Demonstration gegen Panzerverladung am Rostocker Hafen

Für ein Meer des Friedens

Gudrun Stelmaszewski

400 Friedensbewegte folgten am vergangenen Sonntag dem Aufruf des Friedensbündnisses Norddeutschland, um gegen die Verladung von Panzern und Waffenexporte am Rostocker Hafen zu demonstrieren. Sie wandten sich dagegen, dass die Infrastruktur in Deutschland als Logistik-Drehscheibe für die NATO herhalten muss. Im Aufruf forderte das Bündnis, dass der „Missbrauch unserer zivilen Häfen in den kommenden Jahren nicht mehr stattfindet. Stattdessen soll der Zivile Hafenbetrieb für den friedlichen Handel mit allen Ländern der Welt gefördert werden.“ In großer Geschlossenheit bewegte alle Redner das Thema Frieden für alle Menschen und nie wieder Krieg. Großen Anklang fand die von Helga Hobohm bewegt vorgetragene Rede. Darin teilte sie unter großem Beifall der Anwesenden mit, dass in der Kleinstadt Woldegk die Mitglieder der CDU geschlossen ausgetreten seien, weil ihnen der Kriegskurs mit ihren christlichen Werten unvereinbar schien.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Bremen, Hamburg, Rostock und anderen Städten Mecklenburgs setzten ein deutliches Zeichen für einen zivilen Hafenbetrieb und den friedlichen Handel mit aller Welt. Einen historischen Zugang zum Thema eröffnete Raimund Ernst, der sich in seiner Rede mit dem Bau des Rostocker Überseehafens beschäftigte. Der Hafen sei „ein überzeugendes Sinnbild, dass nur der Frieden solche großartigen Aufbauleistungen möglich macht. Der Beschluss, in Rostock einen leistungsstarken Überseehafen zu bauen, wurde am 27. Oktober 1957 mit dem ersten Spatenstich in die Tat umgesetzt.“ Er erinnerte daran, dass der Bau des Rostocker Überseehafens ein Objekt des Nationalen Aufbauwerkes war und Unterstützung aus der ganzen DDR erhalten hatte.

„Der Bau eines großen Hafens auf völlig jungfräulichem Gelände war eine enorme Herausforderung für die Bauleute, die kaum über Erfahrungen im Hafenbau verfügten. Dies galt besonders für die Schaffung einer neuen Ostmole in Warnemünde.“ Die Errichtung der Mole sei mit der herkömmlichen Technologie in der vorgesehenen Zeit nicht möglich gewesen. Ingenieure schlugen vor, die Mole aus Feldsteinen zu schütten. „Überall in der DDR sammelten Menschen Steine von den Feldern und transportierten sie nach Rostock, auch Pferdefuhrwerke und selbst Rucksäcke waren dabei im Einsatz. Mehr als 60.000 Tonnen Steine kamen zusammen. Selten hat die Charakterisierung betrieblicher Anlagen als ‚volkseigen‘ einen sinnfälligeren Ausdruck gefunden“, so Ernst.

Bedenkenlos würden die Regierenden diesen durch und durch zivilen Charakter des Hafens ignorieren und ihn einem neuen deutschen Militarismus opfern. Im Zuge der antirussischen Sanktionspolitik seien russische Investoren aus dem Hafen getrieben, der Bau von Offshore-Anlagen verhindert und die Pläne für den Bau von eisbrechenden Fischtrawlern auf der Warnow-Werft begraben worden. „Die Russen sollten erklärtermaßen ruiniert werden, ruiniert haben sie am Ende nur den Rostocker Hafen selbst und seine wirtschaftlichen Perspektiven. Der ungebremste Wille zu Aufrüstung, zur Umwidmung ziviler Betriebe in Rüstungsbetriebe und zur weiteren Militarisierung aller gesellschaftlichen Bereiche erschwert eine Politik friedlichen Handels und Verkehrs“, sagte Ernst und wies darauf hin, dass die Bundesregierung den Rostocker Hafen zu einem militärischen Aufmarschgebiet der NATO degradiere.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration machten da­rauf aufmerksam, dass Rostock durch die militärische Nutzung zur Zielscheibe in kommenden Konflikten wird. Sie folgten der Losung „Frieden mit Russland und China“, die ihnen auch der Friedensaktivist Reiner Braun mit auf den Weg gab. Einigkeit bestand darin, dass die Proteste in Rostock nur ein Zwischenschritt sein können. Nun muss es darum gehen, die Friedensbewegung in ganz Deutschland zu stärken und besser zusammenzuführen. Erst dann kann sichergestellt werden, dass die Ostsee in Zukunft tatsächlich ein Meer des Friedens sein kann.

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"Für ein Meer des Friedens", UZ vom 10. Mai 2024



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