„Boris Pistorius. Aufbruch“. So heißt die Ausstellung, die nicht im Bundesministerium der Verteidigung gezeigt wird, sondern in der zentral gelegenen „Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften“. Boris Pistorius in großen, oft lebensgroßen Fotos, beispielsweise mit Friedrich Merz, mit Olaf Scholz, Lars Klingbeil oder dem französischen Ministerpräsidenten Sébastien Lecornu. Steigt man die breite Treppe hoch, die ins erste Obergeschoss des Akademiegebäudes am Gendarmenmarkt führt, sieht man ein riesiges Foto im Querformat von Boris Pistorius zwischen seinen Brüdern im Stadion des VfL Osnabrück, seiner Heimatstadt: Jeder stößt lachend einen Fußball an. Auf diesem Foto ist Pistorius voll in Bewegung, während er sonst sitzt, steht oder ruhig schreitet.
Wir sehen ihn auch mit seiner Ehefrau, beide glücklich lächelnd; ihn sehen wir am Schreibtisch seines Büros im Verteidigungsministerium; zum feierlichen Gelöbnis von Soldaten; auf der Gangway eines Militärflugzeuges in Lielvärde (Lettland); im Halbprofil vor einem Panzer, nachdenklich in die Ferne blickend; beim „Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoff“ neben einer Drohne; zu Besuch beim Präsidenten der Region Kurdistan-Irak und im dortigen multinationalen Camp der Hauptstadt Erbil. In Erfurt spricht er vor Kompaniechefs. Während einer Übung der Münchener Sanitätsakademie steht er neben zwei Soldaten, die einen Toten ziehen, dargestellt von einer Attrappe. Ein Foto präsentiert ihn neben einem altehrwürdigen Gemälde, das, so die Inschrift, einen Pistorius darstellt. Das Original hängt im Rathaus von Osnabrück.
Meist zeigt sich der Minister in schwarzem Anzug und weißem Hemd, Hemdkragen und Jacke leger geöffnet, bei offiziellen Anlässen auch mit Krawatte. Manchmal trägt er die beim Militär übliche Tarnjacke, beispielsweise während der Übung Grand Quadriga in Litauen, wenn er im Panzer sitzt.
Es gibt keine Beschriftungen, nur eine Liste auf jeder Etage mit ganz knappen Angaben. Diese Liste können wir aber nicht mitnehmen, sehen also Bilder, die etwas Absolutes vermitteln, einen Menschen, losgelöst von Zeit und Raum. Auch die Texte von Pistorius zwischen den Fotos haben keinen direkten Bildbezug, beispielsweise: „Deutschland ist als größte Volkswirtschaft in der EU, auch der größte NATO-Partner in Europa. … Es wird von uns erwartet, dass wir Führungsverantwortung übernehmen.“ Oder: „Ich bin zutiefst Humanist. Was den Menschen hilft, ist für mich handlungsleitend.“
Ein Faltblatt zur Ausstellung, das in vielen Exemplaren zur Verfügung steht, bezeichnet Pistorius als „den derzeit beliebtesten Politiker Deutschlands“. Es ist vor allem der Fotografin Herlinde Koelbl gewidmet. Boris Pistorius erschien ihr – so schreibt sie – „der Gegenentwurf zu vielen anderen demokratischen Politikern zu sein mit ihrer oft nichtssagenden Kommunikation.“ Sie habe sich gefragt: „Was treibt ihn an? Welche Werte tragen ihn? Und wie spiegelt sich Macht in Haltung und Körpersprache?“
Die Fotografin hat – das erkennen auch Nicht-Fachleute – jedes Detail bedacht und bearbeitet: die Umgebung, Kleidung, Körperhaltung, den Gesichtsausdruck, die Farben und Lichtnuancen. So wird ein durch und durch sympathischer, seriöser Mann mit aufrechtem, zuverlässigem Charakter dargestellt. Meist lächelt oder lacht er und blickt uns direkt an, konzentriert sich manchmal auf sein Gegenüber oder auf einen Gegenstand, eine Waffe, ein Papier.
Es gab, laut Faltblatt, auch ein Begleitprogramm zur Ausstellung. Das endete Mitte März mit einem „Vortrag von Sönke Neitzel und Gespräch mit Herlinde Koelbl“. Das Thema erfahren wir nicht. Aber das Internet verzeichnet noch zwei Veranstaltungen im April. Die letzte mit dem Titel „Aufrüsten für den Frieden? Militärische Aufrüstung und neue Friedensethik“. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich an dieser Veranstaltung die Evangelische Kirche beteiligte, und zwar durch die Direktorin ihrer Berliner Akademie, Friederike Krippner, Mitverfasserin der sogenannten Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick, evangelische Friedensethik angesichts neuer Herausforderungen“. Diese Schrift liest sich wie eine langatmige christliche Regierungserklärung, dekoriert mit Bibelzitaten.
Boris Pistorius, ein starker Mann, Garant für ein starkes Militär, das nicht nur kriegsfähig, sondern offensichtlich auch in hohem Maße kriegswillig ist.
„Boris Pistorius. Aufbruch“ – wohin?
Boris Pistorius. Aufbruch
Ausstellung
Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Berlin
Bis 31. Mai









