Alte Bellizistenlogik: Willst du das Volk kriegsbereit machen, suggeriere ihm Bedrohungen. Die Vorgeschichten blutigster Gemetzel sind voller Belege für die Haftkraft solcher Lügen.
Wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erklärte Hitler vor der Wehrmachtsführung: „Die Auslösung des Konflikts wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen.“ Wahrheitsgehalt sei unwichtig, im Sieg liege das Recht. Und SD-Führer Heydrich, als er befahl, unter „falscher Flagge“ einen Überfall „polnischer Freischärler“ auf den Sender Gleiwitz vorzutäuschen, legte nach: Ein „Beweis“ polnischer Übergriffe sei „für die Auslandspresse und für die deutsche Propaganda nötig“. Die Gleiwitz-Lüge und andere „False-Flag“-Aktionen addierte Hitler zu einem Bedrohungsszenario, mit dem er den Beginn des Weltkrieges als Recht auf Verteidigung verklärte. Als die Aggressoren bedingungslos kapituliert hatten, waren dem Krieg über 65 Millionen Menschen zum Opfer gefallen, darunter 27 Millionen Sowjetbürger sowie jeweils sechs Millionen Polen und Deutsche.

Dass der US-Zerstörer „Maddox“ und ein weiteres Kriegsschiff der US-Marine am 4. August 1964 im Golf von Tonkin von Booten der DRV beschossen worden seien, war eine Lüge. Washington verbreitete sie, um seinen Kriegseintritt zu rechtfertigen. Drei Tage später wurde Präsident Lyndon B. Johnson vom Kongress zu weiteren militärischen Aktionen gegen die Demokratische Republik Vietnam ermächtigt. Die „Tonkin-Resolution“ wurde der Welt als rechtliche Grundlage für jenen widerwärtigen US-Krieg präsentiert, den Millionen Vietnamesen, fast 60.000 amerikanische und 5.000 „verbündete“ Soldaten mit dem Leben bezahlten. Bis heute hat das offizielle Amerika nicht so viel Scham übrig wie der seinerzeitige US-Kriegsminister McNamara, der an seinem Lebensende fragte, wie man diese Schuld der Nachwelt erklären solle.
Am 5. Februar 2003 präsentierte US-Außenminister Colin Powell dem UN-Sicherheitsrat angebliche Beweise für B- und C- sowie Bauteile atomarer Waffen in irakischer Hand. Gemeinsam mit Großbritannien hatten sich die USA um ein Interventionsmandat bemüht, das ihnen der UN-Sicherheitsrat aber nicht erteilte. Der später mit der „Koalition der Willigen“ geführte Irakkrieg war folglich völkerrechtswidrig. Da weder Restbestände von Massenvernichtungswaffen noch Beweise für irakische Angriffsabsichten oder Verbindungen Saddam Husseins zu Al-Kaida gefunden wurden, waren alle zur Begründung des Irakkrieges vorgetragenen Argumente nichtig. Im Jahre 2005 bedauerte Powell, dass er dem UN-Sicherheitsrat die kriegsauslösenden Falschinformationen vorgelegt hatte und nannte es den „Schandfleck“ seiner Karriere. Die Opferangaben dieses Krieges um Öl und geopolitischen Vorteil reichen bis zu über einer Million getöteter Iraker.
Und was rechtfertigte den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran, obwohl doch sogar die US-Geheimdienste die als Kriegsgrund ausgegebene bevorstehende Fähigkeit Teherans zum Bau der Atombombe bestritten hatten? Immer wieder Fakes als Präambeln angemaßter Weltverheerungen, zu oft erst enttarnt, wenn die Erfinder ihre Destruktion längst begonnen oder vollendet hatten. Grund genug, bei den großen Friedensdemonstrationen in Berlin und Stuttgart am 3. Oktober den Appell an die Deutschen und alle Völker eindringlich zu wiederholen: Wo zum Krieg gerüstet wird, misstraut den Bedrohungsbeschwörungen der Politik und ihres medialen Arms!
Inzwischen mussten die Drohnenvorfälle in Leipzig als Rechtfertigung für eine scharfe Eskalation der Beziehungen Deutschlands zu Russland herhalten, obwohl im Beschuldigungsnebel der Troika Merz-Dobrindt-Wadephul keinerlei triftige Beweise auffindbar sind. Es wird wohl etwas zu bereuen geben, wenn Vernunft den Russenhass aus deutscher Politik radiert hat.

