Eine filmische Dokumentation zu Gaza macht Furore: „Naza“. Der Titel ist abgeleitet von „Nezek Agavi“ dem hebräischen Ausdruck für „Kollateralschaden“. In Israel trifft der Film auf Widerstand, der weit über die israelische Rechte in Politik und Medien hinausgeht.
In Deutschland kennen wir den Begriff „Nestbeschmutzer“ – so wurden laut Wikipedia nach dem Krieg Personen bezeichnet, die Kritik an der Nazivergangenheit hochstehender Beamter und Politiker übten. Die Beschimpfung als „Nestbeschmutzer“ reicht den rechtsstehenden Politikern und ihren Anhängern in Israel bei Weitem nicht aus, wenn es um Rachel Szor und ihren Kollegen Yuval Abraham geht. Die beiden Regisseure der Dokumentation werden in Israel mit der Ausbürgerung bedroht, von Extremisten gibt es Todesdrohungen. „Hängt sie“ ist die Parole dieser Fanatiker.
Rachel Szor und Yuval Abraham haben etwas getan, was die Regierung und große Teile der israelischen Gesellschaft nicht akzeptieren wollen. Sie haben in ihrer Dokumentation „Naza“ Militärs und Geheimdienstmitarbeiter zu Wort kommen lassen, die die Ermordung von palästinensischen Zivilisten in Gaza durch das israelische Militär beschreiben. Der israelische Kulturminister Miki Zohar schreibt auf X vom „vernichtenden Selbsthass der Regisseure, die bereit sind, ihrem Heimatland zu schaden, nur um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu ernten“. Das sei unvorstellbar und stelle einen Verrat am Staat dar. Es ist kein „Selbsthass“ der beiden, sondern der Hass auf die Verbrechen des israelischen Militärs. Und es ist eine Schande, vom Beifall von Antisemiten zu sprechen.
Viele Israelis – nach einer Umfrage sind es 68 Prozent – „glauben nicht“, dass die Vorwürfe des Films zu Recht bestehen. Doch es ist keine Frage „des Glaubens“. Zehntausende Tote in Gaza legen Zeugnis ab für die Verbrechen des israelischen Militärs. Wer Augen hat, zu sehen, kann den Aussagen des Films nicht widersprechen.
Netanjahu spricht von Verunglimpfung, fordert die Ausbürgerung und eine massive Verschärfung von Geldstrafen wegen „Verunglimpfung der Armee“. Viele israelische Filmemacher und Menschenrechtsorganisationen unterstützen Rachel Szor und Yuval Abraham. Wir bewundern den Mut derer, die an diesem Film beteiligt waren und ihre Verfolgung in Kauf nehmen. Mit ihrer Arbeit machen sie es unmöglich zu sagen, „Wir haben das nicht gewusst.“

