Auf nur 128 Seiten gelingt dem Tricontinental Institute eine besondere Aufgabe: die historische Einordnung des Zweiten Weltkriegs in seiner weltweiten Dimension und mit zahlreichem Faktenmaterial, aufbereitet in vielen Grafiken. Wir drucken mit freundlicher Genehmigung des Verlags einen leicht bearbeiteten Auszug aus dem 1. Kapitel des Buches.
1933 erklärte Präsident Roosevelt, er sei „zutiefst beeindruckt von dem, was (Benito Mussolini) erreicht hat, und von seinem nachweislich ehrlichen Ziel, Italien wiederherzustellen“.
Die erste britische Strategie – selbst nachdem das Land in den Krieg eingetreten war – bestand darin, Hitler und Stalin sich gegenseitig schwächen zu lassen. Als Deutschland im September 1939 Polen überfiel, taten Britannien und Frankreich, – obwohl sie Deutschland den Krieg erklärten – nichts; der „Sitzkrieg“ dauerte acht Monate, während sie hofften, Hitler würde sich nach Osten wenden. Winston Churchills antikommunistischer Hass prägte seine Karriere. 1919 wollte er „den Bolschewismus in der Wiege erwürgen“. 1945, kaum war Hitler tot, plante er die Operation Unthinkable (Undenkbar) – den Einsatz von Wehrmacht-Verbänden, um die Sowjetunion anzugreifen.
Churchills genozidale Impulse richteten sich gleichermaßen gegen Kommunisten und kolonialisierte Völker. Seine rassistische Gewalt war grenzenlos: Er feierte das Töten von „Wilden“ bei Omdurman (1898), unterstützte Konzentrationslager, in denen 48.000 Afrikaner und Buren starben, und befürwortete den Einsatz von Giftgas gegen „unzivilisierte Stämme“ im Irak (1920). 1942, als Bengalen hungerte, sagte er zu Leo Amery, dem Staatssekretär für Indien: „Ich hasse die Inder. sie sind ein bestialisches Volk mit einer bestialischen Religion.“ Als Amery um Hilfe gegen die Hungersnot bat, entgegnete Churchill, Inder würden sich „wie Kaninchen vermehren“. Drei Millionen Inder starben, während Britannien Reis aus Bengalen ausführte. Nach Churchills Tirade über Indien schrieb Leo Amery in sein Tagebuch: „Ich konnte nicht umhin, ihm zu sagen, dass ich keinen großen Unterschied zwischen seiner und Hitlers Ansicht sah.“ Heute verehrt Britannien diesen Mann, der sich von Hitler nur durch seinen Sieg unterschied.
Die USA traten erst in den Krieg ein, als sie in Pearl Harbor (Hawaii) direkt angegriffen wurden – ein Jahrzehnt nach Beginn von Japans Krieg gegen China. Die für 1942 versprochene Zweite Front wurde erst im Juni 1944 eröffnet – 730 Tage zu spät; die Schlachten von Stalingrad (1942 bis 1943) und Kursk (1943) hatten der Wehrmacht bereits das Rückgrat gebrochen. Lange vorm D-Day hatte die Rote Armee den Mythos der deutschen Unbesiegbarkeit zerstört und die Niederlage der Nazis besiegelt. Die USA und Britannien marschierten 1944 in Kontinentaleuropa ein – zu einem Zeitpunkt, als die Sowjetunion die Niederlage Deutschlands bereits garantiert hatte –, um zu verhindern, dass die sozialistische UdSSR den gesamten Kontinent befreite und damit den Kapitalismus in Westeuropa so bedrohte wie in Osteuropa.
Die Prioritäten der USA waren klar: lieber ein faschistisches Europa als ein sozialistisches. Lieber eine japanische Vorherrschaft in Asien als Chinas Befreiung und die Ausbreitung des Sozialismus. Der Hass der Großmächte auf den Kommunismus und ihre Liebe zu ihren Kolonien wogen schwerer als ihre antifaschistischen Prinzipien.
Tricontinental Institute for Social Research:
Der Antifaschistische Weltkrieg. Wer hat die Menschheit befreit? Rekonstruktion der historischen Wahrheit
Das Neue Berlin, Berlin 2026, 128 Seiten, 10 Euro
Erhältlich im UZ-Shop








