Vom 30. Oktober bis 1. November verwandelte sich das Nürnberger Künstlerhaus erneut in einen Treffpunkt linker Buch- und Kulturöffentlichkeit. Bei der 31. Linken Literaturmesse präsentierten sich knapp 70 Verlage, Zeitungen und Selbstverlage – so viele wie noch nie. 66 Lesungen, Buchvorstellungen und Diskussionsveranstaltungen boten an drei Tagen ein umfangreiches Programm. Rund 2.000 Besucher fanden den Weg zu einem ausgesprochen vielfältigen Programm.
Auf der Eröffnungsveranstaltung am Freitagabend wurde unter anderem unter dem Titel „Sozialer Kahlschlag, Kriegsvorbereitung, Rechtsruck und reaktionärer Staatsumbau – was tun?“ mit Martin Schirdewan über die unterschiedlichen Formen des Widerstands diskutiert. Von parlamentarischen Möglichkeiten über Boykott und Blockaden bis hin zu Streiks reichte das Spektrum. Dabei ging es nicht allein um die Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung, sondern ausdrücklich um die Frage, wie aus Protest wirksame Gegenwehr werden kann.
Manfred Sohn nahm mit seinem Beitrag „Menetekel VW“ die Krise der deutschen Automobilindustrie in den Blick. Am Beispiel des Volkswagen-Konzerns diskutierte er den massiven Abbau von Industriearbeitsplätzen, die Ratlosigkeit gewerkschaftlicher Interessenvertretung und zugleich vorhandene Ansätze betrieblicher Gegenwehr.
Dietmar Dath, der gemeinsam mit Joscha Landau den Autor Sven Tarp vorstellte, widmete sich einem der großen Zukunftsthemen: der Künstlichen Intelligenz. Unter dem Titel „Die Ruhe vor dem Sturm“ ging es um die technologischen Umbrüche und die Frage, welche Konsequenzen sie für die Menschheit haben. Die Veranstaltung verband wissenschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven mit der grundsätzlichen Frage, wer über die Entwicklung und den Einsatz dieser Technologien entscheidet.
Einen anderen Zugang zur Welt bot Günter Pohl mit seinem Buch „Das fließende Wesen der Wirklichkeit“. Dabei ging es um eine grundlegende Frage marxistischen Denkens: Wie lässt sich Wirklichkeit in ihren Widersprüchen, Veränderungen und Zusammenhängen begreifen? Die Veranstaltung zeigte, dass theoretische Grundlagen und politische Praxis auf der Messe keineswegs getrennte Welten sind.
Dass die Linke Literaturmesse auch ein Ort für Familien ist, zeigte das Kinderprogramm am Samstag und Sonntag. Mit Kinderbücher-Leseecke und Bastelangeboten gab es ein eigenes Angebot für die jüngsten Messegäste. Ein wichtiger Beitrag dazu, dass politische Kultur und gemeinsames Entdecken nicht erst im Erwachsenenalter beginnen.
Einen besonderen Akzent setzte die Karikaturenauktion zugunsten Kubas. Die ausgestellten kubanischen Zeichnungen waren nicht nur Kunstwerke mit politischer Botschaft, sondern wurden ganz konkret zum Anlass für solidarisches Handeln. Bei der Versteigerung kamen mehr als 400 Euro zusammen. Das Geld kommt einem Solidaritätsprojekt für Solaranlagen als auch den Kunstschaffenden zugute. Damit verband die Messe eine kulturelle Aktion mit internationaler Solidarität und praktischer Unterstützung angesichts der schwierigen Energieversorgung auf der Insel. Möglich wurde dies durch das Engagement der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba und des CommPress Verlags.
Die knapp 70 Ausstellenden bildeten einen neuen Rekord. Das Spektrum reichte von marxistischen und sozialistischen Verlagen über anarchistische, feministische und antifaschistische Publikationen bis hin zu internationalistischen, ökologischen und gewerkschaftlichen Projekten. Neben bekannten Verlagen waren zahlreiche kleinere Initiativen und Selbstverlage vertreten. Gerade diese Vielfalt macht den besonderen Charakter der Messe aus: Hier begegnen sich unterschiedliche Strömungen, Erfahrungen und politische Traditionen, die im kommerziellen Literaturbetrieb kaum Raum finden.
Auch wenn die Besucherzahl etwas unter dem Vorjahresniveau lag, hat die 31. Linke Literaturmesse ihre Bedeutung als Forum linker Debatten und unabhängiger Publikationen unterstrichen. Der Ausstellerrekord, das umfangreiche Veranstaltungsprogramm und die zahlreichen Gespräche an den Büchertischen zeigen, dass es weiterhin ein großes Bedürfnis nach solchen Begegnungsorten gibt.
Die Linke Literaturmesse ist ehrenamtlich organisiert und lebt vom Engagement der beteiligten Verlage, Autorinnen und Autoren sowie vieler Helferinnen und Helfer. Sie ist ein Ort, an dem Bücher verkauft, Ideen ausgetauscht und politische Verbindungen geknüpft werden. Und an dem deutlich wird: Eine andere Öffentlichkeit entsteht nicht von allein. Man muss sie gemeinsam organisieren.








