Unter dem Motto „Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg – Krankenhäuser statt Kasernen!“ hat die regionale Friedensbewegung auf Initiative der DKP Rheinland-Pfalz am Samstag im dritten Jahr in Folge zum Antimilitaristischen Aktionstag nach Mainz eingeladen. Wieder rief ein breites Spektrum von Linksjugend solid und Linkspartei über SDAJ und DKP, BSW und verschiedene Friedensinitiativen bis hin zum christlichen Versöhnungsbund zur Teilnahme auf.
Auf dem Vorplatz der im letzten Weltkrieg zerstörten Gedenkkirche St. Christoph war morgens alles gerichtet. Ein Hauch von UZ-Pressefest-Feeling in Mainz. Kurz nach Beginn der Veranstaltung ergoss sich ein zweistündiger Wolkenbruch über Haupt- und Versorgungszelt, Kinderbetreuung, Bücherstand und die etwa ein Dutzend Infostände samt Besatzung.
Gut, dass eine Flashmob-Aktion in der Mainzer Innenstadt da schon stattgefunden hatte. Unter dem Titel „Wo bleiben die Milliarden?“ thematisierte sie das Verhältnis von steigenden Rüstungsausgaben und zunehmenden Kürzungen im Sozialbereich. Während eine Rednerin die entsprechenden Erläuterungen verlas, hielten 15 Personen Wechselschilder hoch. Auf deren Vorderseite Ziffern, auf der Rückseite Symbole gesellschaftlich notwendiger Anschaffungen, etwa 10 Euro für ein Mittagessen für ein Schulkind, 10.000 Euro für eine Spielplatzsanierung, 100 Milliarden für ein zehnjähriges Aufbauprogramm für Daseinsvorsorge und Infrastruktur im Interesse der Werktätigen. Dem wurden die aktuell steigenden Rüstungsausgaben gegenübergestellt. Der Flashmob wurde an verschiedenen Plätzen in der überfüllten Mainzer Innenstadt unter großem Interesse der zu diesem Zeitpunkt noch im Trockenen wandelnden Passanten durchgeführt.
Zurück auf dem Platz vor St. Christoph sprach unter einsetzenden Regentropfen als Hauptredner Hannes Kramer aus Göttingen, Sprecher der Schulstreik-Bewegung gegen die Wehrpflicht. Er berichtete davon, wie die aussichtslose Jobsituation Schüler in die Arme der Bundeswehr treibt. Kramer forderte, die Bewegung müsse Hand in Hand mit den Gewerkschaften gegen den Sozialabbau auftreten.

Julia-C. Stange, Mitinitiatorin des Pflegeaufstands in Rheinland-Pfalz, ver.di-Aktive und Bundestagsabgeordnete für die Partei „Die Linke“, argumentierte leidenschaftlich, dass Krieg und Frieden eng mit der sozialen Frage verbunden seien, und schlussfolgerte, dass wir den drohenden Krieg nur verhindern könnten, wenn wir lernten, gemeinsam als Klasse zu kämpfen.
Jan Menning, Sprecher des Wiesbadener Bündnisses gegen Raketenstationierung, rief dazu auf, nach der Entscheidung der US-Armee, vorübergehend keine Hyperschall-Raketen in Deutschland zu stationieren, den Widerstand gegen Mittelstreckenraketen in deutscher Hand zu verstärken. Auch er unterstrich die Notwendigkeit, die Friedensbewegung müsse in den aktuellen Sozialprotesten präsent sein.
Für Solidarität mit dem von den USA völkerrechtswidrig blockierten Kuba warb Janine Heide, Politische Sekretärin der IG Metall Offenbach. Sie wies darauf hin, dass in Kuba nicht nur die Souveränität eines einzelnen Landes angegriffen wird, sondern unser gemeinsames Ziel einer gesellschaftlichen Ordnung jenseits des Turbokapitalismus.
Für die DKP Rheinland-Pfalz warb Bezirkssprecher Phil Drastik abschließend für eine kontinuierliche, ausdauernde Arbeit in den DGB-Gewerkschaften. Die Perspektive im Friedenskampf müsse sein, die Arbeiterklasse zu befähigen, gegen den Kriegskurs der Regierung zu streiken – streikfähig statt kriegstüchtig sei die Parole.
Zum Schluss der Veranstaltung ließ sich der Himmel erweichen, passend zur Aufführung einer auf die aktuelle Kriegsgefahr angepassten Fassung des faustischen „Dialog vor der Himmelspforte“. Die kecke Aufführung, die üppigen Kostüme und sicherlich auch die teuflische Präsenz direkt vor dem Eingang der Friedenskirche erregten die Aufmerksamkeit der sich mit den ersten Sonnenstrahlen wieder einstellenden Passanten. Die Musikgruppe Lebenslaute, die bis dato unter tropfenden Zeltplanen spielte, tritt noch einmal unter blauem Himmel auf. Der antimilitaristische Aktionstag endet mit dem Singen der Internationale, bevor dutzende rote Luftballons mit der Forderung nach Abrüstung den Luftraum der Air Base Wiesbaden-Erbenheim durchkreuzen.









