Die Hochrüstung der Ukraine ist nicht zuletzt ein großes Geschäft

Panzermonopoly

Es ist wie auf einer US-amerikanischen Kuhauktion. Jeder westliche Regierungschef wirft seine Panzer-, Munitions- und andere Zahlen in den Ring und lässt sie über die Medien breittreten. Der Laie, sprich, der Steuerzahler, der den ganzen Kram bezahlen soll, kommt gar nicht mehr hinterher mit dem Begreifen, wie er geschröpft wird. 14 Leopard 2, 14 Challenger 2, 30 AMX-10RS, 30 Gepard, 40 Marder, 50 Bradley, hinzu kommen einige Dutzend gebrauchter T-72 unterschiedlicher Ausbaustufen sowie über 100 alte BMP. Das Karussell „Wer-schenkt-der-Ukraine-mehr-Panzer zur Verteidigung der Freiheit Europas“ – wie es der Schauspieler-Präsident Selenski nannte – dreht sich immer schneller. Da fühlt sich auch unsere Regierung regelrecht unter Druck gesetzt und bietet fröhlich mit.

Dass das Ganze nicht bei Panzern bleibt, zeigte die jüngst stattgefundene „Münchner Sicherheitskonferenz“, die früher mal von alten Nazis und Wehrmachtsleuten als „Wehrkundetagung“ ins Leben gerufen wurde. Da forderte die ukrainische Seite Streumunition und Phosphorbomben. Was kommt als Nächstes, Atombomben, strategische Raketen? Das Gebaren der ukrainischen Verantwortlichen erinnert an die Frau des Fischers aus dem Märchen „Van den Fischer und siine Frau“ des Wolgasters Phillip Otto Runge, das die Brüder Grimm in ihren Märchenschatz aufnahmen. Die Mahnung, wer immer mehr will, hat am Ende nichts, wurde schon vor mehr als 200 Jahren ausgesprochen.

Das Panzergeschäft hat tragische und karnevaleske Züge. Wenden wir uns zuerst den unfreiwillig komischen Aspekten zu. Am 5. Februar meldeten alle großen und kleinen Bürgerblätter des Landes: Kanada bringt den ersten von vier versprochenen deutschen Kampfpanzern Leopard 2 auf den Weg in die Ukraine. Dazu bewegte Bilder im TV und vielfach im Internet. Immer das gleiche Filmchen. 1 Panzer – was wird der „Russe“ schlottern. Ja gut, es kommen ja welche nach und auch von anderen und auch andere Modelle. Zum Weiter-Krieg-Führen wird’s reichen.

Aber was hat es denn mit diesem Brimbamborium um die „Westpanzer“ für die Ukraine auf sich? Und damit kommen wir zur tragischen Dimension dieses „Geschäfts“. Der Ukraine­krieg ist eine feine Möglichkeit, einmal wirklich zu testen, was die Dinger wert sind. Zwar kamen Leopard, Challenger, Abrams, AMX und so weiter in den letzten Jahrzehnten schon an vielen Stellen der Welt zum Einsatz. Aber ein wirkliches Kräftemessen war das in den asymmetrischen Kriegen, so werden Kriege zwischen sehr ungleichen Kontrahenten genannt, nicht. Jetzt kann am Endgegner erprobt werden, was funktioniert. Bei der Panzerhaubitze 2000 hat sich ja schon gezeigt, dass sie nur bedingt kriegstauglich ist.

Es kommt jedoch noch ein nicht zu vernachlässigender Aspekt hinzu. Der Einsatz der diversen Panzertypen ist auch eine spektakuläre Marketingveranstaltung. Schließlich geht es darum, wer die meisten der neuen NATO-Panzer baut. Projekte gibt es einige, zum Beispiel ein deutsch-französisches Gemeinschaftswerk namens MGCS (Main Ground Combat System), das seit 2012 vor sich hin dümpelt. Wenn sich der Leopard 2 gegen die Russenpanzer bewährt, dann kann man den Leopard 3 auch allein bauen. Ein Kriegsschauplatz als Werbemaßnahme. Widerlicher kann sie nicht sein, die Fratze des Imperialismus.

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"Panzermonopoly", UZ vom 3. März 2023



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