Terrasse liegt das leere Melia Cohiba und links ein riesiges Hotel, gerade fertiggestellt und ebenfalls leer. Zur Bekämpfung der Pandemie müssen Unmengen an Geld ausgegeben werden und es gibt wenige Einnahmequellen.

Die Folgen sind eine unendliche Knappheit an allem. Wenn wir morgens zur Arbeit fahren, sieht es immer so aus, als ob eine Demonstration stattfände. Das sind aber nur hunderte Leute, die sich für das Schlangestehen vor den diversen Geschäften sortieren. Die Kubaner haben eine Wissenschaft entwickelt, wie man möglichst effektiv möglichst viele Produkte bekommen kann. Man „markiert“ in der Schlange für Öl, merkt sich die Vorder- und Hinterleute und gibt diesen bekannt, dass man wiederkomme. Dann geht man zur Schlange für Hühnchen und markiert dort auch. Man muss alles immer im Auge behalten, denn wenn die Vorder- und Hinterleute verloren gehen, hat man Pech gehabt. Das Ganze findet in der Regel so gegen fünf Uhr morgens statt.

Ich erzähle das, um einen Eindruck zu vermitteln, welchem Stress die Leute ausgesetzt sind. Dabei muss man sagen, dass die Schlangen an den Agros, also den diversen Märkten, nicht vorhanden oder überschaubar sind. Die normalen Käufe über Libreta einmal im Monat (Reis, Öl, Bohnen, Zucker, Eier und so weiter) laufen auch ohne größere Umstände ab. Aber wehe, es gibt Kartoffeln auf Libreta: Genauso wie die Eier gibt es sie nur auf Libreta, und dann kriegt, wenn nicht genügend vorhanden sind, auch nur der frühe Vogel den Wurm.

Dieses ganze Szenario der endlos langen Schlangen ist natürlich auf Covid-19 zurückzuführen. Wenn immer nur ganz wenige Leute in die Läden dürfen, dauert es entsprechend länger und man muss sich das alles bei 30 Grad im Schatten vorstellen. Wir haben schon ein paar Mal kurz vor dem Ziel schlapp gemacht. Man muss aber immer wiederkommen, da es ja immer nur bestimmte Produkte gibt. Wenn man dann erfährt – und ich weiß bis heute nicht genau, wie das immer jeder weiß –, dass Waschmittel oder Kondensmilch reingekommen sind, muss man wieder ran.

Havarie im Elektrizitätswerk

Nun gab es Ende Juni zu allem Unglück auch noch eine Havarie in einem großen Elektrizitätswerk. Der große Heizkessel war defekt und die Reparatur dauerte. Die Folge waren sechs- bis zwölfstündige Stromabschaltungen in bestimmten Bezirken. Stromabschaltungen sind nun etwas, das man unter allen Umständen zu vermeiden versucht, weil man weiß, wie die Bevölkerung darunter leidet und welche schlimmen Erinnerungen an die Sonderperiode wieder hochkommen. Aber dieses Mal ging es wohl nicht anders, auch wenn die Reparaturarbeiten 24 Stunden am Tag liefen. Wenn es keinen Strom gibt, hat man weder Ventilator noch Fernsehen. Die Fluchtmöglichkeiten sind in Covid-Zeiten äußerst karg. Auf der Malecon-Mauer zu sitzen ist nicht erlaubt. Man hat in der Regel dann auch kein Wasser. Es wird hier zu bestimmten Zeiten in die Leitung gepumpt und dann braucht man einen Motor, der es von der Zisterne in die Tanks pumpt, die jede Familie auf dem Dach oder im Hof hat. Wenn es keinen Strom gibt, kann der Motor nicht arbeiten und die Tanks bleiben leer.

Verständlicher Protest wurde angeheizt

Ich möchte den Leserinnen und Lesern der „Cuba libre“ damit nur vermitteln, dass es gut zu verstehen ist, dass es den Menschen manchmal zu viel ist, sie erschöpft sind und es verständlich ist, dass sie ihrem Unmut einmal Luft machen. Das, was aber am 11. und 12. Juli passiert ist, war vielleicht zu Beginn ein solch verständlicher Protest. Aber alles, was danach kam, war von außen geplant. Wie könnte man sonst erklären, dass es praktisch zeitgleich in vielen Städten des Landes ebenfalls zu Unruhen kam?

In unserem Stadtviertel war nichts davon zu merken und wir haben in aller Seelenruhe die Live-Übertragung des Endspiels der Europameisterschaften gesehen, als plötzlich das Spiel unterbrochen wurde und man uns sagte, der Präsident habe eine wichtige Mitteilung zu machen. Da waren wir natürlich ziemlich geschockt, aber da bei uns nichts lief, brachte es nichts, auf die Straße zu gehen, um die Revolution zu verteidigen. Also haben wir das Fußballspiel zu Ende gesehen.

Schnell war wieder Ruhe im Land

Alle Macht, die in Kuba ausgeübt wird, wird durch das Volk ausgeübt, mit der Beteiligung des Volkes, um die Probleme der Gesellschaft zu lösen, betonte Díaz-Canel auf der letzten Ministerratstagung. (Foto: Estudios Revolución)

Am nächsten Tag kam es wohl an manchen Orten noch zu vereinzelten Protesten, aber dann war wieder Ruhe im Land. Jetzt gilt es herauszufinden, was die Ursachen dafür waren, dass sich Leute den ganz offensichtlich durch Rädelsführer initiierten Protesten angeschlossen haben. Denn wie Präsident Miguel Díaz Canel feststellte, seien dies nicht alles Konterrevolutionäre gewesen.

Neben den oben aufgeführten Gründen spielte dabei sicherlich die wegen Covid-19 verordnete „soziale Distanz“ eine Rolle. Der Mensch ist ein soziales Wesen und ein System wie der Sozialismus kann, wie der Name schon sagt, nicht ohne das Miteinander der Menschen bestehen. Ohne 1.-Mai-Demos, ohne Treffen der örtlichen Komitees zur Verteidigung der Revolution, ohne den Austausch am Arbeitsplatz und bei Kulturveranstaltungen kommt das soziale Leben und auch der revolutionäre Geist, in dem man sich normalerweise gegenseitig animiert, zum Erliegen. Das ist für die Revolution sicher nicht ungefährlich.

Es wurde versucht, die jungen Leute im Kampf gegen Covid zu mobilisieren, und das war durchaus erfolgreich. Tausende gingen von Haus zu Haus, um gesundheitliche Befragungen durchzuführen, brachten vulnerablen Personen Lebensmittel, halfen in Krankenhäusern aus und waren voller Begeisterung dabei. Wie immer in solchen Fällen erreicht man aber damit nicht alle. Andere erduldeten die lange Zeit, ohne die Schule besuchen zu können, langweilten sich, weil keine Feten oder Konzerte oder irgendetwas Gemeinschaftliches stattfinden durfte und gaben sich dem Frust hin. Da war so eine Aktion auf der Straße auch etwas, um die Monotonie des Alltags zu durchbrechen – endlich mal was los – und es entwickelte sich eine Eigendynamik. Ich bin nicht diejenige, um das zu beurteilen, ich konnte nur sehen, wie aufgeregt und mit welcher Begeisterung die Jugendlichen vor unserem Haus über ihr Handy die Vorkommnisse verfolgten.

Fake News und Propaganda

Während Kuba noch in Schockstarre verharrte, konnte man das über die Drahtzieher der Unruhen nicht sagen. Ihre Kampagnen waren bestens vorbereitet und für ihre Verbreitung standen Millionen von Dollar bereit und sie waren gefährlich.

Zu Anfang verbreiteten sie Meldungen wie die, dass in Camagüey die Protestler die Regierung übernommen und die Ordnungskräfte sich ihnen angeschlossen hätten. Das Ganze auch noch einmal mit Santiago. Dann meldeten sie, der stellvertretende Innenminister sei wegen der von der Polizei angewandten Repression zurückgetreten. Dann wurde berichtet, Raúl Castro sei nach Venezuela beziehungsweise Südafrika geflüchtet – das ganze immer begleitet von Fotos. Die kubanische Nachrichtensendung wurde immer länger, um die Fake-News zu widerlegen. Zumindest wurde den Kubanern deutlich vor Augen geführt, wie dreist die Lügen westlicher Medien sind, denen sie manchmal Glauben schenkten.

Die von den USA und Spanien ausgehenden Kampagnen „SOS Matanzas“ und „SOS Cuba“ wurden von unendlich vielen Leuten geteilt, die sicher keine Ahnung hatten, worum es geht. Auf einmal hatten Leute ihre humane Ader für Kuba entdeckt, denen die Blockade, um dem Land die Luft zum Atmen zu nehmen, nicht eng genug geschnürt sein konnte.

Der berühmte „humanitäre Korridor“ wurde gefordert, als ob Kuba keine Hilfe ins Land lassen würde. Das hatten wir ja vor kurzem erst mit Venezuela, mit der gefährlichen Provokation in Cúcuta (Kolumbien). Von dem „humanitären Korridor“ in Libyen hat sich das Land bis heute nicht erholt.

Von Folterkammern und Massengräbern

Dann wurde die humanitäre Intervention gefordert. Dazu war es nötig, erst einmal den Eindruck zu erwecken, dass sich die Massen gegen die Regierung wenden. Da die Demos gegen die Regierung zu schwach besucht waren, griff man auf Bilder von 1.-Mai-Demos in Kuba, auf die Jubelfeier nach der Copa America in Buenos Aires und auf Demonstrationen in Ägypten zurück. Bei einem Fernsehinterview mit dem US-Senator Ted Cruz war man sogar so dreist, die Beschriftung der Plakate von einer Demo, deren Bilder im Hintergrund gezeigt wurden, zu löschen. Da stand nämlich „Die Straßen gehören den Revolutionären“.

Die einzigen Bilder, die sie von der regierungsfeindlichen Demonstration hätten zeigen können, wären solche der Gewalt gewesen. Die aber hätten nicht zu der Kampagne gepasst, die alle mit Vehemenz betreiben: Die angebliche Repression gegen „friedliche“ Demonstranten.

US-Präsident Joe Biden, der Hohe EU-Kommissar Josep Borrell und ausgerechnet der chilenische Außenminister, die nie etwas zur Polizeigewalt in Kolumbien, zu den Toten und Erblindeten der Demonstrationen in Chile und in Frankreich gesagt haben, sie alle sind jetzt fürchterlich erschüttert über die „Repression“ einer Polizei, die weder Tränengas noch Gummigeschosse noch Wasserwerfer anwendet. Und natürlich hat man wieder Sanktionen ausgesprochen oder angedroht.

Dann kam die Kampagne der angeblich Verschwundenen. „Friedliche“ Demonstranten seien unauffindbar oder seien gefoltert worden. Das ist angesichts der vielen Verschwundenen der Operation Condor, zur Zeit der lateinamerikanischen Diktaturen, eine besonders üble Verleumdung. Danach kamen die „Massengräber“, in denen angeblich die vielen Covid-­Toten verscharrt würden. Es ist wirklich schlimm, dass in Kuba zur Zeit täglich an oder mit Covid etwa 60 Menschen sterben, aber 60 Tote in ganz Kuba können unsere Beerdigungsinstitute nun wirklich noch verkraften.

Kuba ist gezwungen, diese geballten Fake-News jeden Abend akribisch zu widerlegen. Sie sind nämlich sehr gefährlich und sind Bestandteil eines festgelegten Plans zum Sturz der Revolution.

Kuba – Das Erbe der Menschheit

Von all jenen, die jetzt über sämtliche Agenturen, Medien und soziale Netze ihre Krokodilstränen über die schwierige Lage des kubanischen Volkes vergießen, ist noch keiner auf die Idee gekommen, dass man das ganze Problem mit der Aufhebung der Blockade, ja sogar nur mit der Aufhebung der 243 Trump-Maßnahmen lösen könnte. Blockade und Sanktionen werden dort geflissentlich verschwiegen. Ganz großzügig hat US-Präsident Biden in der Pressekonferenz, in der er Kuba als einen „gescheiterten Staat“ bezeichnete, das einzige angeboten, das wir wirklich nicht brauchen – Impfstoffe. Aber auch die sollen nur über eine internationale Organisation verteilt werden – es muss doch verhindert werden, dass sich die kubanische Regierung den ganzen Impfstoff selbst injiziert.

Inmitten dieser gigantischen angeheizten Kuba-Hasskampagne hat sich ein Staatschef mutig hervorgewagt: der mexikanische Präsident Manuel López Obrador. Er hat dazu aufgerufen, Kuba zum „Erbe der Menschheit“ zu erklären, weil es über 60 Jahre Widerstand gegen das Imperium geleistet hat. Er forderte außerdem die Länder der Welt auf, die jedes Jahr in der UNO gegen die Blockade stimmen, ihren Worten Taten folgen zu lassen und Kuba in dieser schwierigen Zeit zu helfen. Mexiko selbst entsandte zwei Schiffe und auch Flugzeuge mit Lebensmitteln und Medizin nach Kuba. Aus Nicaragua und Bolivien landeten ebenfalls Flugzeuge mit Hilfsgütern. Aus Russland kam eine voll beladene Antonow und aus Vietnam erreichten uns 12.000 Tonnen Reis.

Von europäischen Regierungen erreichte uns nichts. Oder doch: Am 7. August wurde bekannt, dass die italienische Regierung dem Welternährungsprogramm der UNO 120.000 Euro für Kuba zur Verfügung gestellt hat. Damit sollen 50 Tonnen schwarze Bohnen und Öl gekauft werden, um zur Ernährung von 2.300 Personen beizutragen, die sich in Krankenhäusern in Matanzas und Havanna befinden. Immerhin.

Die Kubaner freuen sich über die Hilfslieferungen. Es ist genau festgelegt, welche Provinz welche Güter bekommt, denn es kann nicht jeder von jedem bekommen. Dazu reicht die Menge nicht aus. Alles wird über die Libreta (den Bezugsschein) ausgegeben, damit sich niemand die Ware ungerechtfertigt aneignen kann, und sie wird, da es sich um eine Spende handelt, an die Bevölkerung verschenkt. Der Staat trägt die Transportkosten.

Aber Kuba freut sich natürlich über jede Hilfe, wie klein sie auch sein mag. Es wird immer wieder betont, wie dankbar man den Solidaritätsorganisationen für ihre Unterstützung ist. Selbst in den USA gibt es die nicht unbedeutende Kampagne „Let Cuba Live“ mit ganzseitiger Anzeige in der „New York Times“ und Leuchttransparenten mitten in New York.

Aber es muss noch viel mehr getan werden. Der Gegner hat mehr Roboter und mehr Algorithmen. Wir müssen die überzeugenderen Argumente haben. Nicht, dass diese den Gegner überzeugen würden, dem geht es nicht um die Wahrheit, aber wir müssen die Leute gewinnen, die ihm gutgläubig hinterherlaufen.

Von Nicaragua lernen – No pasarán!

Im kubanischen Fernsehen kam bereits zweimal der Dokumentarfilm über die Konterrevolution in Nicaragua. Auch in der „Granma“-Redaktion wurde er uns gezeigt. Darin wird in erschreckender Weise gezeigt, was passiert, wenn die Reaktionäre die Oberhand gewinnen. Selbst der Guerillakrieg wurde nicht mit solcher Brutalität geführt wie diese Jagd auf alles, was sandinistisch aussah: Grausamste Folterungen – angefeuert von Priestern und legitimiert vom Bischof, eine unbeschreibliche Hexenjagd! Ein unsäglicher Hass, darunter Menschen, die die Welt nicht mehr verstanden. Schließlich die Befreiung, als die Sandinisten endlich wieder die Oberhand gewannen, die Leute lachend unter Tränen sich wieder auf die Straßen trauten in der Hoffnung, dass sich ein solcher Alptraum nicht wiederhole.

Das alles ist auch für Kuba geplant. Dieser Film zeigt, was Konterrevolution bedeutet, zeigt, was passiert, wenn der Hass regiert. Wir müssen alles tun, um das kubanische Projekt zu verteidigen. Es mag seine Fehler haben, aber es ist, wie Präsident López Obrador richtig sagte, ein Erbe der Menschheit und es ist an der Menschheit, dieses ihr Erbe zu verteidigen.


Die neue „Cuba libre“

Ein Schwerpunkt der „Cuba libre“ 4/2021 (Oktober bis Dezember) befasst sich mit der Kampagne gegen Kuba. Neben Renate Fausten schreiben dazu unter anderem Raúl Antonio Capote („Fake News, Manipulation und Medienkriege“) und José Manzaneda („Kulturelle Kriegsführung“). Den Leitartikel „Kuba wehrt sich – Eine lateinamerikanische Perspektive“ zeichnet Frei Betto aus Brasilien, eine zentrale Figur der Befreiungstheologie Lateinamerikas. Das Heft wird abgerundet durch die Rubrik „Jorgitos Log“, einen Bericht des Proyecto Tamara Bunke („Irgendwann schaffen wir es nach Kuba!“) und Artikel über kubanische Krimis und die Beteiligung an den Olympischen Spielen in Tokio. Die Redaktion nimmt außerdem Abschied von der großartigen Antifaschistin und Kuba-Freundin Esther Bejarano.

Das Einzelheft der „Cuba libre“ kostet 3,50 Euro, das Abonnement 12,50 Euro, www.fgbrdkuba.de – auch zu beziehen über uzshop.de

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An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Kuba wehrt sich – wir sind solidarisch", UZ vom 22. Oktober 2021



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