Der Massenmord war die Konsequenz aus dem Verbrechen als Herrschaftssystem

Auschwitz – das Mordsgeschäft

Am 27. Januar befreiten sowjetische Truppen die rund 8.000 überlebenden Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz, des größten Vernichtungslagers des deutschen Faschismus. Eine Million Menschen starben vorher in Auschwitz, die meisten von ihnen waren Juden.

Am 6. Dezember 2019 besuchte Bundeskanzlerin Merkel die Gedenkstätte. Zu Recht wies sie darauf hin, dass Schweigen nicht die einzige Antwort sein darf. Deutschland sei verpflichtet, die Erinnerung an die damaligen Verbrechen wach zu halten. Aber: Wo Verbrechen sind, gibt es auch Täter – und Motive! Warum spricht man nicht auch darüber?!

Mord nach Plan

Die barbarische Ausrottung und Versklavung ganzer Völker war von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil der faschistischen Ideologie und der Kriegsführung des deutschen Imperialismus und Militarismus. Als die Faschisten 1933 die Macht übernahmen, wurde ihnen eine zusätzliche Waffe in die Hände gelegt, die Macht des Staates und seiner Institutionen. Und sie nutzten sie brutal – von Verordnungen und Polizei im Inneren bis zur Kriegsführung nach außen. Das Verbrechen war von vornherein geplant. Die Monopole kannten die Pläne und gaben bewusst ihr Einverständnis und Geld. Die Pläne wurden gemeinschaftlich und systematisch durchgesetzt.

1933 begann mit Gewalttätigkeiten und Angriffen auf Kommunisten (Reichstagsbrand) und es gab die Reichspogromnacht 1938, als die Synagogen brannten. Beamte des faschistischen Regimes und SS-Offiziere beschlossen auf der sogenannten „Wannseekonferenz“ im Januar 1942 die „Endlösung der Judenfrage“ und damit die Ermordung von 11 Millionen jüdischer Bürger aus 27 (!) europäischen Staaten.
Gleichzeitig stellten die Faschisten den sogenannten „Generalplan Ost“ auf, die Planung für die „Germanisierung“ und Kolonisierung der europäischen Länder. Es war ein sorgfältig geplanter Rassen- und Völkermord im Namen des Profits für das große Kapital, der die Ausmaße der Unmenschlichkeit und Barbarei des deutschen Imperialismus und Militarismus deutlich macht.

Das Kapital war dabei

Anlässlich der Ernennung Himmlers zum Reichsinnenminister schrieb ihm der Bankier von Schröder am 27. 8. 1943: „Seien Sie versichert, dass wir immer und jederzeit alles tun werden, was in unseren Kräften steht, wenn wir Ihnen behilflich sein können.“ Nebenbei erwähnt er, dass der „Freundeskreis“ des Ministers ihm „wieder“ eine Million Reichsmark zur Verfügung gestellt hat.

Ende Februar 1941 beginnt der systematische Einsatz von KZ-Häftlingen in Monopolbetrieben. Als erster Konzern erhielt die IG Farbenindustrie AG die Genehmigung zum Einsatz von KZ-Häftlingen aus Auschwitz, nachdem, wie vor dem Krieg geplant, Häftlinge vorwiegend in Betrieben eingesetzt werden sollten, die der SS gehörten. Der Masseneinsatz von KZ-Häftlingen erreicht 1943/44 seinen Höhepunkt. Fast alle großen Konzerne haben KZ-Außenkommandos in ihren Betrieben.

Im September 1941 beginnen die Faschisten in Auschwitz mit der Vernichtung von Menschenleben durch Gas. 600 sowjetische Kriegsgefangene und 250 kranke Häftlinge werden „im Probedurchgang“ mit Zyklon B – einem Produkt der IG Farben – ermordet. Das ist der Auftakt zum Massenmord in Auschwitz! Die Mordaktionen finden mehrmals in der Woche statt, ab Juni 1942 wird fast täglich vergast. Mit Gas werden etwa 6 Millionen Menschen getötet.

In den Lagern und in ihrer Umgebung wird unter lebensgefährlichen Bedingungen zunehmend auch Widerstand organisiert. Dabei ragt der bewaffnete Aufstand im Warschauer Ghetto heraus. Im Mai 1942 ist im Warschauer Ghetto der Antifaschistische Block geschaffen worden. Gleichzeitig sind Einheiten der Volksgarde entstanden, die sich im November mit anderen Gruppen zur Jüdischen Kampforganisation vereinigt haben. Diese ruft am 19. April 1943 zum Kampf auf, als die Faschisten die Bewohner des Ghettos in die Vernichtungslager deportieren wollen. Trotz überlegener Stärke, Bewaffnung und grausamen Vorgehens gelingt es den Faschisten erst am 16. Mai, den Aufstand niederzuschlagen.

Zum Nachdenken

Es begann damit, dass Großkapital und Militaristen in der Weimarer Republik, die einerseits ihre Ziele nicht aufgeben wollten und andererseits die Fruchtlosigkeit aller bis dahin praktizierten Unterdrückungsmaßnahmen erkannten, mit der Errichtung des faschistischen Regimes den Schritt gingen, von dem sie glaubten, dass er der Ausweg ist. Sie errichteten ein System, welches das Verbrechen zum Herrschaftsprinzip erhob. Das gleiche System wollten sie auf die überfallenen Staaten und Völker übertragen.

Der Holocaustwar die grauenvollste Konsequenz aus dieser gesellschaftlichen, politischen und geistig-kulturellen Entwicklung in Deutschland.

Lehren daraus zu ziehen, heißt, jeder Abschwächung des kriminellen Charakters der begangenen Verbrechen und dem Verschweigen der Täter und ihrer Motive entgegenzuwirken. Die Erkenntnis der Ursachen und des Weges, die zur Errichtung des faschistischen Regimes geführt haben, bleibt ein dringendes Erfordernis für den Kampf um demokratische Verhältnisse auch in der Gegenwart.

Die Verbrechen haben mit der Vernichtung der Grundrechte ihren Anfang genommen. Wer den Anfängen wehren will, muss sich mit aller Konsequenz für die politischen und demokratischen Freiheiten, für die Erhaltung der sozialen Kraft des Volkes und gegen jeden Versuch wenden, die Vergangenheit zur Gegenwart werden zu lassen.

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"Auschwitz – das Mordsgeschäft", UZ vom 24. Januar 2020



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