Zu „Wem nützt es?“, UZ vom 9. Oktober 2020

Lest kamalatta!

Tim Engels, Düsseldorf

Es mag ja für Marxistinnen und Marxisten angehen, hinsichtlich der sogenannten dritten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) die Phantom-These zu verfechten. Aber dann sollte doch wenigstens erwähnt werden, dass Birgit Hogefeld, die im Gegensatz zu Wolfgang Grams überlebt hat, fast 20 Jahre wegen Aktionen aus dieser Zeit im Knast saß, die ihr zugerechnet wurden. Es müsste sich auseinandergesetzt werden mit den Autoren und deren Hintergrund, die das „RAF-Phantom“ verfasst haben. (…) Es müsste eine Auseinandersetzung stattfinden mit der April-Erklärung des Kommandos Ulrich Wessel zu der tödlichen Aktion gegen Rohwedder. (…) Ferner müssten die „Fakten und Fiktionen“ um die Zusammenhänge zwischen RAF und MfS einbezogen werden. Sicherlich wäre es besser, die ehemaligen Militanten aus RAF und antiimperialistischem Widerstand könnten Teil der Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte sein, statt sie vom Gegner schreiben zu lassen. Warum das nicht geht, haben sie vor zehn Jahren im Zusammenhang mit dem Buback/Becker-Prozess erklärt: Es ist eine „Sache der Würde, der Identität – der Seite, auf die wir uns gestellt haben“. Eine Voraussetzung dafür wäre eine Amnestie für diejenigen, die weiter in die Illegalität gezwungen werden. Daran, was das heißt, sollten doch gerade wir uns erinnern können. Verdient haben sie nichts anderes als „Freiheit, Glück und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ (Bewohnerinnen und Bewohner der Hamburger Hafenstraße). Das alles wäre eine vielleicht hinreichende Auseinandersetzung – nur einfach machen sollten wir es uns damit nicht. Nehmt Euch ein Beispiel an Christian Geissler, lest dessen Widerstands-Trilogie (Das Brot mit der Feile; Wird Zeit, dass wir leben), lest kamalatta!

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