Engels – kein Marx-Anhängsel

Der Cotton-Lord

Lars Thiede

Ende Oktober 2020 stellte Prof. Dr. Michael Krätke sein neues Buch: „Friedrich Engels oder: Wie ein Cotton-Lord den Marxismus erfand“ in Stuttgart vor.

Mutmaßlich hatten die meisten Teilnehmenden schon das eine oder andere über Engels gehört oder gelesen. Dennoch war in der Darstellung von Engels’ Werk und Denken, seinen biographischen Stationen und seinem zeithistorischen Einfluss einiges Neues und viel Interessantes dabei.

Erfrischend war hierbei, dass der Referent die sicherlich amüsanten biographischen Anekdoten nur am Rand streifte und den Blickwinkel immer wieder auf das literarische Werk und den politischen Kontext von Engels’ Schriften lenkte. Engels wurde im Vortrag als individuell handelnde Person mit eigener Biographie (eben als „Cotton-Lord“) und eigenen inhaltlichen Schwerpunkten dargestellt. Mehr als „nur“ die zweite Hälfte der Entität Marx-Engels.

Der Einblick in die soziale Situation Englands aufgrund seiner Arbeit in der Baumwollindustrie, sein starkes Interesse an Geschichte und insbesondere militärgeschichtlichen Abläufen, seine Tätigkeit als „Ein-Mann-Zentrale“ der Internationale, seine Arbeit sowohl als Autor wie auch als Herausgeber, alles Facetten von Friedrich Engels, die Michael Krätke in seinem Vortrag plastisch und überzeugend herausgearbeitet hat.

Friedrich Engels oder: Wie ein Cotton-Lord den Marxismus erfand
Dietz-Verlag Berlin
200 Seiten, 12 Euro

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"Der Cotton-Lord", UZ vom 20. November 2020



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