Ende September begann die Olivenernte und damit ein wichtiger Moment für die Wirtschaft und Gesellschaft Palästinas. Innerhalb weniger Tage griffen israelische Siedler in Hunderten Vorfällen Palästinenser an. Es gab Dutzende verletzte Palästinenser, einige Schwerverletzte.
Nur gelegentlich, wenn ausländische Journalisten oder Politiker angegriffen werden, gibt es eine Untersuchung. Im letzten Fall wurden europäische Diplomaten und der Bürgermeister von Bordeaux angegriffen, sie halfen bei der Olivenernte. Eine US-amerikanische Journalistin wurde schwer verletzt. Netanjahu meinte: „Selber schuld.“ Die Delegation habe sich in einem gesperrten Gebiet ohne Absprache mit den Behörden aufgehalten.
Soweit die Armee die angreifenden Siedler nicht aktiv beschützt, werden Gewalttaten gegen Palästinenser zumindest geduldet. Wir wissen, dass das israelische Militär bei Gewalt von Palästinensern gegen Siedler rücksichtslos vorgeht.
Vor einer Woche töten Palästinenser zwei Besatzungssoldaten. Weitere Soldaten wurden verletzt.
Das übliche Vorgehen der Behörden bei solchen Angriffen ist, dass die Angreifer erschossen und die Häuser ihrer Familien zerstört werden. Aber es ist Wahlkampf. Alle Zugänge nach Hebron, woher die beiden Täter stammen, wurden abgeriegelt; mehrere Tausend Menschen wurden vertrieben, viele verhaftet. Die Situation ist ein Desaster, so Bürgermeiste Yousef Jaabari.
Und es wird womöglich schlimmer. Netanjahu kündigte an, das gesamte Viertel, in dem die beiden gelebt hatten, solle zerstört werden. Finanzminister Smotrich ließ Gebäude zerstören, die vorgeblich illegal errichtet worden waren. Er genehmigte zugleich den Bau von vier neuen Siedlungen.
Darüber hinaus wurde die Westbank abgeriegelt – zusätzlich zu der „üblichen“ Abriegelung während der kommenden Wahl. Netanjahu drohte der Autonomiebehörde mit weiteren Maßnahmen.
Was die Siedler mit ihren Angriffen auf chaotische Weise beginnen, setzt der Staat Israel in organisierter Form fort. Mit den Angriffen auf Hebron und der Abriegelung der Westbank nach dem Tod der beiden Soldaten wird das gesamte palästinensische Volk in Geiselhaft genommen.
Die israelische Menschenrechtsorganisation B’tselem fordert die „internationale Gemeinschaft“ auf, gegen die angekündigte und andauernde ethnische Vertreibung in Hebron tätig zu werden. Doch Taten gegen die Vertreibung gibt es bisher keine.

