Seit 20 Jahren organisieren die „Nordbremer Bürger gegen den Krieg“ Friedenskundgebungen

Immer wieder Freitags

Gerd-Rolf Rosenberger, Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg

Am 9. November 2001 fand die 1. Friedenskundgebung der „Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg“ vor Leffers in Bremen-Vegesack statt. 20 Jahre später, am 12. November, findet nun die 986. Friedenskundgebung statt – natürlich vor Leffers und wie immer um 17.05 Uhr. Jeden Freitag treffen sich die Kriegsgegner zu einem Referat zu einem aktuellen Friedensthema, gefolgt von einem Friedensgedicht und einer Spendensammlung für ein internationales soziales Projekt. Nicht zu vergessen das „Offene Mikro“ und am Ende ein Friedenslied. Trotz Corona ist die wöchentliche Friedenskundgebung nicht einmal ausgefallen.

Viele weitere Projekte und Aktionen gingen und gehen von der „Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg“ aus. Seit 2012 unterstützen die Friedensfreunde zum Beispiel das Olivenölprojekt „Synergasia“ für die Olivenarbeiter aus Westkreta, initiiert von Renate Münder aus München und Hansgeorg Hermann aus Paris. Seit neun Jahren putzt die Initiative vierteljährlich inzwischen 55 Stolpersteine; das Putzen organisieren ein DKP- und ein SPD-Mitglied. 30 Monate lang sammelten die Aktivisten jeden Dienstag in der Fußgängerzone in der Gerhard-Rohlfs-Straße insgesamt 1.900 Unterschriften für den Friedensappell „Abrüsten statt Aufrüsten“.

Unterschriften und Geld sammelten sie auch für zwei besondere Stolpersteine: Für den Gewerkschafter Karl Wastl, der im KZ Sachsenhausen mit seiner Solidaritätsaktion „Rote Kuhle“ kriegsgefangene Rotarmisten vor dem Verhungern bewahrte, und für Luise Otten. Die Küchenhelferin auf einem Luftwaffenstützpunkt wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und später begnadigt. Ihr Stolperstein soll im September 2022 in Farge-Rekum verlegt werden.

Seit vier Jahren werden wöchentlich jeden Freitagmorgen die Wege der ermordeten KPD-Widerstandskämpfer Leo Drabent und Hans Neumann gereinigt, die von den Nazifaschisten am 20. November 1944 enthauptet wurden. Die Reinigung der KZ-Gedenkstätte Bahrsplate in Blumenthal gehört dazu. Zwei Jahre lang unterstützten drei Friedensfreunde die Arbeit in der Kleiderkammer in der damaligen Unterkunft für Geflüchtete in der Reepschlägerstraße in Bremen-Rönnebeck. Seit Monaten organisiert die Friedensinitiative wöchentliche Friedensmahnwachen gegen Waffenexporte und Auslandseinsätze der Bundeswehr in der Fußgängerzone Gerhard-Rohlfs-Straße und positionierte sich vor Beiratssitzungen, die in Präsenz in Blumenthal stattfanden, gegen die AfD. Im Bündnis mit anderen demokratischen und sozialistischen Organisationen wirkt die Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg seit 14 Jahren aktiv an der Vorbereitung des jährlichen Gedenkens für die ermordeten Kämpfer der Bremer Räterepublik auf dem Waller Friedhof mit. Für eine neue Lautsprecheranlage wurden spontan 1.300 Euro gesammelt.

Wenn all das kein Grund zum Feiern ist! Zur „Jubiläums“-Friedenskundgebung am Freitag, den 12. November, um 17.05 Uhr vor Leffers in Vegesack, kommt Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR, der internationalen Dachorganisation von Verbänden der antifaschistischen Widerstandskämpfer. Ein weiterer Redner ist der Mitgründer der Friedensinitiative Bremen-Nord, Pastor Volker Keller. Gesammelt wird für die Elektrifizierung von Ärztehäusern und Grundschulen mit solarer Energie auf Kuba.

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"Immer wieder Freitags", UZ vom 5. November 2021



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