Die FIR wird 75. Ihre Aufgaben sind dringender denn je

Vor dem XX. Kongress

Anfang November findet in Lissabon der XX. reguläre Kongress der Fédération Internationale des Résistants (FIR) statt, der Dachorganisation antifaschistischer und Veteranenverbände aus Europa, Israel und Lateinamerika. Das Besondere an diesem Kongress ist die Auftaktveranstaltung am 6. November. An diesem Tag feiert die FIR ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Festakt. Gegründet 1951, in der Hochphase des Kalten Krieges, entstand diese Organisation mit Mitgliedsverbänden in West und Ost, basierend auf der Gemeinsamkeit der Überlebenden des Naziregimes und des Widerstandskampfes in allen okkupierten Ländern. Trotz politischer Unterschiede war das Vermächtnis der Überlebenden, formuliert zum Beispiel im Schwur von Buchenwald, die Gemeinsamkeit, auf die sich die Verbände in allen Zeiten internationaler Konflikte verständigen konnten. Selbst die Auflösung der Blöcke 1989/90 und die politische Transformation haben die Verbindungen der Veteranenverbände, zu denen seit einigen Jahrzehnten auch nachgeborene Antifaschisten gehören, nicht zerstören können. Zwar wird die Arbeit durch den Wegfall staatlicher Unterstützung erschwert, aber die Zusammengehörigkeit der Verbände hat Bestand.

Konsequenzen aktueller politischer Spannungen zeigen sich auch beim diesjährigen Kongress. Delegierte aus der Ukraine, Belarus, der Russischen Föderation und Israel sind nicht in der Lage, teilzunehmen. Kleinen Verbänden insbesondere aus den Balkanstaaten fehlen finanzielle Mittel, nach Lissabon zu reisen. Sie wurden über die Vorschläge zum neuen Statut und zu den geplanten politischen Beschlüssen in Vorbereitung informiert, um auch ihre Stellungnahmen einbeziehen zu können.

Als zukünftige Aufgaben benennt die FIR vier zentrale Themen. Es geht um einen aktiven Beitrag zur Begrenzung und Verhinderung von Kriegen. Als Botschafter des Friedens der UNO haben die FIR und ihre Mitgliedsverbände hierbei eine große Verantwortung. Niemand hätte vor 75 Jahren erwartet, dass die Losung „Nie wieder Faschismus“ in fast allen europäischen Staaten aktuell wieder auf der Tagesordnung stehen würde. Gemeinsam mit Kräften der Zivilgesellschaft stellt sich die FIR gegen diese gefährliche Rechtsentwicklung.

Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen demokratischen Verbänden ist die Erinnerungsarbeit. Sie basiert auf dem Vermächtnis der Frauen und Männer, die die FIR vor 75 Jahren begründet haben. In vielen Ländern muss heute gegen Geschichtsrevision und Vergessen gearbeitet werden. Alle diese Aufgaben kann die FIR – und das ist der vierte Punkt – nur gemeinsam mit heutigen Generationen verwirklichen. Es ist daher zentrale Aufgabe aller Mitgliedsverbände, einen lebendigen Kontakt zu heutigen Generationen zu entwickeln, ihnen das Vermächtnis der Überlebenden nahezubringen, aber gleichzeitig auch Raum für Fragen und Perspektiven heutiger Generationen zu geben. Folgerichtig liegt dem Kongress auch eine Solidaritätserklärung mit dem aktuellen Kampf junger Menschen in vielen Ländern für ihre Zukunft vor.

Was vor 75 Jahren sicherlich niemand in der FIR erwartet hatte, ist Thema eines weiteren Antrags: Die politische Denunziation des Antifaschismus als „Terrorismus“ durch die US-Regierung, die bereits praktische Auswirkungen in Europa zeigt. Die Botschaft des Kongresses lautet dagegen: „Antifaschismus ist weder kriminell noch terroristisch, sondern steht für Demokratie, Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte.“

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