Jetzt ist es offiziell: Auf der Hauptversammlung von BioNTech hat der Vorstand am vergangenen Wochenende die Entlassung von knapp 1.900 Beschäftigten verkündet und sich dabei zynischerweise bei der Belegschaft für ihre „außergewöhnlichen Leistungen“ in den vergangenen Jahren der Coronapandemie bedankt.
In dieser Zeit hatte BioNTech in Kooperation mit dem US-amerikanischen Pharmagiganten Pfizer den meistverkauften Impfstoff „Comirnaty“ produziert und vermarktet. Zirka 19 Milliarden Euro an Gewinnen sprudelten in die Kassen von BioNTech. Die Konzernadresse in Mainz lautet denn auch „An der Goldgrube 12“.
Mit Steuergeldern in Millionenhöhe wurde das Unternehmen damals vom Staat unterstützt. Die Nachfrage nach dem Impfstoff ließ aber schon 2023/2024 deutlich nach, und im Jahr 2024 verbuchte BioNTech einen Verlust von 665 Millionen Euro. Für einen milliardenschweren Konzern wie BioNTech ist das jedoch kein Problem, da das Unternehmen schon seit einiger Zeit schwerpunktmäßig über gewinnträchtige Krebstherapien mit seiner mRNA-Technologie und neuen Antikörperstrategien forscht. Der Konzern entwickelt 25 neue Medikamente, von denen einige bereits in Studien an Patienten getestet werden. Dazu kommt, dass BioNTech Ende 2025 seinen Hauptkonkurrenten CureVac aus Tübingen für 1,25 Milliarden Euro schluckte, nur um das Patentmonopol auf dem Gebiet der mRNA-Technologie zu erlangen.
Der Corona-Impfstoff ist nicht mehr ausreichend gewinnbringend und hat seinen Dienst für das Unternehmen getan. Die neuen Krebsmedikamente brauchen noch drei bis vier Jahre Zeit, bis sie vermarktet werden können. Dabei setzt BioNTech auf die Kooperation mit internationalen Pharmagiganten wie zum Beispiel mit dem Schweizer Konzern Roche oder auch dem US-Pharmariesen Bristol Myers Squibb. Diese Kooperationen sind notwendig, da BioNTech alleine finanziell nicht in der Lage wäre, die neuen Medikamente klinisch am Menschen zu testen und dann weltweit zu vermarkten. Das hatte sich schon bei dem Corona-Impfstoff mit dem US-Konzern Pfizer bewährt.
Ende 2024 hatte BioNTech weltweit noch etwa 6.800 Beschäftigte. Jetzt sollen bis Ende 2027 allein in Deutschland 1.860 Stellen wegfallen und die Standorte in Marburg und Idar-Oberstein und vor allem der ehemalige CureVac-Standort in Tübingen, der gerade erst übernommen wurde, geschlossen werden. Damit wird der ehemalige Konkurrent endgültig abgewickelt. Nach Angaben des Unternehmens betrifft das rund 820 frühere CureVac-Beschäftigte. Alle Versprechungen von BioNTech an die Tübinger Stadtspitze bezüglich blühender Biotech-Landschaften sind damit Makulatur.
Die Gewerkschaft IG BCE kritisierte die Pläne als gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit und als Frontalangriff auf die Beschäftigten. „Im Konzern haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen“, sagte Roland Strasser, der Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland. „Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotechstandorts Deutschland.“
Kollege Strasser gibt sich entrüstet und überrascht, dass der Kapitalismus in erster Linie nach Profiterwartungen funktioniert und die Beschäftigten nur jeweils nach Bedarf einstellt und nach getaner Arbeit wieder im besten Fall „sozialverträglich“ entlässt. Gesamtgesellschaftliche Erwägungen bezüglich möglicher Impfstoffengpässe in Zukunft fallen schon gar nicht in die Verantwortung eines Konzerns, der sich jetzt neuen Ufern zuwendet – dorthin, wo neue Milliardengewinne winken. Dem möglichen Verkauf der Standorte an einen neuen Investor – wie vom Betriebsrat gefordert – hat BioNTech sofort eine kategorische Absage erteilt.
Das Unternehmen hat erst vor kurzem ein Medikamentenpatent von einem chinesischen Unternehmen zugekauft und entwickelt es nun gemeinsam mit dem US-Pharmaunternehmen Bristol Myers Squibb. Laut Beobachtern hat das Mittel das Potenzial, dem derzeit umsatzstärksten Medikament der Welt – dem Krebsmedikament Keytruda des US-Konzerns Merck – Konkurrenz zu machen. Im Jahr 2025 machte Merck allein mit Keytruda 31,6 Milliarden Dollar Umsatz. Hier winken in Zukunft Milliardengewinne. Daher der aktuelle Konzernumbau und die Entlassungen der Kolleginnen und Kollegen.









