„Westart“-Moderatorin und Ines Geipel lügen über Buchenwald

So geht Stichwortgeben

Hurra, der Frühling ist da! Jedes Jahr freut man sich ein Loch in den Bauch, dass der dunkle Winter endlich von dannen zieht. Doch dann fällt einem wieder ein, was in dieser doch eigentlich schönen Jahreszeit hinter dem Sonnenschein lauert: Pollen, Niesattacken, mindestens ein Rückfall in die Eiszeit, in dem man im dünnen Jäckchen fast am Bahnsteig erfriert. Und dann, wenn gerade neben der niedlichen taumelnden Hummel die erste Wespe aggressiv durchs Fenster kommt, das Schlimmste von allem: die jährliche Verleumdungskampagne gegen die Selbstbefreiung von Buchenwald.

Der Hass der Kriegsverlierer gegen die Kommunisten, die Angst vor ihnen, sitzt so tief, dass in jedem April wieder die Propagandamaschinerie angeschmissen werden muss: Keine Selbstbefreiung und wenn überhaupt, waren die organisierten Kommunisten in Buchenwald Verbrecher – ganz im Sinne des Lügenmärchens von den „zwei deutschen Diktaturen“.

In diesem Jahr hat sich eine besondere Protagonistin zur Vorkämpferin der antikommunistischen Propaganda erklärt. Und sie ist in diesem Fach keine unbekannte.

Ines Geipel war schon so einiges in ihrem Leben: Sie nervte als Professorin für Deutsche Verskunst die Studenten an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, publizierte zahlreiche Bücher, gründete das „Archiv der unterdrückten Literatur der DDR“ (die Veröffentlichung der Texte unter dem Reihentitel „Die Verschwiegene Bibliothek“ endete jedoch nach nur 10 Bänden) und war Vorsitzende des „Doping-Opfer-Hilfevereins“. Stets unterwegs im Namen des Antikommunismus. Dabei waren und sind ihr alle Mittel recht. Die „taz“ weiß daher über Geipel zu berichten: „Mit der Wahrheit nimmt es DDR-Leistungssportlerin und Anti-Doping-Kämpferin Ines Geipel nicht genau. Kritiker werden diskreditiert.“ Eine MDR-Dokumentation zeichnet nach, wie sie die Zahlen angeblicher Dopingopfer in der DDR immer weiter nach oben gefälscht hat und gegen Kritiker vorgegangen ist. Doch in den Redaktionen des bürgerlichen Feuilletons hat Geipel von „Frankfurter Rundschau“ bis „Deutschlandfunk“ Freunde. Anders ist es nicht zu erklären, dass man ein Sachbuch einer Frau, die durch die Fälschung von Tatsachen aufgefallen ist, so kritiklos in den Mittelpunkt stellt.

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Besonders unangenehm machte das Claudia Dichter in der Sendung „Westart“ des WDR am 10. April. Andächtig, so kann man hören, hängt die Moderatorin Geipel an den Lippen, während diese die Werbetrommel für ihr neues Buch „Landschaft ohne Zeugen“ rührt – und die Antikommunismustrommel dazu. Denn nach diesem Buch ist Geipel Buchenwald-Expertin.

Das ist an Widerlichkeit kaum zu überbieten. „Wir erleben: Gedächtnispolitik ist harter Kulturkampf“, trompetet Geipel da ins Mikro – um dann zu präsentieren, was ihre Form von Gedächtnispolitik ist. „Die DDR ist im Grunde ohne Buchenwald gar nicht zu denken“, verkündet Geipel. „Buchenwald ist so was wie die idealisierte Gesellschaftshaut dieser Diktatur und es war der zentrale Initiationsort. Jugendliche wurden dort staatsgeweiht … auch NVA-Leute … mussten da auf den Berg und mussten den Knicks vor diesem Staat machen.“ Falls sich nun jemand fragt, was eine Gesellschaftshaut ist oder eine Staatsweihung, da hat Geipel eine Erklärung für die in der BRD Aufgewachsenen: „Das kann man sich für den Westen vorstellen wie so was wie Katholizismus.“

Sie schwafelt vom „Opferkollektiv Ost“, von „Kommunisten als Helden und Opfer“ und versteigt sich zu der steilen, von DDR-Hassern immer gern vorgetragenen These, der Widerstand der Kommunisten, die Selbstbefreiung Buchenwalds sei „eine reine Entlastungslegende, die mit der Realität des Lagers nicht viel zu tun hat“.

Noch schlimmer als die für Anti-DDR-Propaganda bezahlte Geipel ist allerdings Moderatorin Claudia Dichter: „Sie zeigen ja in dem Buch auf, wie kommunistische Kapos ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut haben, wie die für die SS gearbeitet haben, wie die gemordet haben, wie auch unliebsame politische Gegner eliminiert wurden“, haucht sie mit der Faszination einer True-Crime-Hörerin mit Faible für die blutigsten Serienmorde und zeigt sich besorgt um den Zustand von Geipel, die ja nun all dieses Wissen mit sich rumschleppen muss. „Es ist ein hartes, ein dunkles Wissen“, nimmt diese den Staffelstab gern an. „Aber mir lag daran … auch nochmal die Vielheit, die Vielfalt der Opfer und die Vielfalt der Täter in den Blick zu nehmen … qua der Quellen.“ Welche Quellen das sind, verraten in dem Interview weder Autorin noch Moderatorin, nur, dass sie aus „Stasi-Archiven“ kommen und im Buch vorhanden sind.

Das knapp achtminütige Interview endet mit verbrecherischen Verleumdungen: Dass ein Drittel der 56.000 Toten von Buchenwald zwischen Januar und April 1945 starben, lag an den mordlustigen Kommunisten. Die hätten mit Todesspritzen politische Gegner eliminiert. Das findet Moderatorin Dichter nicht hinterfragenswert. Warum auch, das würde doch die schöne Propaganda stören. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – das gilt in den deutschen Medien nicht für Antikommunisten wie Ines Geipel.

Wer wissen möchte, was in Buchenwald wirklich geschehen ist und wem der Kulturkampf um die Gedenkpolitik nutzen soll, lese bei Emil Carlebach nach. Oder in den UZs vom 10. und 17. April.

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"So geht Stichwortgeben", UZ vom 1. Mai 2026



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