Beitrag der Kreisgruppe Frankfurt am Main zur Diskussion in der DKP

Zu den Leitgedanken

DKP Frankfurt am Main

Vorbemerkung

Zur inhaltlichen Vorbereitung des 26. Parteitages hat der Parteivorstand zehn Leitgedanken (im Folgenden LG) vorgelegt, die den Stand der EinschĂ€tzung der Entwicklung des Imperialismus und der KrĂ€fteverhĂ€ltnisse darstellen sollen. Vielen einzelnen EinschĂ€tzungen der LG, zum Beispiel zur steigenden Kriegsgefahr, zur Rolle des Rassismus als Spaltungsinstrument gegen die Arbeiterklasse, zum Abbau demokratischer Rechte oder zur Notwendigkeit der StĂ€rkung der kommunistischen- und Arbeiterbewegung, stimmen wir zu. In der Gesamtschau bleiben aus unserer Sicht jedoch zentrale Fragen offen oder zumindest unklar. Wichtige Entwicklungen werden ungenau oder gar nicht beschrieben – an einigen Stellen beinhalten die LG zu optimistische EinschĂ€tzungen. Zur Formulierung unserer wesentlichsten EinwĂ€nde und als Beitrag zur vom Parteivorstand beschlossenen Diskussion innerhalb der Partei soll in Vorbereitung auf den 26. Parteitag folgender Text dienen. Uns ist bewusst, dass wir in diesem Papier an vielen Stellen selbst keine Antworten auf die aufgeworfenen EinwĂ€nde geben – das kann auch nicht allein Aufgabe einer Grundorganisation, sondern muss das Ergebnis einer gesamtparteilichen Diskussion sein, in die wir uns natĂŒrlich einbringen wollen. Wir begrĂŒĂŸen, dass diese Diskussion nun im Rahmen der UZ weitergefĂŒhrt werden soll, und hoffen, dass auch weitere Formen der Debatte innerhalb der gesamten Partei gefunden und organisiert werden, in die wir uns als Kreisgruppe weiterhin einbringen wollen.

1. Zur Einleitung

Bereits in der Einleitung zu den LG wird geschrieben, die DKP habe „diese Entwicklungen in den letzten Jahren genau analysiert“. Wo genau diese Analyse kollektiv festgehalten wurde, wird dabei nicht gesagt. Gerade in der EinschĂ€tzung der BRICS-Staaten aber finden sich in den LG unzulĂ€ssige Verallgemeinerungen, die eher bezeugen, dass wir als Gesamtpartei diese Entwicklung noch nicht genau genug analysiert haben – dazu unten mehr. Deshalb begrĂŒĂŸen wir die mit den LG eröffnete Diskussion um diese Fragen und wollen uns dementsprechend an ihr beteiligen. FĂŒr die weitere kollektive Diskussion halten wir es fĂŒr sehr bedeutsam, dass diese auch in der UZ gefĂŒhrt wird, damit die gesamte Partei daran mitwirken kann.

Am Ende einer solchen Diskussion sollte dann auch ein gemeinsamer Beschluss stehen. Der Parteivorstand hat sich entschlossen, die LG nur allgemein zur Diskussion und nicht beispielsweise als Leitantrag an den 26. Parteitag zu stellen. Das kann sinnvoll sein, um eine „Komma-und-Semikolon-Diskussion“ zu vermeiden und der Partei fĂŒr die Diskussion solch elementarer Fragen mehr Zeit zu geben. Das wĂŒrden wir begrĂŒĂŸen. Eine solche Diskussion mĂŒsste natĂŒrlich von allen Leitungen und Gliederungen entsprechend organisiert werden. In der Einleitung der LG wird aber davon gesprochen, dass die Politik der DKP fĂŒr die kommenden vier Jahre auf Grundlage dieser LG festgelegt werden soll. Sie werden also nicht beschlossen, sind im Nachgang aber trotzdem verbindlich. Das Festlegen der politischen Linie ist Aufgabe des höchsten Organs der Partei, des Parteitags. Das sollte auch so bleiben. Schließlich sollte die Politik unserer Partei immer erst demokratisch diskutiert, dann aber auch per Beschluss festgelegt und nicht nur per Referat der Partei verkĂŒndet werden.

2. Zu den Leitgedanken 1 bis 3

Die zentrale Analyse in LG 1, „dem US-gefĂŒhrten Imperialismus droht ein ökonomischer und politischer Hegemonieverlust“, wird nicht begrĂŒndet. Es bleibt dabei unklar, was ĂŒberhaupt genau mit Hegemonie gemeint sein soll. Gehen wir vom Hegemonie-VerstĂ€ndnis Gramscis aus, geht es dabei (neben Gewalt und Zwang) um die gesamtgesellschaftliche Zustimmung fĂŒr bestimmte Werte, Überzeugungen und Weltanschauungen einer herrschenden Klasse. Ein vermeintlicher Hegemonieverlust des Imperialismus mĂŒsste demzufolge mit einer erheblichen StĂ€rkung der weltweiten Arbeiterklasse einhergehen. Vor allem im LG 9 wird dies aber richtigerweise kontrĂ€r eingeschĂ€tzt, vor allem der deutschen Arbeiterklasse in einem der imperialistischen Zentren der Welt mangelt es an Klassenbewusstsein und Organisation. Somit stellt sich uns die Frage, woher die EinschĂ€tzung einer international gestĂ€rkten Arbeiterklasse kommt.

In der Einleitung zu den LG wird bereits festgestellt, dass sich „die internationalen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse zu Ungunsten des Imperialismus verschoben haben“, in LG 1 wird weitergehend vom „gemeinsamen Interesse an der Machterhaltung des Imperialismus“ gesprochen. Es scheint, als wĂŒrde in den LG unter dem Begriff Imperialismus ausschließlich das in sich widersprĂŒchliche, von den USA angefĂŒhrte BĂŒndnis verschiedener imperialistischer Staaten verstanden. Im Parteiprogramm definieren wir Imperialismus mit Lenin als das „monopolistische Entwicklungsstadium des Kapitalismus“. Wir mĂŒssten also die Entwicklungen der Monopole weltweit als den ökonomischen Kern und ihr KrĂ€fteverhĂ€ltnis gegenĂŒber der Arbeiterklasse untersuchen, um festzustellen, ob der Imperialismus als kapitalistisches Entwicklungsstadium im Niedergang ist. Dennoch wird in LG 1 richtigerweise eingeschĂ€tzt, dass „das gemeinsame Interesse (der verschiedenen, in der NATO zusammengeschlossenen Staaten) an der Machterhaltung des Imperialismus (
) die sich dadurch verstĂ€rkenden innerimperialistischen WidersprĂŒche“ verdeckt. Leider wird diese EinschĂ€tzung im weiteren Verlauf der LG selbst nicht konsequent durchgehalten, und an verschiedenen Stellen nur noch von einer Seite des Widerspruchs, nĂ€mlich der Unterordnung der BRD unter die USA, gesprochen, beispielsweise in LG 10. Wir sollten also genauer diskutieren, was wir unter Imperialismus verstehen: Meinen wir verschiedene Staaten und ihr außenpolitisches Agieren, vor allem im Rahmen der NATO – oder verstehen wir mit Lenin Imperialismus als ein Weltsystem des entwickelten, monopolistisch gewordenen Kapitalismus, mit seinen ihm innewohnenden, den ökonomischen WidersprĂŒchen entspringenden Drang nach (auch, aber nicht nur militĂ€rischer) Eroberung neuer AbsatzmĂ€rkte, Einflussgebiete und Rohstoffquellen?

Als Alternativen zu den vom Imperialismus genutzten Strukturen wie IWF, Weltbank und SWIFT werden in LG 1 BRICS, BRICS+ und SCO genannt – inwiefern diese als solche fungieren, wird aber nicht weiter ergrĂŒndet. Dass letztgenannte Strukturen sich jedoch nicht als Alternative zur kapitalistischen Weltwirtschaft verstehen, diese nicht sein wollen und ihr faktischer Aufstieg sich innerhalb, auf Basis und im Rahmen dieser kapitalistischen Wirtschaft vollzieht, wird in den LG hingenommen und zuweilen sogar positiv bewertet. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit (auch in den BRICS-Staaten) spielt unserer Meinung nach in diesem Teil der Analyse eine zu geringe Rolle. Die BRICS bekennen sich zu IWF und Weltbank. Dass sie diese gleichwohl reformieren wollen, auch um ihr eigenes Gewicht in ihnen zu erhöhen, Ă€ndert nichts an der grundsĂ€tzlichen Ausrichtung dieser Institutionen.

Aus den genannten EinwĂ€nden lĂ€sst sich an vielen Stellen der LG eine Tendenz ableiten, die man als Lagerdenken beschreiben könnte: Auf der einen Seite stehen die USA und die in der NATO zusammengeschlossenen imperialistischen Staaten, und auf der anderen Seite die bisher halb- oder neokolonial unterdrĂŒckten LĂ€nder, deren Zusammenschluss antiimperialistischen Charakter habe. Die WidersprĂŒche innerhalb der NATO – etwa zwischen EU und NATO oder auch zwischen Frankreich und BRD innerhalb der EU – und auf der anderen Seite jene zwischen Russland und China oder innerhalb der BRICS+ sind aus unserer Sicht unterschĂ€tzt und werden nicht im Rahmen der WidersprĂŒche der kapitalistischen Wirtschaftsordnung betrachtet.

3. Leitgedanken 4 bis 7

In den LG fehlt uns eine Herleitung des Protestpotenzials wie der Rechtsentwicklung und des reaktionĂ€ren Staatsumbaus aus dem monopolistischen Kapitalismus. Die Herausarbeitung dieses Zusammenhangs ist aber notwendig, wenn wir aktuelle Erscheinungen und Entwicklungen auf das dahinterliegende Wesen, auf ihre Ursache zurĂŒckfĂŒhren wollen. Dazu mĂŒssen wir grundsĂ€tzlich feststellen (und eine ErgĂ€nzung dessen wĂ€re in den LG hilfreich): Im monopolistischen Stadium des Kapitalismus, im Imperialismus, muss das Monopolkapital seine Sonderinteressen als allgemeines Interesse der Gesellschaft setzen, denn das Monopolkapital braucht die aktive Mitwirkung, braucht die Formierung der Gesellschaft. Das Monopolkapital verletzt durch die Durchsetzung seiner Sonderinteressen aber auch immer und stĂ€ndig die Interessen andere Klassen und Schichten. Der Monopolkapitalismus schafft deshalb gesetzmĂ€ĂŸig Protestpotenzial, das umgelenkt werden muss. Durch den tendenziellen Fall der Profitrate, durch die Krisenerscheinungen des Kapitalismus werden die SpielrĂ€ume fĂŒr die Integration durch ZugestĂ€ndnisse aber tendenziell kleiner, die WidersprĂŒche werden sichtbarer, auch LĂŒge, Betrug und Umschmeicheln reichen nicht aus. Dies ist konkret auf die aktuelle Verfasstheit des deutschen Imperialismus, auf die Situation in Deutschland, vor dem Hintergrund des relativen wirtschaftlichen Abstiegs, der andauernden Krise (die Krise 2008 wurde nicht einmal im kapitalistischen Sinne „gelöst“, die aktuelle Diskussion um AbwrackprĂ€mie, die Massenentlassungen etc. sind Symptome), der Kriegsvorbereitung gegen China und Russland anzuwenden.

Der reaktionĂ€re Staatsumbau, Repression und Abbau demokratischer Rechte sind die Antwort des Kapitals auf die Krise der Integration, die sich u. a. in der Krise der bĂŒrgerlichen Parteien zeigt. Dieser Lösungsversuch bringt aber wieder neues Protestpotenzial hervor. Auf dieser Grundlage mĂŒssen wir die Formierung der Gesellschaft im Sinne des Monopolkapitals analysieren. Dort, wo die Formierung nicht so reibungslos funktioniert, können wir am besten ansetzen.

Unsauber ist in diesem Zusammenhang die Formulierung, dass „große Teile der Bevölkerung (
) zu einem gegen die AfD gerichteten vermeintlichen ‚Antifaschismus‘“ (LG 6) formiert wurden. Denn tatsĂ€chlich gegen die AfD, also gegen die Partei, die eine Partei im Interesse des Monopolkapitals ist, wurde ja gerade kein Bewusstsein geschaffen, wie durch den nachfolgenden Halbsatz angedeutet wird. OberflĂ€chlich betrachtet gab es Mobilisierung gegen die AfD, objektiv (und im Unterschied zum subjektiven Wollen vieler der Beteiligten) ist das Wesen der Mobilisierung aber nicht der Kampf gegen die AfD, sondern die UnterstĂŒtzung der Regierungspolitik, damit UnterstĂŒtzung des Monopolkapitals, und damit Vollzug und BestĂ€tigung der Formierung.

Genauer werden mĂŒssten wir auch, inwiefern der breite gesellschaftliche Konsens „hinsichtlich ihrer militaristischen und demokratiefeindlichen Politik“ ein scheinbarer Konsens ist (LG 5). Umfragen ergeben teilweise ein widersprĂŒchliches Bild.

Eine Einordnung der AfD wie anderer „Oppositionsparteien“ („Linke“ und BSW) fehlt. Wir wissen, dass es nicht reicht, eine Partei nach ihren Haltungen, programmatischen Aussagen etc. zu beurteilen, uns muss es vor allem darum gehen, ihre Funktion fĂŒr die Herrschaft des Monopolkapitals zu erkennen, und dann auch Demagogie zu entlarven. Offen bleibt unsere Haltung in der gerade fĂŒr diese Parteien wichtigen Migrationsfrage. Hier ließe sich auf Positionen aus den Jahren 2015 ff. zurĂŒckgreifen („Unsere Willkommenskultur heißt gemeinsam kĂ€mpfen“ und das Aktionsprogramm, das die gemeinsamen Interessen von WerktĂ€tigen und GeflĂŒchteten herausarbeitete). Ebenso fehlt eine EinschĂ€tzung der faschistischen Bewegung im Rahmen der allgemeinen Rechtsentwicklung, wĂ€hrend LG 7 mit sehr grundsĂ€tzlichen EinschĂ€tzungen zum Faschismus an der Macht zwar viel Richtiges festhĂ€lt, aber die drĂ€ngenden Fragen, wie akut die Faschismusgefahr ist, welche Rolle die AfD spielt oder spielen könnte, offenlĂ€sst.

4. Leitgedanken 8 bis 10

Es ist sicher nicht so gemeint, aber die Arbeiterklasse erscheint in den LG teilweise als vollstĂ€ndig in den Kriegskurs integriert, so beispielsweise in LG 9, der den Titel „Zustand der Arbeiterklasse – wenig Klassenbewusstsein, schlecht organisiert“ trĂ€gt. In LG 8 werden die KrĂ€fte des Widerstands eher in verschiedenen sozialen Bewegungen erkannt, wenngleich WidersprĂŒche teilweise an anderen Stellen erwĂ€hnt werden. Oppositionelle Politik in den Gewerkschaften wird nur in Hinblick auf eine (Ohne Zweifel extrem wichtige!) antimilitaristische Initiative beschrieben. Gewerkschaften scheinen als etwas von der Kommunistischen Partei Getrenntes, „die“ machen das „KerngeschĂ€ft“, „wir“ mĂŒssen uns um die oppositionelle Friedenspolitik kĂŒmmern. Beides wĂ€re ein falsches VerstĂ€ndnis.

Die Aussage, dass „die Widerspruchsverarbeitung nur im Rahmen der Ideologie des Imperialismus statt(findet)“, ist eine zu absolute Aussage, die zwar auf die richtige Erkenntnis verweist, dass Klassenbewusstsein nicht spontan entsteht, die WidersprĂŒche, an denen wir besonders gut anknĂŒpfen können, wo die Formierung nicht so gut gelingt, aber damit gerade nicht in den Fokus stellt und außen vorlĂ€sst, dass das Bewusstsein der Menschen immer von einer widerspruchsvollen Mischung aus proletarischen und bĂŒrgerlichen Inhalten geprĂ€gt ist. So können wir beispielsweise feststellen, dass die Einbindung der Menschen in die Politik gegenĂŒber Russland nach Umfragen nur bedingt gelingt und insgesamt schwĂ€chelt. In den LG kommt die Arbeiterklasse insgesamt im Urteil ihrer ‚Avantgarde‘ eher schlecht weg.

Ein ganz wesentlicher weiterer Punkt ist die sich deutlich zeigende ökonomische Krise, die seit mindestens 2019 anhĂ€lt, wobei die Krise von 2008 ff. noch immer nicht ĂŒberwunden ist. Diese Krise ist einerseits eine wichtige tiefere Ursache der Kriegspolitik. Andererseits ist sie ein wesentlicher Grund fĂŒr die angekĂŒndigten massiven Stellenstreichungen bei vielen Monopolkonzernen in der BRD, die ÜbernahmekĂ€mpfe wie z. B. bei der Commerzbank, die massive Angriffe auf die BeschĂ€ftigten sind (auch auf die Stammbelegschaften und auch auf diejenigen, die den Erhalt ihres Arbeitsplatzes mit Lohnverzicht erkaufen), die aber auch den Widerstand der Arbeiterklasse hervorrufen werden. Die Antworten der Gewerkschaften sind insgesamt sozialpartnerschaftlich, teilweise fordern sie massive Investitionsprogramme fĂŒr Unternehmen (wie die IGM mit der UnterstĂŒtzung der AbwrackprĂ€mie) und stimmen Personalabbau zu. Vielerorts gibt es aber auch Widerstand. Hier wĂ€re es notwendig, diese fĂŒr die Arbeiterklasse in Deutschland wesentlichen Entwicklungen im Rahmen der LG einzuschĂ€tzen und unsere Rolle und Aufgabe zu bestimmen.

Unsere deutlichste Kritik besteht an der nachfolgenden Formulierung: „Wir sehen derzeit weder Regierungs- noch parlamentarische Konstellationen, die eine Chance auf die Abkehr von der aggressiven Politik des deutschen Imperialismus nach außen und innen beinhalten. Es folgt aus unserer Sicht zwingend, dass nur durch eine außerparlamentarische Bewegung, die dann möglicherweise auch das Parteiensystem verĂ€ndert und neue Regierungskonstellationen ermöglicht, eine Umkehr des heutigen, verheerenden Kurses möglich ist.

Wenn wir fĂŒr einen Wechsel in der gegenwĂ€rtigen Politikausrichtung Deutschlands eintreten – weg von der Unterordnung unter die Interessen des US-Imperialismus und hin zu einer konstruktiven Mitarbeit an der Neugestaltung der internationalen Beziehungen –, so verkennen wir nicht, dass dieser Wechsel innerhalb des kapitalistischen Systems stattfinden wĂŒrde, jedoch auch die Bedingungen fĂŒr den Kampf der Klasse verbessern wĂŒrde.“ (LG 10). Der Absatz legt nahe, dass wir als DKP unter kapitalistisch-imperialistischen Bedingungen in Deutschland eine parlamentarische Konstellation fĂŒr möglich halten, die eine andere, friedlichere Politik des Imperialismus ermöglicht. Wir meinen stattdessen: Es sind die Arbeiter- und Friedensbewegung, die gegen jedwede Regierung Frieden erzwingen können, wie in der Novemberrevolution, und dafĂŒr mĂŒssen wir kĂ€mpfen, aber nicht durch Hoffnung auf eine Regierungskoalition. Ein grundsĂ€tzlicher Wechsel in der „Politikausrichtung“ ist in einem der am höchsten entwickelten kapitalistischen Staaten wie in Deutschland nur dann möglich, wenn die Arbeiterklasse ZugestĂ€ndnisse erzwingt – denn der Staat ist im Imperialismus notwendigerweise Staat des Monopolkapitals. Folglich kann ein imperialistisches Land nicht einfach konstruktiv an der „Neugestaltung der internationalen Beziehungen“ mitwirken (an dieser Stelle halten wir auch die Formulierung der „Unterordnung unter die Interessen des US-Imperialismus“ fĂŒr unsauber, die die Eigeninteressen Deutschlands gerade nicht berĂŒcksichtigt, dies wird an anderer Stelle in den LG besser beschrieben). Insgesamt fehlt uns eine klare Benennung der Klasseninteressen: FĂŒr wen ist der aktuelle Kurs der Regierung verheerend? Auch eine andere Regierungskonstellation wĂŒrde nur dann eine friedlichere Politik machen, wenn es eine starke außerparlamentarische Bewegung mit einer starken Arbeiterbewegung als Kern gĂ€be. Diese starke Arbeiterbewegung wird sich unserer Meinung zuvorderst in den ökonomischen KĂ€mpfen der Klasse bilden lassen. Zuletzt fehlt uns eine genauere Benennung unserer Aufgaben als Kommunistische Partei heute.

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