Zweiter Internationaler Aktionstag der Hafenarbeiter

Streiks gegen Waffentransporte

Mirko Knoche

22 Länder, 25 Gewerkschaften, 113 Häfen – der Streik reichte um den ganzen Globus. Am 30. Oktober haben Hafenarbeiter bei ihrem zweiten internationalen Aktionstag die Arbeit niedergelegt, um damit ein Zeichen gegen Waffenlieferungen zu setzen. Der Weltgewerkschaftsbund (WGB) mit Sitz in Athen hatte seine Mitgliedsorganisationen zum Ausstand aufgerufen. In Europa fanden am Freitag vergangener Woche die größten Aktionen in den Häfen von Piräus, Valencia, Le Havre, Algeciras und Genua statt. Dazu kamen große Streiks im marokkanischen Tanger und im indischen Mumbai, wie die Nachrichtenagentur Reuters am selben Tag berichtete. Die Arbeitskämpfe reichten bis ins kalifornische Oakland.

„Wir werden nicht für ihre Kriege arbeiten und nicht zu ihrem Kanonenfutter werden“, sagte Apostolos Kypraios, Chef der griechischen Maschinistengewerkschaft PEMEN, laut Reuters. Die Seefahrer hatten sich am 24-Stunden-Streik beteiligt. Denn in den laufenden Kriegen in der Ukraine und im Iran seien bereits hunderte Seeleute gestorben oder schwer verletzt worden, berichtete nach Agenturangaben auch die griechische Seeleutegewerkschaft PENEN.

Allein in den ersten drei Wochen des Monats Oktober habe es im Persischen Golf 28 Angriffe auf Handelsschiffe gegeben. Im Schwarzen Meer seien es im laufenden Jahre ganze 570 Angriffe gewesen, so PENEN. Deshalb unterbrachen die rund 3.000 Streikenden im Hafen Piräus den Güter- und Containerumschlag sowie den Fährverkehr zu den griechischen Inseln.

Nach Angaben des Bündnisses No Harbour for Genocide („Kein Hafen für den Völkermord“) vom Freitag vergangener Woche blieben in den bestreikten Häfen 52.000 Container mit einem Gesamtwert von 2,8 Milliarden US-Dollar (etwa 2,5 Milliarden Euro) liegen. Darunter Militärfracht für Israel, denn fast 95 Prozent aller Importe und Exporte des Landes würden per See versandt.

Während der vergangenen 14 Monate konnte die gemeinsame Kampagne von Hafenarbeitern und Friedensaktivisten nach einer Veröffentlichung vom vergangenen Samstag allein für den israelischen Rüstungskonzern Elbit 315 Zuliefertransporte über 56 Handelshäfen in 29 Ländern verfolgen. In allen 56 Häfen war geplant, die Arbeit niederzulegen.

„Ein sofortiges Ende des Völkermords am palästinensischen Volk und aller imperialistischen Kriege“ forderte Francesco Staccioli, Nationaler Sekretär für Häfen und Transport der italienischen Basisgewerkschaft USB, gegenüber dem katarischen Nachrichtensender „Al Jazeera“ am Freitag vergangener Woche. Italiens Häfen Gioia Tauro und Genua gelten neben Tanger und Piräus als die größten Verteilerhäfen im Mittelmeer, wo Container von den Ozeanriesen auf kleinere Schiffe umgeladen werden. Staccioli betonte, dass die Docker auf eine lange Tradition über den Irakkrieg bis zum Vietnamkrieg zurückblickten, mit der sie „sich gegen imperialistischen Krieg oder Aggression zusammengeschlossen“ hätten.

Bereits der erste internationale Aktionstag der Hafenarbeiter im Februar 2025 hatte sich vorwiegend gegen den Transport von Kriegsgütern nach Israel gerichtet, und war besonders in den Mittelmeerhäfen erfolgreich gewesen. „Waffen brauchen Transport, Infrastruktur und Arbeiterhände, um ihr Ziel zu erreichen“, erklärte Markos Bekris, Leiter der Hafenarbeitergewerkschaft ENEDEP in Piräus, seinerzeit laut „Al Jazeera“. „Genau da liegt unsere Macht.“

Bescheidener fiel die Beteiligung in Deutschland aus. Lediglich die Fachgruppe Luftverkehr und Maritime Wirtschaft von ver.di Hamburg rief zu einer Kundgebung am Dessauer Ufer auf. Hier sind Stolpersteine für die Kriegsgefangenen verlegt, die als Zwangsarbeiter in den Hafen der Hansestadt verschleppt worden waren. Die unterschiedliche Teilnahme am Aktionstag in den nord- und südeuropäischen Ländern rührt aus der Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung in den kommunistisch beeinflussten WGB und den sozialdemokratisch orientierten Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB). In den Häfen spiegelt sich das im WGB-nahen International Dockworkers Council (IDC) und der IGB-nahen International Transport Workers Federation (ITF) wider, die besonders in Nordeuropa stark ist.

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"Streiks gegen Waffentransporte", UZ vom 6. November 2026



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