Mit dem Baujahr 1948 reibt man sich die Augen beim Verbrauch von Schwarz-Rot-Gold-Fahnen nach Erfolgen der Akteure in den unterschiedlichsten Sportdisziplinen. Die bundesdeutsche Praxis der journalistischen Würdigung war vor der Übernahme Ost, dass darauf bestanden wurde, in den Siegerlisten deutscher Athleten nur einen Wohnort statt des Staatsnamens anzugeben. Die Begründung: Der Sportler kämpft doch für seinen persönlichen Erfolg und nicht zum Ruhm eines Staates. Die oft sehr erfolgreichen DDR-Kader verursachten mit ihrem Abschneiden und dem Abspielen der „Becher-Hymne“ plus Fahnenaufzug wohl bei politischen Amtsträgern und strammen Sportfunktionären Westdeutschlands Atemnot oder Schlimmeres. Jetzt ist das aber Geschichte und die Sportlerdelegationen werden üppig mit Flaggenstoff versehen, um das größer gewordene, so starke Deutschland zu repräsentieren. Wie sich Zeiten und Begründungen doch ändern.
Üppiger Fahnenstoff
Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.
An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)
"Üppiger Fahnenstoff", UZ vom 21. August 2026


