Der beste deutsche Basketballer wird 40

Er braucht das Geld nicht

Von Friedhelm Vermeulen

Ein Bein in der Luft und in Rückwärtslage werfen: Der „Flamingo Shot“

Ein Bein in der Luft und in Rückwärtslage werfen: Der „Flamingo Shot“

( Keith Allison / Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Dirk Nowitzki ist eine ungewöhnliche Persönlichkeit des US-amerikanischen Profisports. Seit 20 Jahren spielt er im gleichen Team, bei den Dallas Mavericks, während seine Kollegen teilweise während einer Saison mehrmals den Verein wechseln. Er verzichtete auf Millionengagen, um dem Besitzer der Mavericks den Kauf besserer Spieler zu ermöglichen.

2011 holte er mit den Mavericks den NBA-Titel. Mit Lob und Ehrungen scheint er nichts anfangen zu können. Er ist derzeit mit über 31 000 Punkten auf der Top-Scorer-Liste der NBA-Geschichte auf Platz 6, mit einer weiteren Saison könnte er die Legende Wilt Chamberlain überholen. Darauf angesprochen gibt er nur zu bedenken, dass er in den 20 Jahren, die er in der NBA aktiv ist, kaum verletzt war und deshalb mehr spielen konnte als andere. Als Kareem Abdul-Jabbar ihn einmal abschätzig als „one trick pony“ bezeichnete, weil er allein seinen schwer zu verteidigenden „Flamingo Shot“ vorweisen könne, antwortete Nowitzki gelassen, er wolle sich nicht mit dem besten Scorer aller Zeiten anlegen. Zwar teile er Abdul-Jabbars Meinung nicht, aber irgendwie sei ja auch was dran.

Nowitzki hat den Ruf, auch mit Geld nicht viel anfangen zu können. Seine Mutter Helga Nowitzki steckte ihm, auch als er schon zum Basketball-Millionär geworden war, immer Taschengeld zu, wenn er sich zu Besuch in Deutschland befand. Bei einem Besuch in Dallas soll sie zu Beginn seiner NBA-Karriere seine Fan-Post sortiert und dabei die Gehaltsschecks seines Vereins gefunden haben. Dirk Nowitzki brauchte das Geld nicht, der Verein kümmerte sich um Kost und Logis.

Auch mit Agenten, die ihm lukrativere Werbeverträge hätten vermitteln können, wurde er nicht warm. Sein Mentor Holger Geschwindner und er luden einige zum Vorstellungsgespräch und entschieden anschließend, dass sie mit solchen Vögeln nichts zu tun haben sollten.

Holger Geschwindner selbst wurde 2006 vom deutschen Fiskus beschuldigt, sein Beratergehalt nicht angegeben und Steuern in der Höhe von drei Millionen Euro hinterzogen zu haben. Grundlage war ein Vertrag, den Geschwindner und Nowitzki zum Beginn seiner Karriere abgeschlossen hatten. Darin war festgelegt worden, dass Geschwindner mit 20 Prozent an den Einkünften Nowitzkis beteiligt wird. Beide behaupteten, dass die vereinbarten Zahlungen ausblieben. Der Vertrag sei nie aktiviert worden und hätte nur dem Schutz Nowitzkis gedient. Letztlich zahlte Nowitzki ohne mit der Wimper zu zucken 15 Millionen Kaution für Geschwindner, er hatte es ja eh nur rumliegen.

Dieses Jahr im Herbst startet für Nowitzki wohl seine letzte Saison. Mit 41 ist er für sein Team zwar immer noch ein wichtiger Spieler, aber auch nur, weil die Mavericks derzeit zu den schlechtesten Teams der NBA gehören. Zwar punktet Nowitzki immer noch regelmäßig im unteren zweistelligen Bereich, in der Verteidigung ist er aber zur Last geworden. Jungen und schnellen Spielern kann er nur noch beim Vorbeiziehen zugucken, manchmal helfen ihm noch seine schnellen Hände. In den USA – und vor allem in Dallas – gehört er aber immer noch zu den beliebtesten Spielern, auch und gerade wegen seiner Zurückhaltung, seiner Bescheidenheit und weil er es sich leisten kann, Geld keine Bedeutung beizumessen.

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"Er braucht das Geld nicht", UZ vom 22. Juni 2018



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