„Wir haben die Talsohle hinter uns gelassen, die deutsche Wirtschaft wächst wieder“, verkündete Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in der vergangenen Woche. Am Dienstag kam Hilfe vom IWF. Dort rechnen die „Experten“ mit einem Wachstum in Deutschland von 1,3 Prozent. So recht setzen sich diese guten Nachrichten aber nicht durch.
Dabei trällert Reiche schon seit Längerem den alten Song des Kabarettisten Wolfgang Neuss: „Jetzt kommt das Wirtschaftswunder“. Im September etwa stotterte die Frau Ministerin die Wirtschaft auf YouTube in Schwung: „Jüngst veröffentlichte Konjunkturzahlen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus.“ Noch beruhe der Aufschwung allerdings nur auf staatlichen Investitionen, vorwiegend in der Rüstungsindustrie. Deshalb brauche es jetzt die Reformen. Ganz gefährlich wären die Verstaatlichungspläne der Linkspartei in Berlin. Eine weitere Gefahr, die auch der IWF nennt, sind die Folgen des US‑israelischen Krieges gegen den Iran. Die Wirtschaft der Industrieländer habe sich zwar widerstandsfähig gezeigt, allerdings sei dies ein Unsicherheitsfaktor.
Widerstandsfähig heißt hier, die Folgen sind weniger schlimm als befürchtet. Zumindest für die Konzerne. Für alle, die aufs Auto angewiesen sind, sieht es anders aus.
Über 100 Milliarden sind in den vergangenen Monaten in die Rüstung geflossen. Dennoch bleibt ein wirtschaftlicher Effekt aus. Für das kommende Jahr erwartet der IWF ein deutsches Wachstum von 1,1 Prozent. Im weltweiten Vergleich fällt Deutschland weiter zurück, denn dort werden 3,1 Prozent prognostiziert.
Dass die eigene Politik floppt, weiß auch Reiches Ministerium. Für 2028 erwartet man dort noch ein „Wachstum“ von 0,6 Prozent.
Doch je deutlicher das eigene Scheitern und Versagen wird, desto lauter wird geschrien. Insofern scheint Reiche auf dem richtigen Platz zu sein: wenig Kompetenz, viel lautstarke Meinung.
Wolfgang Neuss besang in den 1950er Jahren den wirtschaftlichen Aufschwung, der verbunden war mit dem Wiederaufstieg der Nazis und des Militarismus. „Jetzt schmeckt das Eisbein wieder in Aspik. / Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg.“
Reiche singt von Kriegsvorbereitung, Generalangriff und Weltmachtambitionen. Das allerdings in der Situation des wirtschaftlichen Niedergangs. Ist ja kein Wunder vor dem nächsten verlorenen Krieg.

