Vertreter des „Morning Star“ und der KP Britanniens diskutieren auf UZ-Friedenstagen

Gegen Kriege in die Betriebe

Der Wahlsieg der Labour Party, erhebliche soziale Ungleichheit, wochenlange rechte Gewalt: Darüber sprach Arnold Schölzel, UZ-Autor und Kommissarischer Chefredakteur der „jungen Welt“, am Samstagabend mit Gästen aus Britannien auf den UZ-Friedenstagen in Berlin. Angereist waren Bernadette Keaveney von der britischen Tageszeitung „Morning Star“, deren Chefredakteur Ben Chacko und Micaela Tracey-Ramos von der Internationalen Abteilung der KP Britanniens.

Schnell abgehakt war die Frage der Einschätzung des Labour-Siegs. Gewonnen habe Labour nur in Parlamentssitzen, unterstrich Ben Chacko. Tatsächlich sei die Partei heute unbeliebter als zu Jeremy Corbyns Zeiten. In Teilen der Wirtschaft rechne er zwar mit Lohnsteigerungen, generell aber werde die Regierung von Keir Starmer den sozialen Kahlschlag der Vorgängerregierungen fortführen. „Wird die so fortgeführt, haben wir in zehn Jahren eine Situation wie in Frankreich“, befürchtet Chacko mit Blick auf die Wahlerfolge rechter Parteien südlich des Ärmelkanals.

Alle Gäste zeigten sich überrascht von den Ausbrüchen rassistischer Gewalt in den letzten Wochen. Die Linke müsse aktiver werden im Kampf gegen den Rassismus, forderte Tracey-Ramos. Dieser Rassismus sei eingebunden in die Geschichte des Kapitalismus. Die faschistische Rhetorik stamme zum großen Teil von der herrschenden Klasse Britanniens. Der Rechtsruck werde insbesondere von den Tories angeheizt, ergänzte Chacko. Deren Vorsitzender Rishi Sunak habe gemeinsame Zeitungsbeiträge gemeinsam mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verfasst und die Rechte von Migranten stark beschnitten.

Von Deutschland aus betrachtet habe man den Eindruck, in Britannien werde schneller Widerstand geleistet, beobachtete Arnold Schölzel. Tatsächlich sei die Linke in Britannien zwar in der Lage, große Solidaritätsdemonstrationen für Palästina zu organisieren, antwortete Tracey-Ramos, ansonsten sei die Bewegung allerdings schlecht organisiert. Das Klassenbewusstsein sei in Britannien schwach ausgebildet und das politische System mache es schwer, neue Parteien zu etablieren. Die Kommunistin setzt auf die Stärkung der Gewerkschaften.

Der „Morning Star“ wende sich gezielt an Beschäftigte in Arbeitskämpfen, erzählte Bernadette Keaveney. Das Blatt berichte aus und über Streiks, teils mit Sonderbeilagen, und werde kostenlos verteilt an streikende Arbeiter, auch an Teilnehmer von Palästina-Soli-Demos und antirassistische Aktivisten. „Das ist eine wichtige politische Entscheidung. Ohne sie wüssten viele Menschen in Britannien nicht, dass es eine Zeitung gibt, die an ihrer Seite steht.“

Was bleibt zu tun für Kommunisten in Britannien? Die KP Britanniens sehe ihre Hauptaufgabe darin, Klassenbewusstsein zu fördern, erklärte Tracey-Ramos. Ben Chacko ergänzte: „Wir sind in einer Ära permanenten Krieges. Der gegen China rückt immer näher. Es ist notwendig, gegen die etablierten Kriegsparteien vorzugehen.“

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"Gegen Kriege in die Betriebe", UZ vom 30. August 2024



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