Basketball-EM in Finnland, Israel, Rumänien und Türkei endet an diesem Wochenende

Lang, schnell und treffsicher von außen

Von Friedhelm Vermeulen

Richtige Vorfreude auf ein Spiel, auf ein sportliches Ereignis, auch noch ein Länderspiel unter Beteiligung einer deutschen „Nationalmannschaft“, habe ich schon lange nicht mehr empfunden. Obwohl es sich hier nicht um Fußball, sondern um gepflegten Ballsport handelt – Basketball eben.

Aber die Europameisterschaft hat sich als spannend erwiesen und deshalb sind die noch ausstehenden Finalspiele fest in meinem Terminkalender eingetragen.

Das Schöne an der EM ist, dass Basketball in Europa als Teamsport gespielt wird, anders als in der US-Liga NBA, wo die Spielzüge meist auf wenige Stars zugeschnitten sind. Verschiedene europäische Teams haben es in kürzester Zeit und pünktlich zum Turnierstart geschafft, ein attraktives Teamplay zu entwickeln. Obwohl gerade die besten Spieler – die oftmals bei der NBA unter Vertrag sind – erst wenige Tage vor der EM von ihren Vereinen „freigegeben“ wurden und deshalb kaum mit ihren Kollegen trainieren konnten.

Dies trifft auf Daniel Theis zu, erster Center bei den Deutschen und in der nächsten Saison bei den Boston Celtics unter Vertrag. Auch Aufbauspieler Dennis Schröder, der einzige Star des deutschen Teams, musste in der Vorbereitungsphase noch das ein oder andere NBA-Promo-Event für seinen Arbeitgeber absolvieren.

Schröder und Theis aber sind – wider allen Erwartungen besonders was Schröder betrifft – auch in der Nationalmannschaft zu Teamplayern herangewachsen. Coach Chris Fleming hat zwar schon andere Wunder verbracht, z. B. in seinen sechs Jahren, die er im niedersächsischen Kaff Quakenbrück als Spieler verbrachte, an die er dann noch einmal acht als Trainer dran hängte – in dieser Zeit holten die „Artland Dragons“ einen Vizemeister-Titel und einen Titel als Pokalsieger. Aber das Zusammenspiel der individuellen Spieler-Fähigkeiten im Achtelfinale gegen das favorisierte Team aus Frankreich war dann schon erstaunlich. So ist Dennis Schröder zwar der wichtigste Spieler im deutschen Team, Fleming gönnt ihm aber relativ lange Pausen auf der Bank, um die Intensität seines Spiels hoch zu halten. Denn Schröders Spiel lebt davon, dass er das Spiel schnell macht, richtig schnell. Dieses Tempo müssen letztendlich alle mitlaufen, um der Verteidigung nicht zu erlauben, sich auf Schröder zu konzentrieren. Schröder wiederum hat gelernt, die Mitspieler mit ordentlichen Pässen zu versorgen, und somit die Freiräume auszunutzen, die sein Antritt den anderen verschafft.

Anders bei der EM 2015, wo Schröder mit Dirk Nowitzki als Passempfänger so gar nichts anfangen konnte, und Spielübersicht (Nowitzki) auf Schnelligkeit (Schröder) traf und zu Chaos führte, passt derzeit scheinbar alles zusammen. Das liegt u. a. daran, dass die jungen Langen immer wendiger werden und zudem außerhalb der 3-Punkte-Linie erfolgreich Würfe absetzen. Ob ein Center-Typ wie Theis im Viertelfinale allerdings gegen die Gasol-Brüder Pau und Marc auch unter dem Korb bestehen kann (das Viertelfinal-Spiel gegen Spanien hat am Dienstagabend nach Redaktionsschluss stattgefunden) darf bezweifelt werden. Es wird aber wohl das letzte große Turnier der Spanier sein, die gefühlt seit Jahrzehnten in immer gleicher Aufstellung bei internationalen Wettbewerben auftreten.

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"Lang, schnell und treffsicher von außen", UZ vom 15. September 2017



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