Mahle: Beschäftigte protestieren gegen Zerschlagung ihres Werkes

Schließungen und Stellenabbau gehen weiter

Seit Jahren prägen Arbeitsplatzvernichtung und Standortschließungen das Bild beim Autozulieferer Mahle. Im Jahr 2019 beschäftigte das Unternehmen weltweit noch rund 80.000 Beschäftigte an 160 Standorten, davon rund 13.000 an 26 Standorten in Deutschland. Heute sind es noch 135 Produktionsstandorte und elf Zentren für Forschung und Entwicklung. Von den knapp 68.000 Beschäftigten weltweit arbeiten rund 10.000 an den 23 Standorten in Deutschland.
Mahle kündigte weitere Stellenkürzungen im November 2025 an – ein Großteil davon soll in Deutschland erfolgen, und davon wiederum ein Großteil in Stuttgart. In den vergangenen Jahren sind Standorte wie Gaildorf, Öhringen und Freiberg bereits geschlossen worden.

In der Zentrale baute Mahle in Stuttgart in zwei Wellen 600 Stellen ab, zusätzlich wurde über einen längeren Zeitraum Kurzarbeit angeordnet. Mit dem Abbau von 100.000 Überstunden ist zusätzlich Geld eingespart worden. Doch das alles reicht der Geschäftsführung nicht – der Kahlschlag geht weiter. Ab diesem Jahr sollen weltweit 150 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich eingespart werden: zu einem Drittel bei Sachkosten und zu zwei Dritteln bei Personalkosten.

„Einen Teil der Personalkosteneinsparungen wollen wir über eine Senkung der laufenden Entgelte erreichen. Klar ist aber auch, dass sich damit allein das notwendige Einsparvolumen nicht erreichen lässt. Abhängig von den Gesprächsergebnissen dürfte der Abbau nach aktuellen Einschätzungen eine mittlere dreistellige Zahl von Stellen in Deutschland betreffen.“ Mit diesen Aussagen lässt sich Mahle-Chef Arnd Franz Ende letzten Jahres in der „Stuttgarter Zeitung“ zitieren. Bezahlen sollen den Kahlschlag – wie immer im Kapitalismus – die Kolleginnen und Kollegen.

Auch die Standortschließungen gehen weiter. In Fellbach bei Stuttgart sind rund 165 Kolleginnen und Kollegen davon betroffen. Der Mahle-Standort gilt konzernweit als „Formel-1-Hightech-Schmiede“ für die Marke Mahle Motorsport. In Fellbach wird seit über zwei Jahrzehnten Hightech-Entwicklung auf internationalem Spitzenniveau betrieben. Der Betrieb ist bekannt für seine Spezialisierung und Profitabilität. Und dennoch: Um Betriebskosten zu sparen, soll der Standort geschlossen werden. Mahle will die Beschäftigten innerhalb von 14 Monaten auf die Werke in Markgröningen (rund 25 Kilometer entfernt von Fellbach) und Rottweil (über 100 Kilometer entfernt) verteilen.

Dagegen protestierten am 10. Februar rund hundert Mahle-Beschäftigte in Fellbach mit einer einstündigen Arbeitsniederlegung. Unterstützt wurden sie von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben des Unternehmens. Immer wieder riefen sie die Parole: „Wir bleiben hier!“ Ihre Botschaft war eindeutig: Der Standort soll bleiben – und mit ihm das Know-how der Menschen.

Vertreterinnen und Vertreter des IG-Metall-Seniorenausschusses überbrachten solidarische Grüße, wünschten viel Erfolg und machten deutlich, wie wichtig der gemeinsame Kampf aller von Arbeitsplatzvernichtung betroffenen Belegschaften ist. Nur durch die gemeinsame Kraft können Schließungen und Personalabbau verhindert werden. Es wurde von der letzten Delegiertenversammlung berichtet, bei der einige Redner unter großem Beifall gemeinsame Streiks gegen die Arbeitsplatzvernichtung in der Region Stuttgart einforderten.

Mitglieder des Betriebsrats kündigten an, den Druck auf die Unternehmensleitung aufrechtzuerhalten. Es werde weitere Aktionen geben, sollte die Geschäftsführung nicht auf die Forderungen der Belegschaft eingehen.

Mahle ist eine Stiftung
99,9 Prozent der Unternehmensanteile liegen in der Hand der gemeinnützigen Mahle-Stiftung. 0,1 Prozent hält der „Verein zur Förderung und Beratung der Mahle Gruppe“ (MABEG), der gleichzeitig Inhaber der gesamten Stimmrechte ist und somit die Gesellschafterrechte ausübt.
„Mit dieser Struktur sichern wir unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schaffen so die Basis für eine langfristige Planung und weitsichtige Investitionsentscheidungen“, heißt es auf der Website des Unternehmens. „Dem anthroposophischen Denken und Handeln ihrer Gründer entsprechend, sind die Leitmotive, die die Grundlage aller Stiftungsarbeit bilden, Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Menschen, der Umwelt und der Natur.“ Der Kahlschlag im Konzern zeigt, dass Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein gegenüber Menschen der kapitalistischen Profitlogik untergeordnet sind.
Im Jahr 2024 betrug der Umsatz 11,7 Milliarden Euro, die Rendite lag bei 3,6 Prozent. Mahle ist mit Kolben und Motorteilen groß geworden. Noch etwa 40 Prozent des Umsatzes hängen vom Verbrennungsmotor ab, 60 Prozent der Belegschaft arbeiten in diesem Bereich. Jedes zweite Fahrzeug weltweit ist heute mit Mahle-Komponenten ausgestattet.
Das Unternehmen ist ein international führender Zulieferer der Automobilindustrie mit Kunden sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugsektor. Als Technologiekonzern arbeitet Mahle auch im Bereich Elektromobilität und Thermomanagement sowie an weiteren Technologien. Dazu gehören Brennstoffzellen oder hocheffiziente Verbrennungsmotoren, die auch mit synthetischen Kraftstoffen oder Wasserstoff betrieben werden können.

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"Schließungen und Stellenabbau gehen weiter", UZ vom 20. Februar 2026



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