Zivilisten ermordet

Bei einem Drohnenangriff der US-Armee in Afghanistan vor gut zwei Wochen starben zehn Zivilisten, darunter sechs Kinder. Laut Pentagon habe der Angriff am Nachmittag des 29. August einem mutmaßlichen Attentäter des afghanischen Zweigs der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (ISIS-K) gegolten, der in einem mit Sprengstoff beladenem Auto auf dem Weg zum Flughafen in Kabul gewesen sei. Recherchen der „New York Times“ und „Washington Post“ zufolge war der Fahrer des mit einer Hellfire-Rakete abgeschossenen Toyota Corolla, Zemari Ahmadi, tatsächlich ein langjähriger Angestellter der kalifornischen Hilfsorganisation „Nutrition and Education International“. Er hatte beantragt, als Ortskraft in die USA ausgeflogen zu werden. Statt des von der US-Armee behaupteten Sprengstoffs befanden sich Wasserkanister in Ahmadis Auto. Die Rakete traf seinen Wagen, als er gerade zu Hause angekommen war und von seinen Kindern, Nichten und Neffen freudig begrüßt wurde. Das Online-Magazin „The Intercept“ hatte 2015 anhand von Geheimdienstdokumenten aufgedeckt, dass weniger als 20 Prozent der Opfer von Drohnenangriffen in Afghanistan tatsächlich „beabsichtigte Ziele“ waren.

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"Zivilisten ermordet", UZ vom 17. September 2021



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